• Vor einem Jahr


    An einem der ersten freundlichen Frühlingstage in Seattle wärmten die Sonnenstrahlen den Asphalt der sich kreuzenden Landebahnen des Sea-Tac und beschienen die Landschaft in einem angenehmen Goldgelb. Am Rand des gewaltigen Rollfeldes, weit entfernt von den überschallschnellen Suborbitalmaschinen des stets geschäftigen Aerospaceports, bremste ein rauchgrau lackiertes Airbus-Frachtflugzeug vor einer kleinen Hangarhalle behäbig bis zum Stillstand. Während die Rotorblätter der beiden kraftvollen Triebwerke ausliefen, senkte sich die Heckrampe hydraulisch ab und kam mit metallischem Schaben auf dem ausgebleichten Pistenbelag zur Ruhe.


    Lysander Raven ging langsam die Rampe hinunter. Eine leichte Brise wehte vom Puget Sound über den Sea-Tac hinweg. Die frische Meeresluft fuhr durch seine nachtschwarzen Haare, die er kurz geschnitten und in einem vage angedeutetem Iroschnitt gestylt trug. Die angesagte amerindianische Businessfrisur brachte seine elfentypisch spitzen Ohren ausgezeichnet zur Geltung. Der angenehme Wind bauschte auch seinen navyblauen, dezent gepanzerten Mantel von Vashon-Island. Die Farbe des modischen Kleidungsstücks wiederum harmonierte mit seinen intensiv tiefseeblauen Augen. Für einen Moment stand er einfach nur da und ließ die beeindruckende Skyline der Downtown des Metroplexes auf sich wirken. Dann trat der hochgewachsene Elf mit einem entschiedenen Schritt aus dem Schatten der über ihm aufragenden Frachtmaschine auf den Asphalt der Landebahn und in den Sonnenschein. Befreit hob Lysander den Blick zum beinahe wolkenlosen tiefblauen Himmel und atmete tief ein. Er hatte Cara’Sir mit seinen unaufhörlichen Intrigen hinter sich gelassen. Endlich! Er war frei zu tun, was er für gut und richtig hielt. Hier in Seattle konnte er das Erbe seines Vaters ehrenhaft weiterführen.


    Einen weiteren Moment stand er einfach nur da und genoß den Wind auf seinem ebenmäßigen Gesicht, dessen hohe Wangenknochen Lysanders amerindianische Herkunft nicht verleugnen konnten. Mit überraschend leisen Schritten näherte sich schließlich der Frachtmeister der Schmugglermaschine. Nolan, ein nicht übermäßig großer Troll, der Lysander dennoch um einen Kopf überragte, trug lässig eine Transportkiste aus den Tiefen des Frachtraums. Die polierten Silberkappen auf seinen gebogenen Hörnern reflektierten die Sonnenstrahlen, als er ebenfalls von der Rampe in den Sonnenschein trat. Unwillkürlich strich sich der muskelbepackte Troll mit der freien Hand über das Kinn und seinen blonden Dreitagebart, bevor er den Transportbehälter mit Lysanders Habe ohne merkliche Anstrengung auf dem Asphalt abstellte. Nolan nickte Lysander freundlich zu und wandte sich dann der Lagerhalle zu. Lysander erwiderte das Nicken mit einem dankbaren Lächeln. Er warf dem langsam davongehenden Troll noch einen kurzen Blick zu, bevor er erneut über den gewaltigen Rollfeldbereich blickte, auf dem sich in der näheren Umgebung niemand sonst befand.


    Allein würde er nicht viel bewegen können. Dazu benötigte er Hilfe. Wie auf ein Stichwort, schoss unvermittelt ein, in lichtschluckendem nachtschwarz bedrohlich wirkender, Saab Dynamit zwischen einer Lagerhalle und dem Hangar des Frachtflugzeugs hervor, nahm einen weiten Bogen um den Airbus und kam zügig auf ihn zu. Nun, er war auch nicht allein, nicht mehr. Der elegante Sportwagen kam mit quietschenden Reifen vor ihm zu stehen. Eine attraktive Orkin stieg geschmeidig aus. Cleo. Sie legte die rechte Hand lässig auf das polierte Wagendach. Der zugehörige Arm bestand aus matt anthrazitfarbenem Metall. Ihr eng anliegendes Shirt in gleicher Farbe war geschickt gewählt. Auf den ersten Blick konnte man den Cyberarm beinahe übersehen. Cleo war bereits seinem Ruf gefolgt. Und bald würden sich ihnen noch weitere anschließen. Er freute sich darauf.



    Tacoma, Seattle, UCAS


    Heute


    Schwungvoll öffnete Nina Vasquez einen der beiden lederbezogenen Türflügel, die Lysanders Büro vom Empfangsbereich seiner Büroräume in Midway Park trennten und riss ihn damit aus seinen Gedanken. Er trat einen Schritt von der beeindruckenden Glasfront zurück, die die nordwestliche Wand seines großzügig geschnittenen Büroraums bildete. 39 Stockwerke unter ihm strömte der vormittägliche Verkehr über die vielen Fahrbahnen des ausgedehnten Midway Park Circle. Aus dieser Höhe erschienen die Fahrzeuge auf dem ovalen Kreiselsystem, das die Interstate 5 mit den Highways 509 und 516 verband, beinahe gemächlich unterwegs zu sein. Sogar in der etwas diesigen Luft des Frühlingsmorgens konnte er in der Ferne noch den Puget Sound durch die allgegenwärtigen Hochhäuser ausmachen. Wenn sich der leichte Nebel auflöste, würde es ein schöner Tag werden.


    Lysander löste seinen Blick von Seattles geschäftiger Skyline und drehte sich zu seiner zierlichen Assistentin um, die, wie stets in ein tadelloses schwarzes Businesskostüm gekleidet, auf den hohen Absätzen der zugehörigen Pumps mit absolut sicheren Schritten auf ihn zukam. Der implantierte Balanceverstärker, für den die brünette Normfrau lange gespart hatte, trug, wie Lysander wusste, natürlich seinen Teil dazu bei. Nina war aztlanischer Abstammung und lebte als Kind mit ihren Eltern in Denver, bis Ghostwalker im Jahr 2061 den aztlanischen Sektor der Front Range Free Zone eroberte. Ihre Mutter kam bei den erbitterten Straßenkämpfen ums Leben und Ninas Vater floh mit ihr nach Seattle und zog sie allein auf. Esteban Vasquez arbeitete auch heute noch als Hafenarbeiter an den Docks in Downtown. Dass er seiner Tochter ermöglichte, auf dem College die Grundlagen für eine Tätigkeit als juristische Assistentin zu erlangen, was das intelligente Mädchen im Übrigen auch völlig mühelos meisterte, nötigte Lysander großen Respekt ab. Leider war es Nina nicht vergönnt, lange in diesem Beruf zu arbeiten. Dass sie sich gegen einen übergriffigen Rechtsanwalt, und Partner der Kanzlei, zur Wehr setzen musste, brachte ihr letztendlich eine Vorstrafe ein, mit der sie keine Anstellung mehr finden konnte. Lysanders Glück. Ihn interessierten solche Kleinigkeiten schlichtweg nicht. Er konnte hinter die Fassade der meisten Metamenschen sehen, buchstäblich.


    Mit einem ansteckenden Lächeln blieb Nina vor Lysanders modernem Schreibtisch aus fein gemasertem Ebenholzimitat stehen. Er lächelte zurück und hob fragend eine Augenbraue.


    „Wir haben einen Auftrag“, sagte Nina.

  • Franklin schraubt an seinem Motorrad. Er hat das Gefühl das „Fat Boy“ ein bisschen nach links zieht, wenn er freihändig fährt. Vermutlich der Geschützturm, dessen zusätzliches Gewicht nicht perfekt austariert ist.
    Aus den Boxen seiner, im ganzen Haus implementierten, Anlage laufen die geilsten Country Songs der letzten 150 Jahre und so kommt er auch nur langsam voran, denn eigentlich hampelt er eher „lassoschwingend“ durch die Garage und der Schraubenschlüssel wird zum Mikrofon. So braucht er gut 3h für die eigentlich leichte Aufgabe. Aber immerhin waren es drei spaßige Stunden.


    Aber egal... was lange währt wird endlich gut. „Fat Boy“ läuft perfekt. Also:

    Overall ausgezogen und einfach vors Bad geworfen. In Unterhose lässt er sich ein heißes Bad in die Badewanne, das dauert eine Weile, denn seine Badewanne ist größer als mancher Whirlpool. Die Musik dröhnt noch immer durch das 250 Quadratmeter Haus. Beim Weiterlaufen tut er so, als würde er auf einem Pferd in die blitzblanke Küche reiten um sich ein paar der vorbereiteten Sandwiches auf einen Teller zu packen. Mit dem Teller reitet er weiter in den Dining Room um sich eine kristallene Flasche Jack Daniel‘s „Sinatra Select“ zu nehmen. Dazu ein ebenso kristallenes Glas. Nun schon nicht mehr reitend sondern eher balancierend geht es, wieder zurück in die Küche... Beef Jerky vergessen.


    Er hat nun alles was er braucht, also zurück ins Bad. Fenster auf, damit ein bisschen kühle Luft reinkommt. Ist ja sonst viel zu warm hier, mit dem ganzen heißen Wasser. All das geholte wird um die Badewanne herum verteilt.


    Howdy Ranch

    spricht er sein Haus an

    Spiel mir das Lied vom Tod. Im Bad

    Dabei macht er noch schnell ein Photo von dem schaumigen Bad, umgeben von Snacks und Whiskey und schickt es Cleo.

    << Lust auf n bisschen Entspannung? >>


    Da ist der Trid schräg oben an der Wand über der Wanne auch schon ausgefahren. Perfekt angebaut damit man sich auch ja gar nicht bewegen muss um beim Baden fernzusehen.


    Schon genießt er die Anfangsszene des Films.
    10 Minuten ohne Worte... Drei Männer warten am Bahnhof auf den Zug. Brütende Hitze...

    Einem tropft Wasser auf die Hutkrempe, den anderen ärgert eine Fliege. Er fängt sie mit dem Lauf seiner Pistole.


    Der Zug kommt pfeifend näher... Es kommt Bewegung in die Männer. Der erste nimmt seinen Hut um das Wasser daraus zu trinken. Der andere lässt die Fliege frei. Alle drei stehen auf. Der Zug hält, niemand steigt aus... die drei wollen sich abwenden. Langsam ruckt der Zug wieder an und als er wegfährt steht auf der abgewandten Seite ... Charles Bronson alias „Mundharmonika“ ... Er spielt die Todesmelodie... ganz in Ruhe. Irgendwann hört auf und sieht die anderen an. Franklin spricht die Sätze exakt und zeitgleich nach. Mit bewunderndem Blick.


    Bronson

    Habt ihr ein Pferd für mich?


    Bandit / Harmonika

    "Wenn ich mich hier so umsehe, dann sind nur drei da. Sollten wird denn tatsächlich eins vergessen haben?"


    Bronson / Harmonika schüttelt ruhig den Kopf

    "Ihr habt zwei zuviel."
    Dann erschießt er alle drei.


    Franklin zielt mit seinem Finger genauso schnell wir Bronson und erschießt die drei Banditen... Badewasser spritzt


    Geil...

    Er nimmt einen Schluck Whiskey und beißt in ein Sandwich.


    Ohne, dass er was merkt, beginnt Emilia, seine Haushälterin, ihm hinterherzuräumen. Sie räumt den Overall weg und bereitet neue Sandwiches zu, damit immer welche da sind. Ihr Mann Miguel ist draußen im Garten und macht dort seinen Job. 20 Uhr haben sie Feierabend. Sie werden es sich nicht nehmen lassen im kleinen Häuschen auf demselben Grundstück ebenfalls einen Film zu sehen... wenn auch keinen alten Western

  • 02:22:20


    Angenehm entspannt saß Sergej A. Zakharov, den meisten nur unter dem Namen Dozor bekannt, im Aufenthaltsraum von Lysanders Hauptquartier in Midway-Park.

    Wie immer hatten sich die Damen vom Black Lotus Spa fürsorglich um ihn gekümmert und ihm jeden Wunsch von den Augen abgelesen.


    Jetzt hatte er noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen bevor er sich in sein Zimmer für ein paar Stunden aufs Ohr legen würde.


    Gekleidet nur in kurzen, dunklen Shorts im Urban-Camo Style sowie einem giftgrünen, ärmellosem T-Shirt, so dass seine prallen Muskelpakete besonders hervorgehoben wurden.

    Auf dem T-Shirt prangte der Schriftzug der Band BloodRage. Eines seiner Neuerwerbungen, die er kürzlich beim Konzert der Band hier in Seattle gekauft hatte.


    Seine sonst so geliebten Kampfstiefel hatte er in seinem Zimmer gelassen und lief jetzt barfuss um seine frisch pedikürten Füsse atmen zu lassen.


    Sein geöltes, nach Frangipani duftendes, Haar trug er unter einer schwarze Cap der Tirana Tigers dazu trug er wie immer Shades. Diesmal in giftgrün, passend zu seinem Shirt.


    >> Da. Da. Ware is gud. Spasibo. <<


    Wie immer hatte sein spezieller Freund Dexter gute Arbeit geleistet. Neben den üblichen Leckereien wie Cram und Psyche lag auch eine kleine Schachtel mit mehreren Phiolen vor Dozor, der gerade die Zusammenfassung der chemischen Analyse in seinem Sichtfeld studierte.

    Nicht das ihm die Zahlen und Namen allzuviel verrieten, aber er wusste ein wenig worauf er zu achten hatte und der Shit von Dexter war bis jetzt erste Sahne gewesen.


    Er warf nochmal einen Blick auf die Flüssigkeit in der kleinen Ampulle bevor er sie wieder in die Schachtel zurücklegte. Ganz klar war die Flüssigkeit. So wie sie sein sollte.


    So klar wie die Nacht über Seattle heute. Was eher eine Seltenheit war. Denn wenn es nicht regnete, war die Stadt oft in einen Mantel aus Dunst und Smog gehüllt.


    Er blickte durch das große Fenster auf die Lichter der Stadt.


    Sergej war jetzt seit etwa 6 Monaten im Dienste von Lysander und zurück blickend war es bis jetzt eine gute Zeit für den Zwerg gewesen.


    Es war die richtige Entscheidung gewesen alles hinter sich zu lassen und hier, fernab der Vergangenheit einen Neuanfang zu machen.

    Er hatte es zu einigem Wohlstand gebracht, hatte nette Kollegen und was für ihn am aller wichtigsten war. Er konnte Code schreiben.


    Er liebte es dem Tanz der Codezeilen zuzusehen und konnte sich wie ein kleines Kind freuen wenn ein Programm so lief wie er es sich vorgestellt hatte.


    Sicher es gab auch noch die weltlichen Freuden. Drogen, Party, Sex.

    Aber nichts kam den Erfahrungen gleich, die er mit seinem heißen Deck im Cyberspace, der Matrix erleben konnte.


    Das war es was ihn antrieb.


    Ein Pfeifen riss ihn aus seinen Gedanken. Der Samowar, eines der ersten Teile die er hier nach Midway-Park gebracht hatte, signalisierte ihm, dass das Wasser jetzt die richtige Temperatur hatte.


    >> Ich muss gehen. Da. Nächsten Monat wieder das selbe. Da. Do svidanya, mein Freunde. <<


    Der Samovar war ein altes Teil aus dem vorigen Jahrhundert. Ohne dem ganzen modernen Elektronikkram darin verbaut. So wie damals..


    Er hatte ihn in einem Teeladen, bei einer russischen Trollin gekauft, kurz nachdem er hierher nach Seattle gekommen war.

    Damals war es ganz schön viel Geld, dass er damals für den verbeulten Kasten ausgegeben hatte. Aber nach wie vor war das Teil jeden Cent wert.


    Er wischte das Analyse-Frame aus dem Blickfeld und machte sich eine Tasse heißen Tee.

    Auch diesen kaufte er nach wie vor bei Olga.

    Glücklich seufzend setzte er sich wieder und fragte sich wohl zum tausendsten Mal ob Olga bei seiner Begegnung mit Lysander damals die Finger im Spiel hatte. Er wusste sie war auch irgendwie im Schattengeschäft tätig, aber eine vernünftige Antwort auf seine Frage würde er von ihr wohl niemals erhalten.

    Dann schon eher eine gescheuert. Naja. Olga eben.


    Er nahm seine fast bis zur Hälfte abgekaute Zigarre aus dem Mund und legte sie auf einem kleinen Teller mit köstlichen Korzhiki, bevor er vorsichtig den ersten Schluckt aus seiner Tasse nahm.


    Plötzlich trat ein amüsiertes Lächeln im sein Gesicht. Er Griff sich wieder seine Zigarre und wandte sich seinem Cyberdeck zu.


    Er hatte eine neue Idee was er dem Sicherheitssystem von Lysander als nächstes antun könnte.

  • "Wo ist die Sau?" Ein bärtiger Hüne stürmte mit weit aufgerissenen Augen in die Bar und sah sich suchend um, während er mit einem länglichen, in braunes Packpapier eingeschlagene Gegenstand rumwedelte. Er rannte schnell auf eine gemischte Gruppe zu, die schon eine Weile an einem Tisch in der hinteren Ecke zechte, sein Paket mit ausgestreckten Armen vor sich her tragend. Er brüllte:" Habt ihr gedacht ihr könnt das hier ohne mich durchziehen? Happy Birthday!" während er die Flasche billigen Schaumweins mit einem Knall entkorkte.


    Betsy, die an der Bar saß, nahm die Hand wieder von der leichten Pistole, nach der sie instinktiv unter ihrer Weste gegriffen hatte und wendete sich wieder ihrem Lesegerät zu.

    Scheiße, was für ein Idiot. In anderen Bars hätte der Typ sich jetzt schon 5 Kugeln gefangen. So Schade wärs nicht um ihn gewesen. Aber wenigstens wußte sie jetzt wie spät es war. 12 und Zeit zu gehen. Dem Nierensieb sei dank war sie auch schon wieder stocknüchtern, was insofern unschön war, als dass sie bemerken mußte, dass die drei Biergläser vor ihr, die sie geleert hatte unangenehm schmutzig waren. Bäh. Naja, sie machte Hausaufgaben. Selbstgestellte Hausaufgaben. Und dazu gehörte, sich diese neue Stadt, oder zumindest erstmal Tacoma zu erschließen. Und da "Lindas Taverne" nunmal leider nur 5 Blocks -5 Blocks in die falsche Richtung!- von ihrem neuen Zuhause Midway Park entfernt lag, hatte sie einen ganzen Abend hier verbracht. Sie hatte sich die Namen der 2 Barkeeper gemerkt. Mit der Rausschmeisserin, die inzwischen selbst recht besoffen an einem der Tische Karte spielte, geschäkert. Und die wichtigsten Stammkunden auf dem Schirm. Sie hatte Fotos gemacht, aber eigentlich brauchte sie das nicht, da sie dank kleiner feiner Bioware über ein fotografisches Gedächtnis verfügte. Sie kannte Seiten- und Hinterausgänge. Sie wußte nun, dass das einzig "spannend" illegale, was hier vorging, eine kleine Hehlerei mit Billig/Mittelklasse-Kommlinks war, die einige der Stammgäste anscheinend immer bei SchülerInnen der Mittelschule gebenüber abzogen. Diese Scheißkneipe war sogar so unbedeutend, dass sich nicht mal eine der lokalen Gangs dafür zu interessieren schien. Naja, so ne Fleißarbeit muss man halt machen, wenn man neu in der Stadt ist. Und so fühlte sie sich auch nach ein paar Monaten immer noch. Damals in New York kannte sie ihren Kiez... Ach Scheiße, sie schob die Gedanken daran weg, um gar nicht erst schlecht drauf zu kommen. Sie tröstete sich kurzfristig mit einem Blick in ihren Terminkalender, der ihr für morgen den Hausaufgaben-Besuch in einer exzellenten Tapas-Bar in Downtown ankündigte.


    Betsy packte ihr Lesegerät ein - immerhin hatte die ausserordentliche Langweiligkeit dieser Kneipe ihr erlaubt, nebenbei Prof. Sinclairs Standarwerk zu retrograder Amnesie durchzuarbeiten, verabschiedete sich von der Barkeeperin mit einem netten Trinkgeld und einem freundlichen "CU" und machte sich auf den Weg. Seit sie Isidor kennengelernt hatte, versuchte sie wieder an ihr Psychologiestudium anzuschliessen und sich alles an Theorie und Therapieansätzen zum Thema Amnesie reinzuziehen. Draussen packte sie ihren Mantel, der mittels elektrochromatischer Anpassung alt und befleckt aussah in ihren Rucksack und beschloss, den Weg nach Hause zu joggen.


    Sie haßte körperliches Training, aber da ihre Ärzte von weiteren Biowareeinbauten abgeraten hatten, mußte es wohl sein. Aber wenn schon, dann wenigstens nebenbei, ohne wertvolle Extrazeit zu veschwenden. Trotzdem bekam sie sofort schlechte Laune, umso mehr als sie die Stimmen der Sportfanatiker in ihrem Kopf hörte: "Wenn man sich so richtig auspowert ist man danach voll gut drauf, das ist wie high sein, bla bla bla." Wenn Betsy sich so richtig auspowerte war sie danach müde und alles tat weh. Und mal im Ernst: Fürs high sein gabs tolles Zeug von Profis hergestellt...

    Ihre Laune bessert sich erst wieder als sie im Aufzug im Midway Park angekommen war und auf die 40 gedrückt hatte. Hoffentlich war noch jemand wach, sie könnte noch ein gutes Gespräch vertragen...

  • Tacoma-Lakeland, Seattle, UCAS


    Passt! Zufrieden nickend schließt Cleo die Heckklappe des Werkstattaufbaus auf der Ladefläche ihres Armadillos. Auf den ersten Blick wirkte es wie Ausrüstung und Material zur Reparatur von Haushaltselektronik. Die Reagenzgläser und das etwa auffälligere Werkzeug, mit dem klar werden würde, dass sie mit Sprengstoffen herumspielt, war sicher in den gepolsterten Schubladen verstaut und erst mit einem gründlichen zweiten Blick zu finden. Es war gestern schon spät gewesen als sie alles fertig gepackt hatte, lieber nochmal im wachen Zustand kontrollieren. Better safe than sorry!

    Es gibt genug Leute, die gerne genug auf den zweiten Blick verzichten, wenn man die geltenden Gesetze nicht zu offensichtlich flexibel auslegt.


    Sie trägt noch ihre Shorts und Tanktop in denen sie geschlafen hatte, als sie ihre Kaffeetasse wieder von der Werkbank nimmt, um zum Abzug in der Ecke zu gehen. So lange wie es gestern gedauert hatte alles zu mischen und fertig zu stellen, war es schon zu spät für eine Prüfung der Charge gewesen. Auch wenn die gemischte Infrastruktur von Lakeland nicht ganz so dicht mit Gebäuden zugepflastert war wie andere Teile Seattles so gab es in der Nähe ihrer kleinen Halle doch genug Apartments, in denen man hellhörig werden könnte.

    Die Prüfvorrichtung war fertig geladen, so dass sie heute nur noch alles anschalten und den Knopf drücken musste. Inzwischen hört sie von draußen schon die ersten Liefer- und Lastwagen und auch das bisschen Brandgeruch aus dem Abzug würde bei laufendem Betrieb der Werkstätten und kleineren Firmen in der Umgebung nicht weiter auffallen.

    Sie stellte die Messgeräte und den Lüfter an und zündete die Probeladung. Die kleine Menge detoniert mit einem dumpfen Knall, der die Panzerglasscheiben des Abzugs vibrieren lässt. In der Charge hatte sie eine etwas höhere Detonationsgeschwindigkeit angestrebt, damit sie mit weniger Dichte die gleiche Sprengkraft wie ein langsamerer Sprengstoff bringt.

    Und weniger Dichte heißt weniger Lärm bei der Detonation, wer weiß wann das mal gut sein würde.

    Das schwere Pendel zeigt den von ihr vorbestimmten Ausschlag an und mit den Sensoren ihrer Cyberaugen stellt sie zufrieden fest, dass die Delle in der Gegenplatte den korrekten Detonationsdruck widerspiegelt. Ihre Implantate helfen ihr die genaue Zusammensetzung zu berechnen, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Durch die positive Sauerstoffbilanz ihrer Mischung entstanden zwar keine Flammen, trotzdem war etwas mehr Rauch entstanden als sie erwartet hatte. Sie stellte den Abzug eine Stufe höher und war ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis. Wer hätte damals gedacht, dass sie irgendwann mehr Zeit mit Zusammenmischen von Sprengstoffen als mit dem Entschärfen von Sprengsätzen verbringen würde.


    Sie streckt sich ausgiebig um in ihrem Rücken die verspannten Muskeln von der konzentrierten Arbeit gestern zu lösen. Mal schauen was die Trainingspläne der anderen so sagen, Bewegung hilft halt doch am besten.

    Sie spaziert an den Sofas für ihr „Heimkino“ vorbei zur Küche, um festzustellen, dass der Kühlschrank nicht wirklich irgendwas brauchbares mehr hergibt, jedenfalls kein Frühstück. Dann lieber ein spätes Frühstück im Hauptquartier oder Franklin soll ein paar von diesen Sandwiches aus seiner Nachricht gestern rüberwachsen lassen. Der Scherzkeks! Manchmal könnte man denken seine Sprüche sind ernst gemeint.

    Sie steigt die offene Stahltreppe zur Empore nach oben um sich frische Klamotten zu holen und zumindest die Tagesdecke über’s Bett zu ziehen. Vermutlich wird sie die nächsten Tage sowieso im Hauptquartier bei den anderen bleiben.


    Frisch geduscht in schwarzen Bootcut Jeans und einem königsblauen T-Shirt hängt sie sich noch ihre Kette um und geht an der Bilderserie im Popartstil von Galloping Gertie vorbei zu ihrem dunkelgrünen Truck. Das Licht das durch die Dachfenster und die Milchglasscheiben hereinfällt, bringt die kräftigen Farben der Bilder zum Leuchten. Es sind Aufnahmen vor, während und nach dem Einsturz, ein Sinnbild wie an Schwachstellen, ob jetzt geplant oder übersehen, schon geringe Kraft ausreichen kann, um zur vollständigen Zerstörung zu führen. Immer wieder faszinierend!


    Sie wirft ihre anthrazitfarbene gepanzerte Lederjacke auf den Beifahrersitz und startet den Motor. Die etwas länger und tailliert geschnittene Jacke ist so angepasst, dass sie jederzeit das Werkzeug in ihrem Arm nutzen kann. Das Tor öffnet sich und sie fährt den Truck nach draußen. Sie wartet noch bis das Tor wieder fertig geschlossen und das Sicherheitssystem aktiviert ist, bevor sie nach Norden in Richtung Midway Park losfährt.

    Direkt vom Midway Park Circle abgehend nimmt sie die Einfahrt in die Tiefgarage und fährt bis auf die unterste Ebene. Langsam öffnet sich das Tor zu Lysanders Fuhrpark und auch die meisten Maschinen des Teams stehen auf ihren Stellplätzen. Sie parkt ihren GMC Truck und macht sich auf den Weg zum Aufzug.

  • 14...15...16...17


    <<Nutzer Isidor, sie haben ihr Übungsziel erreicht. Meinen Glückwunsch.>>


    Schwer atmend lässt sich Isidor von der hoch gestellten Reckstange, an der er bis eben Klimmzüge gemacht hat, fallen, kommt federnd auf der untergelegten Matte auf und lässt sich gegen die Wand des Fitnessraumes sinken. Über den Boden tastend sucht er seine Trinkflasche und gönnt sich einige kleine Schlucke Wasser. Einen Moment lang genießt er mit geschlossenen Augen das Zwielicht des diesigen Morgens, das durch die Fensterfront in den Raum fällt. Er hat zum allmorgendlichen Training das Licht ausgelassen und nur den Agenten im Trainingsterminal hochgefahren, der den auf die Haut zu klebenden Biomonitor steuert, der ihm die Eckdaten wie Kalorienverbrauch, Muskelsäuerung, Herzschlag, Blutdruck und so weiter zuspielt. Daraus errechnet der Agent dann Zielvorgaben, um ein optimales Training anzubieten, in Isidors Fall eines zu Erhaltung des aktuellen Leistungslevels. Verschiedene Einheiten wie eine Strecke auf dem Laufband, Hantelübungen, Turnübungen und, zuletzt gerade abgeschlossen, Klimmzüge an der Reckstange gehören ebenso dazu, wie eine ideale Aufnahme von Nährmitteln und Flüssigkeiten und Ruhepausen. Jeden Morgen absolviert Isidor ein solches Training und ebenso jeden Abend vor dem Schlafen gehen. In Form zu bleiben ist bei seiner Arbeit nicht nur wichtig sondern potentiell lebenswichtig. Im falschen Moment schlapp zu machen, kann einen den Kopf kosten und das plant er nicht zuzulassen. Jetzt aber hat er sich eine gründliche, tödlich heiße Dusche verdient und danach ein herzhaftes Frühstück, soll der verdammte Trainingscomputer davon doch halten, was immer er will. Carendum est ut sit plenus venter in corpore sana, so lautet eines der vielen Sprichwörter, die ihm manchmal einfach so in den Sinn kommen, ohne dass er auch nur eine Ahnung hat, woher eigentlich. Man muss dafür sorgen, dass in einem gesunden Körper ein voller Magen liegt, so wäre die Übersetzung, aber die braucht Isidor nicht. Er weiß, was die Worte bedeuten, eines der großen Rätsel, die ihn immer wieder nachts wach halten. Aber nicht jetzt, jetzt ist er einfach zufrieden zu spüren, wie die Kraft in seine aufgewärmten Muskeln zurück kehrt, wie es in dem Raum ganz langsam heller wird und wie die verdammte Drecksputzdrohne mit ihrem verfluchten nervigen Surren anfängt die verschiedenen Sportgeräte zu reinigen. War ja klar, wieso sollten einem auch mal einige Minuten Ruhe vergönnt sein? Mit einem tiefen Seufzen erhebt Isidor sich, rafft seine Sachen zusammen und steht kurz darauf, ganz unzeremoniell in Muskelshirt, FlipFlops und Trainingshose gekleidet sowie frisch geduscht, in der gemeinsamen Küche. Auf dem Herd brutzelt in einer Pfanne Speck, die Kaffeemaschine brodelt, das leise klimpern eines Rührbesens, mit dem Isidor das Rührei schlägt fügt sich mit dem kaum hörbaren Summen des Toasters zu einer sanften Symphonie des Frühstücks zusammen. Wie immer hat er einige Eier mehr bereit gelegt, falls noch jemand dazu kommt. Während er ein wenig weißen Käse und Kräuter in die Eier rührt, ruft Isidor einen seiner Lieblingssportnewsfeeds in sein Sichtfeld und wirft einen Blick auf die aktuelle Tabelle der Stadtkriegssaison. Die LA Bolts haben gestern Abend mit den Seattle Screamers den Boden aufgewischt, mit etwas Pech wird die Mannschaft sogar den Rest der Saison ausfallen. Na klasse. Und Ben "Hammer" McPharson hat's auch erwischt, Isidors Favoriten bei den Wildcard Spielen, der eher illegalen und viel brutaleren Variante von Stadtkrieg, in der es kaum Regeln gibt, dafür aber auch kaum groß gesponserte Teams. Alles in allem also ein durchwachsener Morgen.

    Ich bin Rollenspieler! Erzähl mir nichts über Realitätsflucht! Cum grano Salis!!! <---Pratchett-Kenner bemerken die drei Ausrufezeichen Wink
    PS: Te exue, sue!

  • Nachdenklich lehnte Lysander sich in dem unverschämt bequemen Bürosessel zurück, der seine Form während der Bewegung ergonomisch an seine schlanke Statur anpasste. Mit einer knappen Handbewegung wischte er das AR-Fenster mit dem Unternehmensbericht, den er sich gerade angesehen hatte, aus seinem Blickfeld. Abwesend drehte er eine kanariengelbe Keramiktasse mit dampfendem Soykaf in seinen Händen, während er das soeben Gelesene verarbeitete.


    Ein paar Minuten später hatte er seine Gedanken sortiert. Lysander gab sich einen Ruck und schwang die Lehne des kastanienbraunen Sessels wieder nach vorne. Er stellte die, zwischenzeitlich geleerte, Tasse auf dem Schreibtisch ab, öffnete in der AR das Kommunikationsnetzwerk seines Teams und nahm eine Sprachnachricht auf. <Guten Morgen Leute>, begann Lysander mit ruhiger Stimme. <Ich habe eine Verabredung mit einem Klienten. Ich hätte euch gerne als Rückendeckung dabei. Ich treffe mich mit ihm im Kaf-Haven, ihr kennt es vielleicht, das In-Café am Renton Mall Center. Verabredet sind wir für 14:00 Uhr. Ich fahre um 13:15 Uhr los. Fährt jemand mit mir im Saab?> Sein Blick streifte den ausladenden Wandbildschirm an der gegenüberliegenden Raumseite, der gerade ohne Audio regionale Wirtschaftsnachrichten wiedergab. 10:02 Uhr zeigte die Zeitanzeige in der Bildschirmecke. Na schön, es ist noch etwas Zeit für die liebe Büroarbeit, dachte Lysander seufzend.

  • Während noch etwas Salz ins Rührei wandert liest Isidor Lysanders Nachricht und seine Laune wird gleich ein wenig besser. Ein wenig Action wäre für heute genau das richtige


    <<Alles klar, Boss. Ich nehm das Motorrad. Will noch jemand Frühstück? Entscheidet euch schnell sonst gibt es bacon negro zum Rührei>>

    Ich bin Rollenspieler! Erzähl mir nichts über Realitätsflucht! Cum grano Salis!!! <---Pratchett-Kenner bemerken die drei Ausrufezeichen Wink
    PS: Te exue, sue!

  • Als Cleo den Empfangsbereich betritt und erstmal Nina begrüßt, kann sie nicht lange den Ausblick über die Bucht und Downtown genießen als schon die beiden Nachrichten ankommen.


    <Guten Morgen Lysander, wenn an sich kein größerer Ärger zu erwarten ist, würde ich gerne den Truck hier lassen und bei Dir mitfahren.>
    <Isidor, perfektes Timing! Ich bin schon da.>
    Ihr Magen bestätigt ihr das mit einem kräftigen Knurren und sie beeilt sich durch's Backoffice zum gemeinsamen Aufenthaltsraum mit der offenen Küche zu kommen.

    "Guten Morgen!" Während Isidor noch die Eier fertig rührt, holt sie schon mal ein paar Teller aus dem Schrank.

  • Von einem Moment zum anderen war Sergej hellwach. Sein Schlafregulator hatte den optimalen Zeitpunkt aufgrund Sergej's Alphawellenmuster seines Gehirns errechnet um ihn zu wecken. Kurz davor hat sich seine 'Ware hochgefahren, einen Analyseroutine durchgeführt und alle Systeme miteinander synchronisiert.

    Sergej hatte die Programme dafür selbst geschrieben. Er mochte es nicht wenn die Dinge nicht so liefen wie sie seiner Meinung laufen sollten.


    Sofort wurde das Team-Kommunikationsfeld in seinem Sichtbereich eingeblendet.


    <Ich habe eine Verabredung mit einem Klienten...


    Hm, Ei und Speck. Hört sich doch gar nicht mal so übel an.


    "ворона! Besorg mir mal ein paar Infos über den Kaf-Haven und das Renton Mall Center. Ich gehe mal Frühstücken." sagte er zu seinem Mook-Programm.


    Stand auf, überlegte kurz zu duschen, entschied sich aber dann dagegen denn sonst wären wohl die Eier kalt oder schon weggespachtelt.

    Werd wohl schon früher hinfahren um die Lage zu checken. Mal sehen ob sonst wer mitkommt.


    "Dobro' jutro. Guten Morgen."

  • Auch Betsy ist dank dieses genialen Schlafregulators trotz der kurzen Nacht hellwach und fit.

    Und es gab Arbeit. Was für eine feine Ablenkung heute. Und wer arbeitet muss nicht trainieren... Und es gab Frühstück. Gut, Eier und Speck waren jetzt nicht ihre erste Wahl, hoffentlich war es wenigstens Soyspeck und kein ehemaliger Schweinearsch. Aber so ein Frühstück ist ja auch eine soziale Sache. Und sie freute sich tatsächlich, dass mal wieder fast alle da waren. Bis auf den Boss und diesen lustigen Texaner, aber der würde sicher auch gleich kommen.


    Betsy lud sich zuerst aus ihrem Mapsoft-Gold-Abo die öffentlichen (aber aktuellen und detaillierten) Gebäudepläne der Mall und Umgebung in ihr Orientierungssystem und checkte kurz die Matrixpräsenz von Cafe und Mall.


    "Einen wunderschönen guten morgen allerseits. Ok, der Boss, will Rückendeckung. Gut. Ich schlage das Standardprotokoll vor. Dozor und Isidor fahren vor und checken die Lage. Dozor sucht sich dann ein schönes Plätzchen für die Matrixüberwachung und Isidor einen Posten, wo er eine gute Übersicht hat, aber nah genug dran ist, um im Ernstfall eingreifen zu können. Cleo als Leibwächterin und ich als "Assistentin" begleiten Lysander direkt und gehen mit ihm rein. Cleo fährt mit dem Boss im Saab. Franklin und ich kommen in einem anderen Fahzeug, das genug Sitzplätze hat, dass Franklin uns abholen kann, falls wir schnell weg müssen. Die Mall hat mehrere Ausgänge und wir wissen nicht wo wir im Ernstfall rauskommen. Ausserdem überwacht Franklin per Drohne die direkte Umgebung. Oder welche Fahrzeugaufteilung hälst du für sinnvoll, Franklin?

    Die Mall ist eher im Luxussegment anzusiedeln, also zieht euch ordentlich an und bewaffnet euch dezent und am besten legal. Schwerere Sachen, wenn überhaupt, dann gut versteckt im Auto! Fürs Astralzeug ist der Chef ja selbst zuständig.

    Dozor, Kommunikationsnetzwerksteht, ja?

    Und was meint ihr zum Vorschlag? Verbesserungsvorschläge?


    An Lysander schreibt Betsy noch ne kurze Nachricht

    < Chef, gibts noch was wichtiges zu wissen, worauf sollten wir besonders achten? >


    Dann setzte sich Betsy zu den anderen und erwartete die interne Einsatzbesprechung.

    Fast wie früher, ein bisschen Angst,ein bisschen Vorfreude, ein bisschen Adrenalin und sicherlich würde irgendjemand gleich nen blöden Spruch machen...



  • <<Du immer! Es gibt noch Leute die müssen ab und zu arbeiten für ihr Geld. Aber so 'n Sandwich könnt ich jetzt vertragen >>
    Kommt die Antwort von Cleo. Er muss grinsen. Über kurz oder lang wird sie seinem Charme erliegen, ganz klar. Er freut sich schon drauf.

    << Irgendwann hast Du Lust auf ein Bad mit einem Klassiker im Trid... Und dann werd ich bereit sein ;) >>

    Die Nachricht an sich macht ihn stutzig. Bekommen die anderen nicht dasselbe Geld für die Lysander Aufträge wie er? Doch!

    Na egal, Charles Bronson muss den Mörder seines Bruders finden und und nebenbei mit Claudia Cardinale schlafen.

    Und wenn Bronson sein Cowgirl bekommt, warum dann nicht auch Franklin?

    Sandwich, Beef Jerky und Whiskey leeren sich. Und irgendwann muss auch er mal schlafen...


    Lysanders Nachricht weckt ihn. Klar, es nervt um 13:15 Uhr schon arbeiten zu müssen. Aber was, das muss nich wahr?

    Also ab unter die Regendusche, noch ein Sandwich gefuttert und schick angezogen.

    Beim Rausgehen ruft er seinem Haushaltspärchen zu.

    OKay, ihr Turteltauben, das Haus gehört euch. Ich meld mich bevor ich zurückkomme.

    Emilia und Miguel, sind nicht nur seine Angestellten. Sie sind auch seine Freunde. Ihre Eltern arbeiten auf der Ranch seiner Eltern und im Gegensatz zu denen, haben die Kids diese Klassenunterschiede damals schnell überwunden. Zur Missgunst aller 6 beteiligten Erwachsenen. die mexikanischen Einwanderer halten ihre Bosse für arroganten Geldadel und die Texaner halten die Mexikaner für neidische Proleten.

    Das Pärchen musste nicht lange überlegen, als Franklin fragte ob sie ihn begleiten.


    Also los!

    Teure Jeans, rotes Seidenhemd, Cowboyhut und Mantel, drunter natürlich die formangepasste Körperpanzerung

    << Alles klar, also Betsy und ich im BMW, immer muss ich die langweiligen Sachen fahren. Und hey, wenn ich zwei Fahrzeuge und ne Drohne steuern soll, ja dann fürchte ich, ich brauch ne Riggerkonsole. Hast du da noch was rumliegen Boss? Du hast doch alles mögliche rumliegen?>

    Eigentlich mochte er diese Teamaufteilungen nie. Beinahe jeder im Team hält sich n fürn geilen Biker, keiner mag Auto fahren.

    So kommt es das er, der Combat-Biker, meistens der Fahrer des Teams wird, in einem von Lysanders Autos. Das sind zwar alles gute Wagen, doch sollten sie wirklich mal in die Lage geraten, auf der Straße fighten zu müssen,

    ja dann haben sie eben keinen Geschützturm, keinen Nagelwerfer, sie haben seine Fahrzeugwerkzeuge nicht da... Das alles und mehr, hätten sie wenn er auf "Fat Boy" reiten würde. Aber was solls. Er ist eben der Fahrer.

    Und diesmal isses immerhin der BMW. Vielleicht man da diese Karren ja mal aufrüsten... Mit dem BMW könnte man EEiiinniges machen. All das geht ihm durch den Kopf, während er seine Harley durch Seattle steuert, besser als die meisten Rigger. Er liebt dieses Motorrad, kennt jede Schraube daran. Doch momentan braucht er es meist nur, um ins HQ zu kommen. Allerdings isses vielleicht wirklich auch nich verkehrt, wenn er das Fahrzeug steuert, das Lysander evakuieren soll.

    Gegen 12 schlägt er im HQ auf

    Howdy Partner, meint er locker fröhlich an alle und dann ein wenig leiser... charmanter

    Hi... Cleo, wie gehts meiner Lieblingsorkin?
    Fragt er und hält ihr eines der köstlichen Sandwiches hin.

  • "Buenos Dias"


    Begrüßt Isidor erst Cleo und dann auch gleich Sergej, als die beiden kurz nacheinander herein kommen. und schließlich kommt auch Betsy dazu und schon wird es wieder nur ein kleines Frühstück. Aber mit ein wenig Milch... na geht schon. Während er also das Rührei noch ein wenig streckt und eine zweite Pfanne auf den Herd bringt, um noch mehr Speck (echten Speck, wenn auch von diesen 2-Meter-Schulterhöhe-Superschweinen) auszulassen und darin Brot zu rösten, hört er sich Betsys Plan an. Soweit nichts neues, alles wie üblich, also nickt er nur zustimmend und meint


    "Wie immer also, klingt gut."


    Direkt darauf schickt er in den Gruppenchat


    <<Erwarten Sie Ärger, Boss?>>

    Ich bin Rollenspieler! Erzähl mir nichts über Realitätsflucht! Cum grano Salis!!! <---Pratchett-Kenner bemerken die drei Ausrufezeichen Wink
    PS: Te exue, sue!

  • Cleo denkt sich ihren blöden Spruch nur und behält ihn nach Betsy's Redeschwall für sich. Respekt! Schon so viele Worte vor dem ersten Bissen.

    Bei einigen Punkten nickend hat Cleo Betsy fertig zugehört und sich erstmal am Rührei bedient.


    "Normalerweise rechnet Lysander nicht schon mit Stress bei der ersten Verabredung mit dem Klienten, sonst hätte er das gleich gesagt.

    Deswegen sollten wir uns möglichst normal verhalten. Niemand geht mit zwei Personen Begleitschutz Kaffee trinken. Wir würden nur für unnötig mehr Aufmerksamkeit sorgen, egal ob bei Unbeteiligten, möglichen Beobachtern unseres Klienten und vor allem würde es die Mallsecurity nervös machen.

    Falls Du direkt als begleitende Assistentin auftreten willst, solltest Du mit im Saab fahren. Du bist zumindest definitiv besser geeignet, wenn es um eine allgemeine Einschätzung des Klienten geht. Ob wir noch ein weiteres Auto brauchen oder nur Bikes dabei haben, könnt Ihr entscheiden. Aber mit meinen Truck kann ich definitiv nicht fahren, der wäre nur am Liefereingang unauffällig.


    Betsy, Du kannst mir doch bestimmt schon eine Karte von der Mall rüberschicken. Einer von uns kann alleine Kaffee trinken und für alle anderen können wir uns drum herum gleich Läden aussuchen, in denen es nicht auffällt, wenn man sich länger dort aufhält.“


    Cleo ist offen für weitere Anpassungen und schaut fragend in die Runde.




    Wenn Franklin mittags auftaucht, strahlt sie beim Anblick des Sandwiches.

    "Hi... Cleo, wie gehts meiner Lieblingsorkin?"

    "Oh, Danke! Da hab‘ ich ja Glück, dass ich die einzige hier bin. Lecker, ohne Euch würde ich glatt verhungern."

  • Er und Cleo als Team im Wagen... vielleicht ist Auto fahren doch gar nich soooo doof.

    Manchmal muss man sich eben fürs Team opfern, oder?

    Das Cleo das Sandwich sehr hungriger ansieht als ihn, kann er natürlich auch nich übersehen.

    Sandwich müsste man sein

    erklärt er mit nem Schmollmund.

    Dann würdest Du dich auch auf mich so freuen

    Erklärt er und boxt ihr gegen die Schulter.


    Also Du ich. Wir sind n Team heut?

    Find ich gut. Da könnt ich glatt vergessen, dass ich lieber "Fat Boy" fahren würde.

    zwinkert er sie an

  • Ein guter Tag beginnt normalerweise mit einem guten Vodka, aber guter Tee tut es heute auch, und so holt sich Dozor noch schnell eine Tasse schwarzen bevor er sich zu den anderen setzt.


    "Gud, Easy und ich fahren vorr. Ich warte noch auf Auswertung der Analise für Sicherheit. Denke minimal Profil is gud, da?"


    Gerade noch am Speck kauend wird plötzlich Dozors Blick starr bevor er dann fortfährt.


    "Also Sekurity Eagle is dort. Mit Patrol und WaffeScanner, aber Kleine Waffe mit gud Sin ist njet Problem, da?"


    Das er dabei mit vollem Mund gesprochen hat schein ihm weder aufgefallen zu sein noch sonderlich zu stören.

  • Während sich Lysander mühsam durch die umfangreichen Unterlagen arbeitete, die sein Steuerberater ihm zur Durchsicht eingereicht hatte, las er in der AR beiläufig die Nachrichten seines Teams mit. Ganz schön viel los, heute. Unwillkürlich lächelte er. Ihnen kam eine neue Aufgabe genauso gelegen, wie ihm selbst. <Nein, Leute, ich erwarte keinen Ärger. Aber man weiß ja nie. Außerdem erfahrt ihr dann gleich aus erster Hand, um was es unserem Klienten geht.> Er blickte wieder auf die absurd hohe Seitenanzeige, der noch freizugebenden Steuerdokumente. Drek, noch eine Stunde, dachte er missmutig.


    Um 13:16 Uhr steuerte Lysander den kraftvollen Saab Dynamit mit sportlichem Tempo aus dem Midway Park Circle auf den Highway 516 nach Osten. Er war froh, dass er den Steuerunterlagen für einige Zeit entkommen konnte. Cleo hatte sich nun doch der Backup-Gruppe angeschlossen und statt ihr wartete Betsy bereits neben dem Sportwagen, als Lysander den abgetrennten Tiefgaragenbereich ihres Fuhrparks erreichte. Er sah während der Fahrt immer wieder einmal nach seiner Beifahrerin, ob ihr sein rasanter Fahrstil unbehaglich war. Sie durchfuhren verkehrsbedingt in deutlich gemächlicherer Geschwindigkeit Kent und folgten dann dem Highway 515 nach Norden. Als sie schließlich den Highway verließen, war es nicht mehr weit, bis sie um 13:53 Uhr die Renton Center Mall erreichten.



    Renton, Seattle, UCAS


    Da Seattle gemeinhin als das Herz und der Ursprung der Kaf Culture angesehen wurde, zumindest von den patriotischen Einwohnern des Metroplexes, überraschte es nicht, dass gefühlt wöchentlich neue Lokale mit aufwändig in Szene gesetzten Kaffee-Spezialitäten in aller Munde waren. Das derzeit angesagte Kaf-Haven war an der Südseite der weitläufigen Renton Center Mall gelegen. Es warb vor allem für die, wenn man der ansprechend gestalteten AR-Werbung Glauben schenken mochte, koffeinhaltigen Gaumengenüsse der kleinen Kaffeerösterei Klondike Roast aus Snohomish.


    Gekonnt parkte Lysander den mattschwarzen Saab Dynamit beinahe unmittelbar vor dem offen angelegten Außenbereich ihres Treffpunktes. Auf der dem Center zugewandten Seite der Seitenstraße, welche die Südseite der Mall in einem langen Bogen umschloss, war schräg zur Fahrtrichtung eine Vielzahl von Parkplätzen auf den Asphalt gezeichnet. Die gegenüberliegende Straßenseite bestand aus mehrstöckigen Geschäftshäusern, deren Erdgeschosse sich zu einem Arkadengang öffneten, der es den zahlreichen Passanten ermöglichte, selbst bei Regen trocken vor den bunt dekorierten Schaufenstern der Ladengeschäfte zu flanieren.


    Regen war jedoch gerade nicht zu erwarten, stellte Lysander fest, als er sich vor dem Aussteigen kurz umblickte, um Betsy die Gelegenheit zu geben, zuerst auszusteigen. Er wusste, dass sie es schätzte, für einen Moment die Umgebung sondieren zu können. Möglicherweise war es etwas übertrieben, schließlich hatte er sich jahrelang ständig in Gefahr begeben und konnte durchaus auf seine Kampfinstinkte vertrauen, aber gute Angewohnheiten sorgten auch dafür, dass man noch länger am Leben blieb. Ein paar Augenblicke später war auch er ausgestiegen, schloss seine Wagentür und stellte er sich zu ihr auf den Bordstein. Die Sonne hatte den leichten Morgennebel zwischenzeitlich vertrieben und nur wenige schneeweiße Wolken zogen langsam über den Himmel.


    Sie durchquerten den mäßig besuchten Außenbereich des Kaf-Haven und strebten dem Eingang zu, dessen doppelflügelige Glastüren aufgestellt waren. Zwischen ahornfarbenen Rattanstühlen und dazu passenden Glastischen waren auf der Terrasse lindgrüne Sonnenschirme verteilt. Hier und da hatten deren Sensoren bereits die Temperatur auf der sonnenbeschienen Bestuhlung als so warm eingestuft, dass sich einige der Sonnenschirme selbsttätig entfaltet und zur Sonne ausgerichtet hatten.


    Einige Besucher betrachteten Lysander und Betsy neugierig, als diese an ihnen vorbeigingen. Lysander trug einen sowohl sportlichen, wie eleganten, und kaum wahrnehmbar gepanzerten, Anzug der Marke Executive Suite von Zoé, bestehend aus schwarzer Hose und tailliertem Sakko, über einem schneeweißen Hemd mit offenem Haifischkragen. Mit wenigen Schritten nahmen sie die fünf Stufen auf den breiten, von mehreren Pflanzkübeln dekorativ gesäumten, Türabsatz und betraten das Café.


    Der Innenraum des Kaf-Haven war in warmen Brauntönen gehalten und verströmte ein beruhigendes Ambiente. Nur eine Handvoll Tische waren besetzt. Lysander erkannte seine Verabredung sofort aus den Bildern des Unternehmensberichts, den er am Morgen gelesen hatte. Andrew Taylor, war ein schmaler Mann Anfang Fünfzig mit graumelierten Haaren. Er saß allein an einem Tisch für vier Personen in der Mitte des Cafés. Er schien seinen konservativen schiefergrauen Anzug von Mortimer of London nicht richtig auszufüllen, als hätte er kürzlich einiges an Gewicht verloren. Seine Schultern hingen herab und sein Gesicht war von Sorgenfalten geprägt.

  • Nachdem er das Rührei, das geröstete Brot und den Speck verteilt hat, platziert sich Isidor auch an dem Tisch und verdrückt seine Portion mit einer ganzen Menge Heißhunger. Auf Dozors Worte antwortet er mit einem Nicken


    "Also sind Waffen möglich, bene. Ich bin heute übrigens als Diego unterwegs."


    Diego ist Isidors meistgenutzte SIN, ein Security-Angestellter aus Snohomish mit der Lizenz, Handfeuerwaffen zu tragen.

    Ich bin Rollenspieler! Erzähl mir nichts über Realitätsflucht! Cum grano Salis!!! <---Pratchett-Kenner bemerken die drei Ausrufezeichen Wink
    PS: Te exue, sue!

  • Dozor liebt es mit seinem Bike durch die Gegend zu fahren. Die schwere Maschine wurde extra für ihn umgebaut und wirkt durch Dozor's Körpergröße noch viel mächtiger aus.


    Die Fahrt selbst verläuft ohne große Vorkommnisse. Provokationen werden schlichtweg ignoriert. Die Verkehrsregeln eingehalten.


    So ist das Ziel bald erreicht und nach einer kleinen Runde beschließt Dozor in einem kleinen Nudelshop Stellung zu beziehen. Nachdem er sich eine guten Platz ausgesucht hat bestellt er etwas zu essen und checkt in der Zwischenzeit die Matrix aus. Mechanisch stopfte er dann die Nudeln reim während er die Gegend auf Icons überprüfen. Besonders achtete er auf Waffen Icons und Icons auf Schleichfahrt.


    Als dann Lysander und Betsy ankommen waren und sich an den Tisch mit dem Mann setzten checkte er in der AR seine Signatur um sie später in der Matrix leichter finden zu können. Auch hier achtete er besonders auf Waffen und verborgene Icons


    Er hätte natürlich auch gleich eine Marke draufklatschen können, aber das entsprach nicht den guten Sitten und könnte als Hostile Action gewertet werden.

    Dann suchte sich Dozor wieder ein gutes Plätzchen und wartete erst einmal ab.