Beiträge von Garuda

    Sorry, Leute, momentan ist mein Arbeitspensum einfach mordsmäßig, was sicherlich auch mit den Nachwirkungen der Flut zu tun hat, die jeden sonst so alltäglichen Betriebsablauf erschweren. Wenn ich wieder Zeit habe, geht es aber weiter ;)

    Interessantes Thema. Als SL meiner RL-Runde mache ich es mittlerweile so, dass ich im Vorfeld sehr umfangreiche Vorbereitungen für meine Kampagnen treffe (bei der aktuellen Kampagne sind es tatsächlich mehrere Hundert Seiten an Material). Deshalb spielen wir mittlerweile lieber seltener, dafür aber in einer Welt und mit Geschichten, die unseren Qualitätsstandards genügen. Alle Veränderungen, die sich dann während der Kampagne ergeben, berücksichtige ich entsprechend in der Planung für die nächste Runde. Diese sind aber meist gar nicht so aufwendig für mich, da ich jetzt seit 20 Jahren für die Spieler meiner Runde leite und das Meiste deshalb vorhersehen kann. Wie es wäre, wenn neue Mitspieler hinzukämen, weiß ich nicht. Da wäre der Aufwand vermutlich größer.

    Mir geht es auch darum, gemeinsam mit den Spielern eine spannende, gerne auch lehrreiche und vielleicht sogar unvergessliche Story zu entwickeln, dennoch würde ich mich, zumindest in meiner RL-Runde, als "harten" SL bezeichnen. Damit meine ich nicht, dass ich GEGEN die Spieler agiere, denn darin sehe ich weder die Freude noch meinen Job als SL, sondern dass ich die Welt möglichst homogen agieren lassen - und wie bereits schon angemerkt wurde, ist SR, so wie wir es zumindest spielen, eine zwielichtige, gefährliche und sehr komplexe Welt.

    Das bedeutet für mich als SL und für die Spieler, dass in unserer Runde sozusagen "die Uhr tickt". Egal, welche Entscheidungen die Spieler für ihre Charaktere innerhalb der Kampagne treffen, die Zeit um sie herum steht nicht still. Nur selten wende ich Elemente aufgrund der Dramatik an, sondern viel häufiger eben einfach deshalb, weil ich in der Planung festgesetzt habe, dass es der Homogenität der Welt entspricht, dass diese Elemente dann und dann zum Tragen kommen. Mir ist es aber auch wichtig, dass NSCs nicht auktorial agieren. Sie agieren aufgrund der Informationen, die sie zum besagten Zeitpunkt besitzen, und viel wichtiger noch, aufgrund ihrer Persönlichkeit bzw. den sozial-gesellschaftlichen Umständen, in denen sie sich befinden. All dies lege ich im Vorfeld fest und lasse die NSCs dann entsprechend handeln. Und sie handeln auch, wenn sie gerade nicht Teil der Geschichte sind. Dies erfordert zwar von mir als SL im Vorfeld wirklich sehr viel Arbeit, aber mittlerweile würde es mir auch gar keinen Spaß mehr machen, die Spielwelt mit anderen, eben "flacheren" Figuren zu bevölkern. Deshalb denke ich nicht, dass eine "intelligente" Spielweise der sogenannten Opposition immer schnell zum Scheitern oder zum Tod der SCs führen muss, denn es gibt weitaus mehr Faktoren, die das Handeln von Personen bestimmen, als die reinen, zur Verfügung stehenden Informationen und darauf basierende logische Handlungsmuster. Diese Faktoren sind es, die ich ebenfalls mit einfließen lassen, wenn ich entscheide, wie ein NSC agiert und reagiert.

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    @Labah


    Labah spürt, dass es noch immer eine gewisse Unruhe unter den Blades gibt. Die wenigsten von ihnen werden darüber sprechen, aber die Luft vibriert förmlich, angetrieben von dieser Spannung, die sich in den Herzen und Köpfen der Ganger eingenistet hat und sie kaum zur Ruhe kommen lässt. Zum Teil liegt dies natürlich daran, dass die Blades noch nicht lange hier sind. In letzter Zeit haben sie eher wie Nomaden des Sprawl gelebt, getrieben von den Ereignissen, die um sie herum und mitten unter ihnen entfesselt worden sind. Jetzt haben sie zumindest wieder eine feste Bleibe. Doch nachdem alle Aufgaben verteilt sind und es für einige nicht mehr viel zu tun gibt, kommen eben die nagenden Gedanken wieder, wie es nun weitergehen wird - hier, in einem für die meisten eher fremden Teil des Sprawl, ohne Lis Führung, mit der Silbernen unter ihnen, ohne dass sie sie in letzter Zeit gesehen hätten. Auch Azahari ist ihnen noch eine äußerst unbekannte Größe. Ob sie sich darüber freuen oder doch argwöhnisch sein sollen, dass der Neuankömmling so gut mit der furchteinflößenden Naga versteht, wissen sie ebenfalls nicht. Bisher hat nur Ieyse eine Annäherung gewagt.


    @Eko


    Rara Sirianti nickt, die Lippen zusammengepresst. Es wirkt entschlossen. Aber unbewusst ist es auch eine Reaktion ihres Körpers, um zu verhindern, dass das Lächeln, das sie innerlich spürt, allzu deutlich nach außen strahlt. Aber in ihren Augen meint Ekos für einen kurzen Moment einen wohligen Glanz aufschimmern zu sehen. Damit Eko nicht mitbekommt, wie die Freude über das, was er gesagt hat, ihr für einen Moment lang die Kontrolle über ihren Körper entreißt, lässt sie den Schirm zurück an seinen angestammten Platz über ihrem Kopf sinken. Sie atmet tief durch, auch wenn er ihr das angesichts der Straßengerüche und den Ausdünstungen des Kanals nicht unbedingt leichtfällt.


    "Möchtest du noch irgendwo hin?", fragt sie, ihre Stimme wieder wie sonst.

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    @Eko


    Es dauert eine ganze Weile, bis Rara Sirianti zu sprechen beginnt. Fast schon glaubt Eko, sie würde ihm gar nicht mehr darauf antworten wollen ... antworten können. Doch dann kommen ihr die Worte doch noch über die Lippen. Obwohl sie leise spricht und die Umgebungsgeräusche der Straße, die vorbei ratternden Roller, die Rufe der Garküchen-Besitzer, das Vorbeiziehen einer Werbedrohne aus Glodok, ohrenbetäubend laut erscheinen, versteht er doch ausnahmslos jedes ihrer Worte - fast so, als wären sie alleine auf der Welt oder als würde zwischen ihnen eine ganz besondere Verbindung bestehen, die es ihnen unmöglich machen würde, sich nicht zu verstehen.


    "Diese Leute, die Kebatinan ... sie suchen mich, weil ich bin, was ich bin. Wegen meiner Gabe, die wohl Segen und Fluch zugleich ist. Deshalb haben sie mich von dort, woher ich komme, weggeholt und in ihre Gewalt gebracht."


    Ihre Worte sind wie sanfte Wogen, ruhig und dennoch fesselnd. Unbewusst sind ihre Schritte langsamer geworden, und auch Eko hat sich ihnen angepasst. Dann bleiben sie stehen. Rara Sirianti schaut auf, lässt ihren Schirm sinken und blickt ihm direkt in die Augen.


    "Ich habe von dir geträumt, Eko. Und deshalb wusste ich, dass ich dir helfen musste. Es war das Batin, Eko. Das Innere, das Verborgene. Ich habe es gespürt, und es hat mich zu dir geführt."

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    @Eko


    Für einen kurzen Moment lang, beißt Rara Sirianti sich auf die schmalen Lippen. Es ist das einzige Anzeichen ihrer Mimik, der kundtut, dass ihr sprichwörtlich etwas auf den Lippen liegt. Dukun sind gefährlich, bitte gib acht, denkt sie sofort, schweigt aber. Stattdessen lächelt sie etwas zaghaft und nickt. Sie möchte Eko nicht belehren. Er weiß sicher, dass er mit Vorsicht zu diesem Treffen gehen sollte.


    Zum Glück lenkt er das Gespräch dann auf etwas anderes. Ein Kribbeln durchfährt ihren zierlichen Leib. Ein wenig keimt Furcht in ihr auf. Was, wenn ihre Antworten auf seine Fragen ihm nicht gefallen? Aber sie muss sich dem stellen. Keine Geheimnisse mehr. Sie haben ihr nur Probleme bereitet, ihr Schmerz und Kummer gebracht.


    Sie spannt sich an, unmerklich. Innerlich wappnet sie sich.


    "Natürlich darfst du das", antwortet sie ihm nach einem kurzen Moment der Stille, versucht, ihrer Stimme einen ungezwungenen Klang zu geben, auch wenn ihr dies nur zum Teil gelingt.

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    @Ozzy @Spark @Rico


    Obwohl der Smalltalk und das gegenseitige, vorsichtige Ausloten noch eine ganze Weile anhalten, erwähnt die Anführerin der Nao Hsin Feng die Ereignisse um Li mit keinem Wort. Es käme wohl einem Gesichtsverlust gleich, dieser Ausspruch der Ungewissheit, das betretene Schweigen, wenn niemand auf die Fragen, die sich ihnen allen stellen, antworten könnte. Stattdessen lässt Mei Ling die Jade Blades weiterhin gut bewirten und hebt das Glas, gefüllt mit Reisschnaps, auf den Bund beider Gangs und die gegenseitige Unterstützung. Damit ist die Basis geschaffen, um auf das Thema der Gangpolitik umzuschwenken. Langsam nähert sich das Gespräch den entscheidenden Dingen, mündet letztlich in der Angelegenheit, die die Offiziere der Jade Blades hierher geführt haben.


    „Was kann ich für euch tun?“, stellt Mei Ling schließlich die Frage, die gestellt werden muss. Dabei entgeht den Jade Blades nicht, dass die Chinesin nicht von den Nao Hsin Feng gesprochen hat, sondern von sich persönlich.



    @Eko


    "Lass uns doch ein Stück gehen", schlägt Rara Sirianti vor, nachdem sie das Haus verlassen haben. Sie spannt ihren Sonnenschirm auf und schreitet mit kleinen Schritten neben dem Oni her. Wie fast überall in Jabo, so ist auch der Weg entlang des Kanals nicht für Fußgänger gemacht. Dennoch bleibt den Leuten nichts anderes übrig, als sich ihren Pfad zu suchen. Aber daran stört sich Rara Sirianti nicht. Schritt für Schritt - an mehr ist ohnehin nicht zu denken. Selbst der nächste Morgen scheint fern.


    Nachdem sie die Brücke passiert haben, folgen sie der Straße am Kanal entlang. Auf der gegenüberliegenden Seite reihen sich die Gebäude dicht gedrängt aneinander, während sich direkt am Straßenrand, nahe der Mauer, die am Kanal entlang führt, fahrende Garküchen, Schuhputzer, Musiker und Verkäufer niedergelassen haben.


    "Was, denkst du, wird man dir bei dem Treffen erzählen?", fragt sie, als sie schon eine Weile gegangen sind. "Werden sie dir ein Angebot machen?"

    -2356-


    @Eko


    Rara Sirianti lächelt zustimmend und zufrieden. In Wahrheit jedoch mag sie allzu scharfes Essen nicht. Es liegt nicht daran, dass es ihr nicht schmeckt, aber sie verträgt es nun einmal nicht besonders gut. Das ist bereits als Kind bei ihr der Fall gewesen. Ihre Mutter, die früh gestorben ist, hatte darin immer eine weitere Bestätigung für Rara Siriantis Zartheit gesehen.

    Aber in den letzten Monaten hat sie Demut gelernt. Nicht dass sie zuvor egoistisch oder gar hochnäsig gewesen wäre, vielleicht ein wenig der Welt entrückt, aber dennoch keine eingebildete Prinzessin, wie aus einem Märchen. Tief in ihrem Herzen wäre sie am liebsten eine ganz normale junge Frau. Aber das ist nicht möglich. Dieser Weg ist ihr verwehrt. Und Eko ist ja schließlich auch kein ganz normaler Mann.

    Dann ist es nun wohl an der Zeit, die Lebensgeister wach zu rufen. Die zierliche junge Frau erhebt sich, die Bewegungen genauso fließend und anmutig wie zuvor. Sie begleitet Eko in die Küche, und natürlich hilft sie ihm wie selbstverständlich dabei, den Tisch zu decken. Das Essen schmeckt ihr vorzüglich, und das Lächeln auf ihren Lippen ist ein echtes.

    -2354-


    @Eko


    Rara Sirianti blickt nun konzentrierter auf Ekos angefangene Arbeit. Ihr Blick drückt Anerkennung aus, auch wenn sie nichts zu Ekos begonnenem Werk sagt. Sie setzt sich zu ihm, weiterhin nahe der Wand verbleibend. Eko entgeht nicht, dass sie sich nicht so hinsetzt, wie die anderen Mädchen, die er bereits gesehen hat. Auch ihre Bewegungen sind andere. Am ehesten kann er es wohl mit den Tänzen vergleichen, die er einmal bei einer Straßenaufführung oder im Trideo gesehen hat. Sie kommt nicht von hier, entstammt nicht der Straße. Aber sie ist dennoch einen harten Weg gegangen und verfügt über die Fähigkeit, sich anzupassen. Und dennoch wohnt all ihren Regungen, selbst den kleinsten, eine innewohnende Eleganz und Geschmeidigkeit bei, die Eko, wenn er sich darauf konzentriert, gefangen nimmt und manchmal sogar sprachlos macht.


    "Wenn ich darf, werde ich dich begleiten", antwortet sie ihm schließlich. Aber sie sagt nicht, ob sie damit nur das Treffen meint, von dem Eko gesprochen hat, oder den Weg an sich.


    Aber als er ihr in die Augen schaut, weicht sie seinem Blick nicht aus. Und dann ist es wieder dort - dieses Lächeln, von dem Eko das Gefühlt, dass es nur für ihn bestimmt ist. Es wärmt sein Herz. Keine weiteren Worte scheinen nötig, um das auszudrücken, was Rara Sirianti ihm sagen möchte. Sie wird bleiben, an seiner Seite, solange, bis er sie wegschickt oder das Schicksal sie wieder auf getrennte Wege führt.

    Vielen Dank euch!


    Wir sind jetzt mit unserem und dem Haus der Nachbarn durch. Obwohl wir nicht schwer betroffen waren, hat es dennoch mit vereinter Hilfe 5 Tage Arbeit, jeweils 8 bis 10 Stunden pro Tag, gedauert, bis alles gemacht war. Ein ziemlicher Kraftakt, aber wir haben es dank vieler Unterstützer vor Ort alles ohne Hilfe der Behörden geschafft. Jetzt warten wir noch auf den Strom. Aber daran wird derzeit gearbeitet. Das Auto ist - zum Glück wie man sagen muss - ein Totalschaden, was den Ablauf vereinfacht. Am wichtigsten ist aber, dass es allen gutgeht. Leider trifft das ja nicht auf jede Familie zu, wie man sagen muss.

    the guardian


    Hab deine Nachricht bekommen. Das freut mich :thumbup:


    @all


    Leute, hier ist heute praktisch die Welt untergegangen. Die ganze Stadt (wohne in Bad Neuenahr, Kreis Ahrweiler) ist mehr oder weniger ein Trümmerfeld aufgrund der Überschwemmungen. Mir geht es gut, Gott sei Dank. Aber es kann sein, dass der nächste Post auf sich warten lassen wird. Schreibe auch gerade mit dem Handy, denn es gibt noch immer keinen Strom. Ich dachte, so krasse Überschwemmungen gibt es nur in Jakarta, aber jetzt bin ich leider schlauer. Hoffe, niemand von euch ist betroffen.

    -2351-


    @Ozzy @Spark @Rico


    Die drei Offiziere der Blades sind mehrere Stunden unterwegs bis sie den Club erreichen, in dem sie Mei Ling treffen werden. Die berühmt-berüchtigte Anführerin der Nao Hsin Feng hat ihr Interesse bekundet, sich mit den Offizieren der Jade Blades zu treffen. Sicherlich ist auch eine Spur Neugier dabei, eine unterschwellige Hoffnung, dass die, die zu ihr kommen werden, ihr etwas über Lis Verbleib mitteilen können.


    Der Ostteil Glodoks ist eine Gegend, die den Blades zwar nicht unbekannt ist, in der sich jedoch niemand von ihnen heimisch fühlt.

    Schmale Gassen mit überhängenden Stromkabeln führen sie am alten Metropole Hospital vorbei, dessen Klimaanlagenauslassöffnungen monoton rattern. Dicht beinander stehende Gebäude, Lagerhallen und Depots säumen den Weg. Schließlich erreichen sie einen Kanal - sie haben die Ostgrenze Chinatowns erreicht. Alte Neonröhren flackern unter der Allee aus Bäumen, die am Kanalufer ruhen. Eine Schar aus mobilen Imissständen hat das Ufer okkupiert und der würzige Duft von Satespießen vermischt sich mit dem Geruch von Öl und Benzin, das in Jakarta nach wie vor einen ernstzunehmenden Konkurrenten zu moderneren Antriebsmitteln darstellt.


    Um diese Uhrzeit ist vor dem Nachtclub kaum etwas los. Die Chinesen, die hier rumlungern, kennen die Blades und wissen, dass sie kommen. Die Begrüßung ist kurz, aber nicht unfreundlich. Natürlich beäugt man sich, aber alle wahren ihr Gesicht. Einer der Nao Hsin Feng führt Ozzy, Rico und Spark hinab. Vor allem Spark wird von den Chinesen mit sichtlichem Respekt behandelt.


    Unten ist es angenehm kühl, denn die Klimaanlage ist hochwertiger und funktioniert offensichtlich einwandfrei. Ein krasser Gegensatz zu dieser unsäglichen Hitze, die die Blades während iher mehrstündigen Fahrt hierher ertragen mussten. Der Großteil der Personen, der um die leicht erhöhten, pagodenförmigen kleinen Bühnen verteilt sitzt, ist eindeutig chinesischer Herkunft. Im Dämmerlicht des Clubs räkeln sich auf den Podesten hübsche, leicht bekleidete Chinesinnen zum Beat elektronisch geprägter Popmusik. Viel ist allerdings nicht los. Mehr als die Hälfte der Pagoden sind verwaist und im ganzen Laden sitzt nicht mehr als ein Dutzend Personen, einige davon gehören vielleicht sogar zum Personal.


    Aber die Blades sind aiuch nicht hier, um Party zu machen. Sie haben eine Mission. Der Ganger führt sie nach hinten. Es ist ein Separee mit einem eigenen Zugang - kein separater Raum, aber durch Trennwände vom Rest des Clubs derart isoliert, dass man sich hier ungestört unterhalten kann.


    Ozzy, Rico und Spark sind erstaunt, Mei Ling alleine hier vorzufinden. Sie haben mit einer Entourage gerechnet, denn die Chinesin ist bekannt für ihre ausschweifenden Gelage. Was sie nicht wissen, ist, dass Mei Link denselben Style gewählt hat wie in jener Nacht, als sie Scar in diesem Club empfangen hat.


    Mei Ling ist eine reizvolle Chinesin, deren schwarz-violettes Haar hochgesteckt ist und deren schlanker, ansehnlicher Körper sich in einem modern geschnittenen, knallig-roten Qipao, einem eigentlich traditionellen chinesischen Kleid, räkelt. Das eigentlich lange Kleid wurde bewusst gekürzt und enthüllt nackte, helle Haut unterhalb der Knie, während es oben rum die Arme freilässt und über der Brust halbtransparent zum Hals hin zuläuft. Ihre knallroten Lippen formen ein Lächeln, das so verführerisch wie gefährlich wirkt.


    "Bring meinen Gästen etwas von unserem Besten", weist sie den Nao Hsin Feng an, bevor sie sich den Offizieren der Jade Blades zuwendet.


    "Willkommen bei den Nao Hsin Feng."



    @Eko


    Rara Sirianti hat Ekos Worte mit Wohlwollen aufgenommen. Sie hat gelächelt und sachte den Kopf gesenkt, aber nichts darauf erwidert. Sie hat gespürt, wie die Scham versucht hat, von Eko Besitz zu ergreifen und deshalb lieber geschwiegen. Auf diese Weise konnte er ihr gegenüber sein Gesicht wahren.


    Später schleicht sie sich kurz aus der Küche - natürlich nicht, ohne Ekos Mutter vorher um Erlaubnis zu fragen. Sie kommt zu ihm hinüber, schaut, was er macht. Der Blick ihrer geschminkten Augen fällt auf den Stoffstreifen. Sie lehnt sich gegen die kahle Wand, die ein wenig Kühle verspricht.


    "Magst du mir sagen, was du da machst?", fragt sie neugierig.

    -2347-


    @Labah


    Für einen kurzen Moment lang erstarrt der Junge. Ein solches Angebot ist einfach zu viel für seinen Verstand, zumindest im ersten Augenblick. Dann nickt er mehrmals - eifrig, dankbar, willig. Er kann es kaum erwarten, mit Labah zu trainieren und von ihm zu lernen. Es wird ein großer Moment für ihn sein, dessen ist er sich sicher. Er nickt noch einmal, während sich diesmal sogar ein Lächeln auf seinen rissigen Lippen breitmacht. Er würde den großen Bruder Labah nicht enttäuschen. Schnell macht er sich auf zu den anderen, kann es kaum abwarten, allen davon zu erzählen.



    @Eko


    Eko ist nicht sonderlich überrascht, als sich Rara Siriantis erster Kauf als Sonnenschirm herausstellt. Es ist ein filigranes Ding, das gut zu ihr passt. Die Batik-Muster sind hübsch anzusehen, und als Rara Sirianti den Schirm gekonnt beim Flanieren entlang der Straße handhabt, um ihre zarte und helle Haut vor den gierigen Sonnenstrahlen zu verbergen, entgehen Eko die eifersüchtigen Blicke der anderen nicht. Wie kommt es, dass so einer mit ihr unterwegs ist? Warum nicht ich? Doch die Gesichter, in die er blickt, lächeln freundlich - wie eben jeder freundlich lächelt und doch etwas anderes dabei denkt.


    Vorbei an den vielen Warung und toko-toko im alten Stil, suchen sich Eko und Rara Sirianti ihren Weg über den unwegsamen Bürgersteig, um alles einzukaufen, was die junge Frau begehrt und ihren Geldbeutel nicht übersteigt. Sie lächelt in sich hinein. So gut hat sie sich schon lange nicht mehr gefühlt. Auch die Hitze und der Dreck der Straße können dieses Gefühl, das in ihr keimt und sich bahnbricht, nicht vertreiben. Ein wenig hat sie doch ein schlechtes Gewissen. Sie hat es vermieden, Eko davon zu erzählen, dass ihr Ring weitaus mehr wert ist, als der Oni dies vermutet. Sie möchte ihn nicht vor den Kopf stoßen, er zeigt sich fürsorglich und ihr gegenüber absolut respektvoll. So ist ist sie schon lange nicht mehr behandelt worden - eben wie ein Mensch. Als sie so darüber nachdenkt, fällt ihr Blick noch einmal auf ihren Ring. Er ist ein Familienerbstück. In seinem Kern, umgeben von Gold höchster Reinheit, befindet sich ein Strang Meteoriten-Eisens, das aus der Nähe des alten Prambanan-Tempelkomplexes stammt. Er wurde, genau wie der Keris, den sie bei sich trägt, von einem hochrangigen Empu nach den alt-überlieferten Weisen gefertigt. Kein Händler in dieser Straße hätte jemals seinen Wert ermitteln können, aber mit dem, was der Ring in einschlägigen Kreisen wert ist, hätte sie problemlos die ganze Straße kaufen können. Aber sie muss es mit Bedacht angehen. Sie möchte Eko keinesfalls belügen, aber die Wahrheit, die sie umgibt und sie durchdringt, ist vermutlich nur in kleinen Dosen, Stück für Stück, verkraftbar.


    Und so endet der Einkaufstag auch ohne große Überraschungen. Am Ende präsentiert Rara Sirianti sich Eko in einer hübschen Bluse, die ein wenig der klassischen Kebaya nachempfunden ist, einer hellen Hose, neuen Schuhen und sorgsam aufgetragenem Makeup, das weitaus mehr die harmonische Seite an ihr betont als die düster angehauchte Sinnlichkeit, die sie im KaRaKi verkörpert hat.


    "Und, wie findest du es?", fragt sie Eko schließlich im Schatten des Baumes, während sie ihm ein paar Posen und einen Augenaufschlag präsentiert, sich dann aber so dämlich dabei vorkommt, dass sie über sich selbst zu lachen beginnt. Es ist ein losgelöstes Lachen, so als seien - zumindest für den Moment - schwere Sorgen von der jungen Frau hinabgefallen und im träge dahinziehenden Wasser des Kanals verschwunden.


    Wieder daheim, offeriert sie Ekos Mutter sofort ihre Hilfe bei der Zubereitung des Essens. Sie ist froh, dass ibu nur von ihr verlangt, das Gemüse zu zerkleinern, denn das erspart ihr die Verlegenheit, zugeben zu müssen, dass sie in ihrem ganzen Leben noch kein einziges Gericht zubereitet hat.



    @Ozzy @Spark @Rico


    Rico stellt die Flasche ab, spielt mit seinen Fingern aber weiter an ihr herum. Er ist aufgedreht. Er spürt es. Noch eine Frau kann er in seinem Leben eigentlich nicht gebrauchen, auch wenn er nur mit ihr verhandeln soll. Dennoch - irgendjemand muss es ja tun. Also haut er es raus. Nicht aber, ohne die anderen mit ins Boot zu ziehen.


    "Wir drei ... was meint ihr? ich meine ... wir drei könnten doch mit den Nao Hsin Feng Kontakt aufnehmen. Lasst uns geschlossen auftreten."

    Wenn Labah so lange gebraucht hat, um zurück zu kommen, machen die Offiziere, also eigentlich nur Spark und Ozzy mit Rico dabei einen Zeitsprung?

    Ja, wäre mein Vorschlag, damit alles wieder synchron läuft. Dann haben die Offiziere eben noch länger gemeinsam gegessen und Smalltalk gehalten - ist ja nichts Ungewöhnliches unter Indonesiern :mrgreen:

    -2342-


    @Labah


    Nachdem Labah sich niedergelassen hat, wird das Essen an ihn herangetragen. Eines der jüngeren Gang-Mitglieder ist von Yon mit dieser Aufgabe betraut worden. Der Junge nähert sich mit vorsichtigen Schritten. Noch hat sich kaum jemand daran gewöhnt, dass Labah kein Offizier mehr ist. Die ohnehin schon respektvolle Haltung des Jüngeren gegenüber dem Veteranen Labah steigert sich deshalb noch um eine Stufe und weicht einer ernstgemeinten und hingebungsvollen Ehrfurcht.


    "Dein Essen, Kak", spricht der Junge, den Kopf geneigt, während er Labah Reis, Tempeh, Hühnchen und Sambal reicht. Dazu gibt es ein kühles Bir Bintang, das rasch hinterher gereicht wird.


    Es ist klar, dass der Junge einer derjenigen ist, die beim Rennen auf Labah gesetzt haben. Er hat sich der neuen Situation gefügt, aber in seinem Herzen lodert die Unruhe.



    @Eko


    Rara Sirianti dankt Eko mehrmals und aufrichtig. Dann verschwindet sie im Bad. Schon nach kurzer Zeit, ist das Plätschern des Wassers zu hören. Rara Sirianti seufzt zufrieden. Sie hat das Gefühl, sich nicht nur den Dreck Muara Barus abwaschen zu müssen. Sie weiß, dass da noch mehr ist. Aber sie weiß auch, dass es mit einer einfachen Dusche dabei nicht getan ist. Und wieder entfährt ihr ein Seufzen, diesmal allerdings tief und aus einem anderen Grund. Dennoch fühlt sie sich wie neugeboren, als sie schließlich ihre Dusche beendet hat und sich wieder einkleidet. Sie braucht neue Kleidung, wird ihr schlagartig bewusst, als sie an sich hinabschaut. Und neues Makeup, wie ihr ein Blick in den Spiegel verrät.


    Zurück bei Eko spricht sie ihn auch sogleich darauf an:


    "Mas ... ich ... also, ich würde mir gerne neue Sachen holen. Etwas anderes zum Anziehen, und neues Makeup. Oben, an der Straße, sind wir an ein paar Geschäften vorbeigekommen. Würdest du mich begleiten?"


    Sie schaut ein wenig verlegen drein. Dann zieht sie sich den feinen Goldring vom Finger. Da es undenkbar für sie wäre, den Keris zu veräußern, ist der Ring der einzige Wertgegenstand, der ihr geblieben ist.


    "Ich habe kein Geld, aber diesen Ring. Er ist aus echtem Gold."

    -2339-


    @Labah


    Labah hat einen weiten Weg vor sich, aber letztlich erreicht er das alte Fabrikgelände ohne nennenswerte Zwischenfälle. Zuerst trifft er auf Yon, der sich wie immer um die Sicherung des Geländes kümmert. Yon begrüßt Labah, als dieser auf das Gelände fährt. Labah kann seine Müdigkeit nicht verbergen - es ist eine anstrengende Tour gewesen. Erst die stundenlange Kletterei in Muara Baru, dann der Kampf gegen den Critterjäger und anschließend die Tour hierher, die ihn auch mehrere Stunden Zeit gekostet hat. Seine Glieder schmerzen und sein Körper fühlt sich ausgelaugt hat.


    "Mau makan? Möchtest du was essen?", fragt Yon ihn direkt.