[IP] Sinar Temaram / Zwielicht

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    Wir haben einen Deal ... geht es Spark durch den Kopf. Die Straße war spannend wie immer, aber zuallerersteinmal würde der Wujen zu seinem Wort. Er nahm in Gedanken Kontakt zu seinem Geist auf:


    Ich benötige deine Hilfe. Dieser Typ da, Spark wies auf den Gefangenen hin, wird hier gefangen gehalten. Löse seine Fesseln und hilft ihm, von diesem Ort zu fliehen. Wenn er verfolgt wird, hilf ihm unterzutauchen und zu entkommen. Spark musste an die Red Suns denken und konnte sich den Nachsatz nicht verkneifen: Die Verfolger kannst du ablenken oder ausschalten, das überlasse ich dir.


    Dann wandte er sich wieder an seinen Gegenüber:

    "Okay, der Deal steht. Mein Geist wird dir helfen, von diesem Ort zu entkommen. Sei morgen früh um neun Uhr am Merdeka Square und trage eine grüne Flamme am Arm. Dann wird dich jemand ansprechen und zu mir bringen. Du kannst ihm vertrauen. Und ich will noch deinen Namen wissen!"

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    Der Oni nickt bestätigend und antwortet:


    "Ich heiße Eko."


    Das war's. Kein großartiger Straßenname, kein Spitzname. Ein wenig unwohl fühlt der Oni sich schon. Er weiß nicht welche Hilfe er von einem Geist erwarten kann. Zudem überlegt er was der Geist tun wird, wenn sein 'Meister' nicht mehr anwesend ist. Wird er bleiben, gehen oder gar sich gegen Eko wenden? Die Ganze Sache ist nicht weniger suspekt als die Frau die vorhin bei ihm war. Aber was kann er schon gegen einen Dokun und seinen Geist tun? Die Frau war wenigstens greifbar, materiell. Das hier ist auf eine gewisse Art irreal. Angespannt wartet er ab, was der Geist und der Dokun jetzt machen werden.

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    @Eko @Spark


    Ekos Worte sind kaum verklungen, als die alte Metalltüre zu dem Raum wieder aufgestoßen wird und das Mädchen hereintritt. Radén Rara Sirianti ist klein und zierlich, fast schon androgyn von ihrem Körperbau her. Ihr Gesicht ist ohne Frage sehr hübsch, was durch die roten Lippen und die dunkel geschminkten Augen noch betont wird. Doch wohnt ihren schmalen Lippen und den feinen Gesichtszügen auch ein harter Zug bei, der jedem zeigt, dass sie schon einiges gesehen haben muss. Gekleidet ist sie in eine traditionelle Kebaya, eine feingearbeitete und delikate Bluse in zarten Farben, sowie einen Damen-Sarong, der ihr bis kurz unter die Knie geht. Konterkariert wird das traditionelle Outfit durch die abgewetzten Turnschuhe, die das Mädchen trägt, das vielleicht schon eine junge Frau ist, was aber nur schwer auszumachen ist.

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    Eko wendet seinen Kopf in Richtung der Tür. Als er das Mädchen oder die junge Frau durch die Tür kommen sieht, fragt er sich, ob der Geist oder der Dokun für das Mädchen zu sehen sind. Aber das wird er gleich mitbekommen. Zudem schießt es ihm durch den Kopf, das er jetzt keine Augenbinde mehr hat. Wie soll er ihr erklären das er die Augenbinde abnehmen konnte obwohl er noch immer an den Stuhl gefesselt ist? Zudem bemüht er sich durch die offene Tür zu schauen. Vielleicht kann er jetzt etwas mehr erkennen. Das Problem ist nur, dass das Mädchen derzeit einen großen Teil seines Sichtfeldes einnimmt. Daher kann er nicht viel erkennen. Das Mädchen selbst ist traditionell und eher schlicht gekleidet und geschminkt. Das macht es dem Oni noch schwerer ihr genaues Alter einzuschätzen. Eko betrachtet das Mädchen von oben bis unten um zu erkennen was der Grund ihres Besuches ist. Wird sie ihn erneut verletzen, bringt sie etwas zu Essen und Trinken oder will sie nach der Wunde sehen die sie ihm zugefügt hat?

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    Ozzy registriert, dass die Naga Hernanto zumindest irgendetwas in seinem Sinne geantwortet haben muss, aber Ozzy weiß immer noch nicht was er eigentlich von ihr wollte. Er zuckt die Schultern in Ricos Richtung und schwingt sich dann von seinem Sitzplatz um Hernanto in den Weg zu treten. Er hofft auch nur auf Informationen, weil eine Diskussion mit Hernanto konnte man in seinen Augen ja nur verlieren. "Dafür kannst Du ja gleich schon Azahari für die Aktion einschwören." brummt er in Ricos Richtung.


    Wer weiß vielleicht war' der meiste Redebedarf von Hernanto für heute schon gedeckt und es gibt zur Abwechslung eine knappe Antwort, auch wenn das nicht wirklich zu erwarten war.

    "Hoi Hernanto, Du hattest doch mal von Kanjeng Ratu Kidul erzählt. Kennst Du denn auch die Kebatinan von ihr, die sich in Muara Baru befindet, also dieser Laden KaRaKi und weißt was die so treiben und wie die so drauf sind?"

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    @Eko @Spark


    Die Türe schwingt direkt wieder zu. Ob noch jemand anderes auf der anderen Seite wartet, ist in der Schnelle nicht zu erkennen gewesen. Radén Rara Sirianti hält eine schlichte Schale in der rechten Hand, die mit Klepon, süßen Reiskuchenbällchen, gefüllt ist. Sie bleibt direkt stehen, kaum dass sie den Raum betreten hat. Denn obwohl Spark und sein Geist anscheinend schnell genug ihre "weltlichen Hüllen" wieder haben fallen lassen, bemerkt sie, dass hier irgendetwas nicht stimmt.


    Im selben Moment erspürt Spark die Aura des Mädchens. Gegen die grauen und leblosen Schatten der Gebäudestrukturen hebt sie sich in ihrer schillernden Vielfalt deutlich vom Hintergrund ab. Spark spürt einen Funken der Neugier in ihm aufsteigen. Die Kleine ist erwacht! Aber die Magie in ihr ist, zumindest bisher, nur schwach ausgeprägt - wie stark sie ist, vermag der Wujen vorerst nicht zu sagen, aber in jedem Fall ist sie schwächer als die seine. Als das Mädchen Eko in ihren Blick nimmt, nachdem sie den Raum kurz auffällig gemustert hat, erspürt Spark ein Kräuseln, dass durch ihre Aura geht. Widersprüchliche Gefühle wogen wie die aufgebrachte javanische See in der jungen Frau auf und ab, als sie den Oni mustert. Es ist schwer, einzelne Regungen herauszulesen, aber Spark nimmt stärkere Gefühle wahr, darunter Angst, aber auch Zuneigung.


    Radén Rara Siriantos Blick bleibt an Eko hängen. Natürlich fällt ihr auf, dass er seine Augenbinde nicht mehr trägt, doch sie spricht ihn nicht direkt darauf an.


    "Ich habe hier eine kleine ... Wiedergutmachung", beginnt sie, ohne näher an ihn heranzutreten. Dass sie sich so schnell wieder gefasst hat, ist ein deutliches Zeichen für die Stärke ihrer Persönlichkeit.



    @Ozzy


    Rico murmelt irgendetwas in sich hinein, leistet aber keinen Widerstand. Vermutlich ist ihm die Kämpfer-Akquise dann doch lieber als eine Diskussion mit Hernanto.

    Hernanto wirkt sofort erfreut, als Ozzy sich an ihn wendet. Mit auslandenden Handbewegungen, fängt er sofort an zu erzählen.


    "Es freut mich, dass du dich dafür interessierst, Bruder. Ich habe schon immer geahnt, dass hinter der Fassade des muskelbepackten Kämpfers ein wacher Geist steckt. Die Kebatinan sind äußerst vielfältig. Es ist ein kleinerer Strom, der dich interessiert. Kanjeng Ratu Kidul hat viele Namen, aber sie ist zweifelsohne die Göttin der Südlichen See. Und die See hat viele Gesichter. Ich habe gehört, dass es eine Kebatinan geben soll, die ihren dunklen Aspekt anbetet. Ihre Launenhaftigkeit und Zerstörungskraft. Muara Baru ist für diese Leute der perfekte Ort, denn das Wasser hat dort über den Menschen triumphiert und zu Leid und Elend geführt. Natürlich ist auch dies den japanischen Unterdrückern geschuldet, deren Geschäftspraktiken die Korruption antreiben, sodass Bauprojekte von zweifelhafter Qualität entstehen. Aber zurück zum Thema. Soweit ich weiß, ist es eine Frau namens Gelombang, die die Kebatinan leitet und ihr spirituelle Führung verleiht."

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    "Was habt Ihr dem Guten gesagt, dass er darauf so euphorisch reagiert habt?"

    fragte Azahari als sich eine passende Gelegenheit bot und hoffte dabei, dass sich die Antwort nicht um tote Japse als Futter drehte.


    Aber im Grunde konnte es ihm auch egal sein. Er hatte mit den Japanern nichts am Hut.


    Er steckte sich eine Betel in den Mund und begann darauf herumzukauen bis der scharfe Geschmack verschwunden war und sich ein dumpfes Gefühl in seinem Mund breit machte.


    Als sich das junge Mädchen zu ihnen gesellt ist er mehr als überrascht. Normalerweise meiden ihn die Menschen. Wahrscheinlich eher die Neugierde. Ssssrrok und ein wenig auch er sind da schon ein etwas kurioser Anblick. Es wundert ihn, dass noch niemand ein Foto mit ihnen oder zumindest mit der Naga machen wollte.


    "Selamat malam, Mbak Ies. Ich freue mich Eure Bekanntschaft zu machen."


    dabei versuchte er ein möglichst neutrales Gesicht zu machen. Aus Erfahrung weiß er, dass sein Lächeln andere Menschen eher nervös macht.


    Er war zwar nicht der Gastgeber bot aber dennoch der jungen Frau eine Flasche "Te botol" an.

    Sollte er wirklich entscheiden hier zu bleiben konnte es nicht schaden sich mit den Leuten bekannt zu machen.

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    Hernantos Kommentar zu seinem wachen Geist ringt ihm dann doch ein schiefes Grinsen und eine gehobene Augenbraue ab. Aber er folgt seinen Worten diesmal tatsächlich aufmerksamer als den Reden, die er gerade eben noch geschwungen hatte und nickt immer wieder bestätigend, dass er versteht. Gerade die Launenhaftigkeit und Zerstörungskraft der See sind ihm nicht fremd.


    "Gelombang ... sagt mir mal nichts ... hat sie denn mit den Japsen irgendwas zu schaffen? Also dass Du wüsstest?"

    Er schiebt sich nochmal den Hut zurecht und zündet sich noch eine normale Zigarette an, hilft ihm irgendwie beim konzentriert zuhören.

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    @Spark


    Bevor Spark sich in den Kellerraum zu Eko aufgemacht hat, hat er sich den Rest des KaRaKi im Astralraum angesehen. Zu dieser Tageszeit scheint in dem Gebäude nicht viel los zu sein, was ihn aber auch nicht verwundert. Drei Auren nimmt er wahr, den Oni und das Mädchen, auf die er später treffen wird, nicht mitgerechnet. Bei den ersten beiden Auren handelt es sich um einen Jungen und ein Mädchen, die für Spark nur von geringem Interesse sind. Er vermutet, dass es sich um Hilfskräfte des Ladens gehört und nicht um Mitglieder der Kebatinan. Die andere Aura gehört einem Ork.


    @Azahari


    "Srrroook ist des Kämpfens müde, aber Schuld muss mit Tat bezahlt werden", vernimmt Azahari die Stimme der Naga, bevor diese ihren Kopf wieder auf den Leib hinabsenkt, die Augen aber offenhält. Anscheinend hat die Naga beschlossen, mit den Blades in den Kampf zu ziehen.


    Azaharis unverhoffte Gesprächspartnerin zeigt einen kurzen Ausdruck des Erstaunens in ihren dunklen Augen. Er hat sogar das Gefühl, als würde sie kurzzeitig erröten. Tatsächlich fühlt Iesye sich mehr als geehrt. Sie kann sich nicht daran erinnern, dass sie jemals jemand mit dieser Anrede angesprochen hat. Alleine schon der Klang des Wortes ruft eine kribbelnde Erregung in ihr wach. Iesye kennt sich selbst gut genug, um zu wissen, dass sie scharf auf diese Art von Anerkennung ist. Dies und noch mehr. Obwohl sie das Äußere Azaharis abschreckt, nimmt sie die Teh Botol mit einem Lächeln entgegen, das sie normalerweise für andere Gelegenheiten einstudiert hat - wenn sie beschlossen hat, einen Mann um den Finger zu wickeln.

    Iesye kommt jedoch nicht weit in ihrem Versuch, da Rico an ihre Seite tritt.


    "Hoi, Azahari. Können wir kurz reden?"


    @Ozzy


    Hernanto legt seine beiden Handflächen an die Nase und reibt. Er denkt nach. Dann nimmt er die Hände wieder hinab, natürlich nicht, ohne beim Reden wild zu gestikulieren.


    "Bruder ... du solltest über folgendes Szenario nachdenken. Das KaRaKi und damit das Machtzentrum dieser die dunkle Seite Kanjeng Ratu Kiduls verehrenden Kebatinan liegt in Muara Baru. Daran grenzt direkt Glodok an. Glodok liegt in der Hand der Triaden. Die Wujen der Triaden sind darauf bedacht, ihre Drachenlinien - dazu kannst du gerne den verehrten Spark ausfragen - zu erhalten und sowieso sind sie erpischt darauf, dass die Dinge eben im Fluss bleiben, um das Chi, oder irgendeinen anderen Hokuspokus, nicht zu behindern. Das bringt sie in direkte Konkurrenz mit der Kebatinan, die im Prinzip genau das Gegenteil will. Und wenn die dann irgendwas aushecken, dann betrifft das zu allererst eben die Triaden. Und wer, Bruder, meinst du wohl, sind die Erzfeinde der Triaden? Richtig ... die Yaks. Gemäß des simplen Ausspruchs: Der Feind meines Feindes ist mein Freund, gehe ich schwer davon aus, dass die Kebatinan diesbezüglich Verbindungen zu den Japsen hat. Benar? Aber hallo ... ."

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    Damit hatt sich seine Vermutung bestätigt. Die Naga würde mit den Blades in den Kampf ziehen. Wahrscheinlich gar keine schlechte Übereinkunft für beide Seiten.

    Sofern Srrroook den Kampf überleben würde, hätte sie jemanden der ihr den Rücken frei hielt. Alleine hier in der Stadt zu leben war ein permanentes Risiko, gerade auch für non-human.


    Einen Moment lang starrt Azahari Iesye gedankenverloren an, bevor er sich dann von ihr losreißen kann und sich Rico zuwendet.


    "Natürlich. Um was geht es?"


    Plötzlich gab es wieder gute Gründe vielleicht doch hier zu bleiben!

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    Ozzy runzelt die Stirn als er zuhört, aber die Erklärung von Hernanto bringt endlich die ganzen Puzzlestücke zu einem passenden Bild zusammen. Die Verbindung dass ein Cop der in Glodok tätig ist und mit den Yaks zusammenarbeitet ein Dorn im Auge der Triaden ist, hatte er ja schon laut vermutet bei dem Treffen mit Daiyu ... aber dass das natürlich auf spiritueller, magischer, oder welcher Ebene auch immer, genauso der Fall sein könnte, bringt endlich Sinn in die Beteiligung das Kebatinan in der ganzen Sache.

    "Benar! Right... das macht total Sinn."


    Politik, egal ob die Große oder auf Gangebene waren ja wirklich nicht Ozzys Ding, aber vielleicht sollten sie tatsächlich noch überlegen ob die Nao Hsin Feng nicht auch was von der Aktion haben. Er müsste die anderen mal fragen, ob das den Tod des Cops noch unverdächtiger oder zu viele Probleme für die chinesische Gang bedeuten würde. Und wenn schon, fragen kann man doch eigentlich immer und dann ist es ein einfaches "Yes or No". Die Feinheiten der Verhandlungen für eine solche Zusammenarbeit, die einfach doch ein wenig mehr beinhalten um niemanden auf die Füße zu treten oder in eine missliche Lage zu bringen, sind ihm einfach vollkommen unklar.

    Hernanto kann merken, dass Ozzy im Moment angestrengt darüber nachdenkt, was dieser Zusammenhang ihnen jetzt bringen kann.

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    Eko kommt sich so langsam vor wie auf einem Jahrmarkt und er ist die Hauptattraktion. Von Spark und dem Geist ist nichts mehr zu sehen. Sie sind verschwunden so wie sie erschienen sind. Haben sie ihn zurückgelassen oder sich wegen Radén Rara Sirianti zurückgezogen. Ein Dokun wird sich an ein gegebenes Wort halten. Da ist sich der Oni sicher. Doch nun ist die junge Frau zurück und hat etwas zu essen mitgebracht. Also was tun? Auf sie zu gehen oder weiterhin abblocken.


    "Wenn es stimmt das du dazu gezwungen worden bist, dann musst du nichts bei mir gut machen."


    Versucht Eko es mit etwas Freundlichkeit. Das Auftauchen von Spark gab ihm etwas Zuversicht das hier irgendwie zu überstehen.


    "Ich werde das Essen jedoch nur ansehen können, so lange meine Hände an diesen Stuhl gekettet sind. Und sag jetzt nicht das du mich füttern willst. So weit sind wir in unserer Beziehung noch nicht."


    Der letzte Satz klingt leicht neckend und freundlich. Man kann deutlich heraus hören das er ihn freundlich gemeint hat. Seine tiefe Bassstimme vibriert leicht.

  • -2293-


    @Azahari


    Iesye ist nicht dumm. Sie ist zwar mehr als nur neugierig, aber sie spürt, dass es jetzt um harte Gangpolitik gehen wird. Deshalb verzieht sie sich. Nicht aber, ohne Azahari noch einmal mit einem Lächeln für die Teh Botol zu danken und sicherzustellen, dass er bei ihrem Abgang einen guten Blick auf ihren Hintern werfen kann.


    Rico nimmt das Ganze nicht wahr oder aber es ist ihm egal. Er geht sofort zum Geschäft über.


    "Es wird demnächst ne große Aktion starten. Du hast ja selbst schon gesehen, dass hier einiges in Bewegung ist. Die Blades müssen noch eine Schuld begleichen, können aber zugleich auch den Kampf mit den Red Suns, unseren Rivalen, zu einem Ende bringen. Deshalb brauchen wir eine kampfkräftige Truppe. Es könnte dein Initiationsritual bei den Blades sein, wenn du willst. Zumindest aber würden die Blades in deiner Schuld stehen. Was sagst du? Willst du mehr wissen?"


    @Ozzy


    Hernanto lächelt. Zum ersten Mal, seit sie miteinander reden, stehen seine Hände still.


    "Das Problem ist nicht das Wissen, Bruder", fährt er dann noch fort, so als habe er Ozzys Gedanken gelesen. "Die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und entsprechend zu handeln - das ist die Kunst. Darin unterscheidet sich Wissen von Macht."


    Hernanto scheint mehr als zufrieden mit seiner Rolle des Straßen-Gelehrten. Mehrfach nickt er, mehr zu sich selbst als an seinen Gesprächspartner gewandt. Dann verschränkt er die Arme hinter dem Rücken und spaziert, den Kopf wieder voller Gedanken, ohne ein weiteres Wort von dannen.

  • - 2294 -


    Nachdem die Zeichen auf Krieg stehen, weiß auch Azahari, dass Rico nicht nur zum 'gnobrol-gnobrol' gekommen ist.

    Jetzt ist die Zeit Nägel mit Köpfen zu machen und die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.


    Er winkt Iesye hinterher, wirft noch einen Blick auf die Naga und richtet seine Aufmerksamkeit dann ganz auf den Jade Blade.


    "Dann lass mal hören."


    Azahari hat mit den Red Suns nichts zu schaffen. Es ist nicht sein Kampf. Aber wie Rico bereits angedeutet hat ist es eine Chance...

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    Ozzy nickt nochmal vielsagend oder nichtssagend, diese Kunst ist bei ihm wohl eher ein Zufallsprodukt. Er beschließt noch ein bißchen das Wissen in seinem Kopf hin und her zu schieben und erstmal auf die Rückkehr von Spark zu warten bis er eine Schlussfolgerung äußert.


    Er geht dann wieder zurück zu ihrem improvisierten Besprechungszimmer und leistet Sparks Körper ein wenig Gesellschaft, während er dann einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit diesmal ganz in Ruhe den verschiedenen Tellern mit Essen widmet und sich eine weitere Dose Bier aufmacht.

  • -2296-


    @Eko


    Ein unmerkliches Schaudern geht über Raras Körper, als der Oni, dessen Namen sie noch immer nicht kennt, seine tiefe Bassstimme erklingen lässt und sie auf diese Art und Weise anspricht - wohlig und furchteinflößend zugleich. Rara spürt ein gewisse Verunsicherung in sich. Sie weiß, dass hier irgendetwas anders ist, aber sie kann es nicht genau ausmachen. Es ist nur ein Gefühl. Sie muss sich entscheiden. Schließlich obsiegt ihre Neugierde. Langsam geht sie auf Eko zu, wortlos. Sie kniet sich hin, stellt die Schale behutsam neben den Stuhl auf den Boden. Eko kann sie nun aus der Nähe betrachten. Die Schönheit, die ihr innewohnt, ist wahrlich markant und ausdrucksstark. Trotz ihres zierlichen Körperbaus und der wenig ausgeprägten weiblichen Attribute, wohnt ihr eine eindrucksvolle Präsenz inne, die durch die feingeschnittene Form ihres hübschen Gesichtes noch verstärkt wird. Noch immer kniend, beginnt sie endlich, zu sprechen.


    "Ich habe dich nicht belogen", spricht sie leise, aber mit einer Stärke in ihrer Stimme, die erneut ihren unbändigen Willen demonstriert. Ihr Blick fällt auf Ekos Fesseln, sodass auch der Oni dem ihren folgt. Immerhin ist er mehr als nur interessiert daran, herauszufinden, wie man ihn fixiert hat. Es sind zwei breite Metallschnallen, eine auf jeder Seite. Die Unterseiten kann er nicht erkennen, aber er geht davon aus, dass man sie an den Manschetten mit mehrfach verwobenem Draht oder ähnlichem fixiert hat. Ekos Blick fällt auf Radén Rara Siriantis schmale Handgelenke und ihre zierlichen Finger, deren Nägel schwarz lackiert sind. Selbst mit Werkzeug würde es der jungen Frau schwerfallen, ihn von seinen Fesseln zu lösen.


    Dann hebt sie den Blick, noch immer kniend. Sie schaut ihn direkt an aus ihren dunkel geschminkten Augen. Eko hat das Gefühl, als würde er auf die See blicken, sich in ihren Wogen verlieren. Einsamkeit liegt in diesem Blick, aber auch Unbeherrschtheit. Und dann ist da noch der Funke von Zuneigung, der plötzlich auf ihn überspringt und, ohne dass er es gewollt hat, ein Kribbeln über seinen Körper fahren lässt.


    "Es würde mir nichts ausmachen, dich zu füttern. Die Klepon sind köstlich", spricht sie nach dieser längeren Pause erneut, während sich ihre schmalen roten Lippen zu einem Lächeln formen.


    @Azahari


    Rico entspannt sich ein wenig. Zumindest so weit, wie das in direkter Nähe zu einer Naga und jemandem wie Azahari möglich ist.


    "Nun ... es ist so. Die Blades werden einen Run für Daiyu ausführen, eine chinesische Runnerin. Daiyus Ziel ist ein Mann namens IPTU Hidayat von der Sat-Resnarkoba. Falls dir das nichts sagen sollte - das ist das Drogendezernat der POLRI."


    Rico macht eine kurze Pause, damit Azahari dieses gewichtige Bündel an Informationen schlucken kann. Dann fährt er fort:


    "Dieser Typ hat was mit den Red Suns zu tun. Er wird sich mit ihnen treffen. Das ist die Gelegenheit, um ihn auszuschalten. Mit dem Typen haben wir selbst nichts zu tun, zumindest nicht direkt. Daiyu und ihr Partner, Chang, werden das erledigen. Aber die Blades sind für die Red Suns verantwortlich. Unsere Feindschaft zu ihnen ist auf der Straße kein Geheimnis. Niemand wird Verdacht schöpfen, wenn es zum Kampf kommt. Daiyu und Chang werden das Chaos nutzen, um diesen IPTU auszuknipsen."


    Ricos Blick fällt kurz an Azahari vorbei in Richtung Naga, aber Srrroook ruht nach wie vor unbewegt da und die absolute Regungslosigkeit seiner Augen macht es schwer, zu erkennen, ob die Naga irgendetwas von dem, was Rico erzählt, mitbekommt oder nicht.


    "Obwohl auch die Red Suns während der vergangenen Kämpfe schon Blut gelassen haben, haben die Blades in letzter Zeit an vielen Fronten gekämpft. Zu vielen. Wir können jede Unterstützung gebrauchen, die wir bekommen können."

  • - 2297 -


    Azahari hört aufmerksam zu. Nachdem er bei dem Treffen mit der chinesischen Runnerin dabei war hatte er Zeit sich darüber seine Gedanken zu machen.


    Er wartet bis Rico geendet hat und sieht ihn dann mit festen Blick direkt in die Augen.


    "Ich hoffe ihr seid euch darüber im Klaren, dass der Tod des Sat-Resnarkoba auf die Jade Blades zurückfallen kann.

    Und das wird es auch!"


    "Keine Polizeieinheit sieht es gerne wenn ihre Mitarbeiter getötet worden. Dabei spielt es keine Rolle ob der Typ jetzt korrupt ist oder nicht.

    Der Preis wird höher sein als ihr denkt, Pak. Seid ihr bereit ihn zu bezahlen?"


    Er selbst hatte keine Familie, keine Verpflichtungen. Für ihn gab es nur Azahari-gila. Aber die Blades waren eine große Familie. Hier würden alle Folgen dieser Entscheidung mit zu tragen haben.

  • -2298-


    Als sich Rara vor ihn hin kniet und seine Fesseln begutachtet, fällt dem Oni das erste Mal auf wie zierlich dieses junge Frau ist. Als er ihr in die Augen sieht und merkt das sie einen starken Willen hat und sich zeitgleich einsam zu fühlen scheint, macht etwas in dem Oni klick. Er kennt die Einsamkeit viel zu Gut um diesen Blick nicht zu erkennen. In diesem Moment entschließt sich Eko der Frau zu glauben. Ob er ihr wirklich vertrauen kann, das wird sich noch herausstellen. Leiser aber entschlossener Stimme sagt er:


    "Danke, dass wird nicht notwendig sein. Ich werde gehen. Scheinbar versteht hier nur eine Person etwas von Gastfreundschaft."


    Eko lächelt Rara an und entblößt dabei leicht seine weißen Zähne.


    "Es wäre hilfreich zu wissen wo sich meine Sachen befinden und wie viele Leute in der Nähe sind. Wenn ich gehe bin ich bemüht einen guten Eindruck zu hinterlassen. In diesem Fall ..."


    Kurz schaut der Oni auf seine Fesseln bevor er weiter redet.


    "... bin ich mir aber nicht sicher ob ich überhaupt etwas hinterlassen will."


    Dabei schaut er der jungen Frau ins Gesicht. Zum einen will er sehen ob sie den versteckten Hinweis das er sie mitnehmen würde verstanden hat. Zum anderen möchte er einschätzen, ob sie ihn verraten, ihm helfen oder ihn einfach ignorieren wird. Letzteres wäre eine indirekte Hilfe.

  • -2299-


    @Azahari


    Rico antwortet nicht auf das, was Azahari ihm an den Kopf geworfen hat. Er bleibt, untypisch für ihn, still. Rico liebt es, zu reden. Er hat unzählige Audioaufnahmen auf seinem Kommlink - flippige Trends und Straßenrennen, die er kommentiert hat, oder einfach nur Momente, wenn er, mit den Beinen über dem Abgrund baumelnd, auf irgendeinem verwahrlosten Dach über den verschlungenen Gassen Selatans gesessen hat, angestrengt zum Horizont geblickt hat, um einen Sonnenuntergang zu betrachten, der hinter den grauen Smogschlieren kaum zu erkennen gewesen ist. Aber jetzt bleibt er still. Denn es gibt keine Worte, die das ausdrücken können, was in ihm vorgeht. Nur der starre Blick seiner eisblauen Augen legt sein Inneres offen. Und er lässt Azahari hineinblicken, tief hinein. Denkst du, das weiß ich nicht?, spricht das fast schon unwirkliche Blau. Und Azahari erkennt die innere Zerrissenheit des jungen, sonst so extrovertierten Mannes. Verantwortung und Schuld, verschlungen auf einem waghalsigen und ungleichen Ritt auf der Achterbahnfahrt der Straße.


    Dann ist der Moment vorüber. Rico verschließt sein Inneres wieder, wendet den Blick ab.


    "Wenn du interessiert bist, dann lass es Ozzy oder mich wissen. Also dann, wir sehen uns."


    Mit diesen Worten verabschiedet sich Rico. Er klang weder wütend noch aufgebracht, aber es ist ihm anzusehen gewesen, dass er noch etwas vorhat. Tatsächlich begibt sich Rico nach dem kurzen Gespräch direkt in sein Quartier. Von seinen Sachen ist nach der Zerstörung ihres alten Heims kaum etwas übriggeblieben. Aber der kleine Schrein, sein Allerheiligstes, ruht nach wie vor in der Ecke des Raumes, wie auch schon in seinem alten Zimmer. Rico hockt sich vor ihn auf den Boden und atmet tief durch. Eine kurze Meditation, die er eigentlich nur morgens anstimmt, bringt ihn wieder zur Ruhe. Er öffnet die Augen, steht auf. Er blickt auf seine Hände, schließt und öffnet sie. Blut. Bald schon würden sie wieder darin getränkt sein. Rico schaudert es davor. Aber er weiß, dass es keinen anderen Weg gibt. Vielleicht würde es das letzte Mal sein. Einem inneren Instinkt folgend, nimmt er die Speichereinheit des Holobilds der jungen Frau, das seinen Schrein ziert, an sich und verstaut es gut. Genauso wie die alten, roten Tabi, die er, sicher vor den Blicken anderer verborgen, stets bei seinen Sachen aufbewahrt hat. Erinnerungen durchfluten ihn wie eine Medien-Collage seiner zahllosen Videoaufzeichnungen. Doch bevor er ihn erdrücken kann, reißt der Filmstreifen ab. Das Ende steht noch nicht fest. Noch nicht.


    @Eko


    Radén Rara Sirianti erwidert Ekos Blick. Sie lächelt, zuerst etwas zögerlich, doch dann zuversichtlicher. Er sieht die Klugheit in ihren Augen und weiß, dass sie ihn verstanden hat, auch wenn ihr Blick noch immer diese Ungewissheit widerspiegelt. Vermutlich fragt sie sich, aus ihrer Sicht zurecht, wie er sich zu befreien gedenkt. Aber Rara ist bereit, dieses Risiko einzugehen.

    Rara Sirianti nimmt mit ihren zierlichen Fingern eins der Klepon aus der Schale, hebt den Arm und führt das süße Reisbällchen nach oben, stoppt kurz vor seinem Mund.


    "Es gibt einen Lagerraum direkt neben an. Sicher sind die Sachen dort. Nur Jok ist oben, ein fetter Ork, der von allen Kuda Nil (Nilpferd) genannt wird. Und dann noch zwei vom Personal. Alle anderen sind weg. Der Lagerraum ist verschlossen. Jok hat die Karte."


    Sie blickt auf das Klepon, führt es langsam weiter, nachdem es während ihrer Worte vor ihm in der Luft geruht hat. Er könnte es nun verspeisen. Als sei das Klepon ein Symbol - die Besiegelung eines Paktes. Ich vertraue dir, du auch mir? Erwartungsvoll hält Rara inne.