Beiträge von Theverath

    Auch Nuwanda schweigt einen Augenblick und nippt nur an seinem Wodka. Aber er bricht das Schweigen dann doch zuerst, Schwanzvergleiche mag er eh nicht so.


    "Also, Frau die mir nur mit Vornamen vorgestellt wurde, mich aber siezt, was machen wir mit dem angebrochenen Abend, jetzt wo das einzig verbindende Glied zwischen uns den Raum verlassen hat?"

    Auch Nuwanda ist etwas erstaunt über Etchemins plötzlichen Aufbruch. Aber statt einen Kommentar über die Luft zu bringen, steht er auf und holt aus der Seitentasche seiner Sporttasche einen kleinen Zettel. Mit einigen schnellen Schritten folgt er Etchemin und drückt ihm den Zettel in die Hand. Darauf stehen der Name Nuwanda und ein KommCode


    "Ruf mich mal an."


    Und dann wendet er sich ab und geht wieder zum Tisch zurück und lässt sich wieder in seinen Stuhl fallen. Statt sein Verhalten zu erklären, meint er nur


    "Vor Allem ist es hier deutlich ruhiger als draussen."

    Kurz mustert Nuwanda Nadya abschätzend, dann antwortet er


    "Sie können gerne Kontakt zu meiner Arbeitsvermittlerin aufnehmen. Wenn Sie ihr Geld wert sind, werden sie in der Lage sein, die Dame namens Fixie zu kontaktieren. Ich arbeite nur für Auftraggeber, die von ihr unter die Lupe genommen worden sind, das erspart viel Ärger."


    Was erstmal fast unmöglich klingt, eine Person namens Fixie in einer Stadt wie Seattle aufzuspüren, ist für eine erfahrene Johnsson natürlich weit weniger schwierig. Zuerst grenzt die Tatsache, dass diese Fixie eine Vermittlerin zwischen J und Runner ist, die Suche schon gewaltig ein. Dann kennt Nadya ja den Namen des Runners vor sich, Nuwanda, und das macht die Sache auch gleich weniger schwierig. Nicht jeder Fixer kann auf erwachte Aktivposten zurückgreifen und Nuwanda sieht nicht so aus, als müsse er von Soypaste und gefiltertem Regenwasser leben, also wird auch kein Fleischhändler für Billigschläger gesucht


    "Wenn Fixie sie für vertrauenswürdig genug befindet, wird sie ihnen mein Fähigkeitenprofil sicher zugänglich machen. Allerdings arbeitet sie lieber so herum, dass sie sich den Job beschreiben lässt und dann ein passendes Team zusammen stellt."


    Nuwanda selbst ist übrigens auch kein unbeschriebenes Blatt. Wer selber Runner anheuert und sich in der Szene gut auskennt, könnte von einem solchen Runner schon einmal gehört haben. Er gilt als zurückhaltend aber kompetent und soll auch schon einige eher bekanntere Runs durchgezogen haben. Beispielsweise eine Sache mit einem Schabengeisterhive in Puyallup. Ihm wird auch eine Verbindung zu einer wilden Verfolgungsjagd mit Schießerei nachgesagt, die zwischen Knight Errant und einem Runnerteam in Renton stattgefunden hat und bei der das Team ohne einen der Cops zu töten (es gab aber eine ganze Reihe Verletzte), mindestens 7 Streifenwagen, einen Heli und ein SWAT-Team abgehängt hat. Die Sache war ziemlich live in den Nachrichten und hat 5 Minuten Ruhm errungen weil die Bilder von sich überschlagenden Polizeiwagen, brüllenden Geistwesen und panisch fliehenden Zivilisten schon recht spektakulär waren. In den Schatten murmelte man damals (das Ganze ist schon gut ein Jahr her) von einer absichtlichen Ablenkung.

    "Ach Mitmachen, nein danke. Aber Bandenkriege wirbeln immer viel Staub auf und das stört die Geschäfte."


    Mit einem Grinsen schaut er dann zu Etchemin herüber


    "Und hey, für einen Tag hab ich genug gearbeitet. Also falls jemand heute noch meine Fähigkeiten braucht, würde das sehr teuer werden."

    Ich hätte da einen Zaubererface (so sehr Face ist er gar nicht, er war es nur in dieser Runde aus Muskelprotzen, Nerds und eben ihm) aus Paris, der im letzten Run in den ADL (Rhein-Ruhr-Megaplex) war.

    "Hallo Yara, Nuwanda"


    Begrüßt er auch die Neue und hört sich dann ihr Gerücht an. Die Sache mit SK interessiert ihn nicht wirklich, diese Art von Kon-Run macht er sowieso nur ungerne und irgendeinem Sarariman auf der Besetzungscouch zu helfen... nääää. Das mit den Gangs findet er dann schon interessanter


    "Gibt's schon Gerüchte, ob sich Unterstützer einschalten werden? Und wenn ja, wer für welche Seite?"

    Nuwanda winkt nur ab


    "Irgendeinen Kanal gibt es immer. Die Idee der Geheimhaltung ist heutzutage relativ obsolet. Steuerung der öffentlichen Wahrnehmung, das ist das Zauberwort."


    Er macht eine weitere wegwerfende Handbewegung und trifft beinahe die Kellnerin, die mit einem kleinen Tablett mit einem Wodka und einem Glas Wasser herbei kommt. Mit einem entschuldigenden Lächeln sagt er während die Dame die zwei Gläser auf dem Tisch abstellt


    "Oh, Entschuldige bitte. Aber hey, wo ich dich gerade hier habe, wie haltet ihr's hier eigentlich mit Zauberei?"


    "Bau keinen Mist und stör keinen, dann ist's in Ordnung"


    "Klasse, danke."


    Wieder an die anderen am Tisch gewandt erklärt er


    "Ich muss noch fahren und nach zwei von den Dingern hier... naja. Insofern, falls ich nachher noch einmal kurz herumzaubere keine Sorge, ist nur ne Entgiftung."

    Nadyas Kommentar zu Johann entlockt Nuwanda ein kurzes Grinsen. Das entspricht SO sehr den Gebräuchen seiner alten Heimat, dass er sich kurz fragt, ob sie wohl selber Britin sein könnte. Aber der Rest passt nicht wirklich, also antwortet er stattdessen lieber


    "Man sollte nicht den Fehler machen, Ares nur auf das Militärische zu reduzieren. Wie alle großen Kons haben die ihre Finger in einer Menge mehr Dingen drin. Nicht nur Wuxing..." Er spricht es tatsächlich (nach kantonesischen Maßstäben) korrekt aus "... kennt sich im Geschäft mit Magie aus."


    Johanns Gerücht bereitet ihm scheinbar auch keine großen Magenschmerzen


    "Naja, Forschungseinrichtungen sind ja häufiger ethisch fragwürdig aufgebaut, gerade in Ländern mit schwacher staatlicher Kontrolle. Und Leute zum Schweigen zu überreden ist jetzt nicht die ungewöhnlichste Aufgabe für Leute, die Arbeit unter der Hand erledigen."


    Indem er sein Glas hebt und damit der Bedienung zuwinkt, bestellt er einen zweiten Wodka und schaut dann zu Etchemin herüber, neugierig wie der wohl mit diesen Dingen umgeht

    "Och sie haben einige interessante Artikel im Sortiment. Zum Beispiel haben sie einige beeindruckende Fortschritte im Bereich der Fetische gemacht."


    Er zuckt mit den Schultern und will wohl noch etwas hinzufügen, doch da gesellt sich der Vercyberte dazu und Nuwanda schaut zu seinen beiden Tischgenossen, immerhin waren die beiden zuerst hier und es wäre unhöflich, ihnen bei der Antwort auf diese Frage nicht den Vortritt zu lassen

    Nuwandas Aura bleibt dabei ruhig, dass ein Grubenkämpfer Menschen tötet und teilweise isst scheint ihn nicht wirklich zu schockieren. Auch die Information über St. Louis scheint ihn nicht wirklich zu bewegen. Auch auf mundaner Ebene bleibt er nur milde interessiert, nickt aber zu den beiden Gerüchten anerkennend seinen Gesprächspartnern zu. Klein einsteigen, klar.


    "Vor ein paar Tagen wurde der Kopf von Guiseppe Morelli auf einem Pfahl aufgespießt gefunden, so viel wisst ihr sicher. Ich habe aber von einer vertrauenswürdigen Quelle gehört, dass es das Werk von Doom gewesen sei."


    Doom, das Cybermonster, der Massenmörder war für ein paar Tage DAS Gesprächsthema in den Seattler Plexnachrichten. Ein komplett vercyberter Irrer, Kopf, Torso, Arme und Beine aus Chrom, der im Laufe von einigen Wochen in Seattle ein wahres Blutbad angerichtet hatte. Die wenigen Aufnahmen, mit deren Hilfe Knight Errant die Fahnung bestritten hatte, zeigten ihn stets in einem langen Trenchcoat und mit einem speckigen Lederhut. Seine Opfer schienen absolut zufällig ausgewählt, es gab aber Gerüchte, er habe es gezielt auf einige italienische Familien abgesehen und die anderen Opfer seien nur Nachahmer und Kollateralschäden gewesen. Ihn nachzuahmen war nicht wirklich schwer, er erschoss seine Opfer und spießte danach, wo immer er die Zeit hatte, deren Köpfe auf Eisenstangen auf. Letztendlich verschwand er von einem Tag auf den anderen spurlos und die Gerüchte der Straße behaupteten, er sei von einer maskierten Gruppe niedergeschossen und mitgenommen worden. Guiseppe Morellis Ermordung war kaum der Rede wert gewesen und nur in wenigen Nachrichtenfeeds und -Blogs aufgetaucht, wenn Doom aber wieder auf den Straßen unterwegs wäre, gäbe es sicher jemanden, der für seinen Kopf viel Geld bezahlen würde.


    "Man sagt, er sei wieder unterwegs."


    Während er spricht beobachtet er seinerseits Nadya und Etchemin genau, sowohl astral wie mundan. Kurz grinst er dabei Nadya an, als sich beide deutlich erkennbar als Dualwesen gegenseitig betrachten und in seiner Aura zeigt sich eine Spur von Amüsiertheit.

    Dazu muss Nuwanda breit grinsen


    "Achja und am Ende noch umsonst!"


    Er kichert kurz und würdigt noch einmal Nadyas Büchersammlung eines genaueren Blickes


    "Ja, ein Buch in der Hand ist schon einfach etwas anderes, leider sind die Klassiker kaum noch zu bekommen und wenn dann zu horrenden Preisen. Ich hab kürzlich meine Zweitausgabe von Kinder des Zorns verkauft und... naja, es hat für die Autoreparatur und zusätzlich noch für einen Paintjob gereicht."


    Dabei deutet er auf die Ausgangstür und tatsächlich dürfte jedem, der von vorne gekommen ist, das große Wohnmobil aufgefallen sein, dass dort in der Straße steht und das über und über mit verschiedenen Motiven bemalt ist, am prominentesten auf der einen Seite ein Indianerhäuptling inklusive Federschmuck und Friedenspfeife und auf der anderen Seite ein halbnackter Barbar in dessen erhobenes Schwert der Blitz einschlägt und vor dessen Füßen ein fauchender Puma und der Schriftzug "Puma Pride" liegen. Billig war das Ganze sicher nicht, die Qualität der leicht comichaften Darstellungen ist tatsächlich sehr gut. Man könnte sich natürlich wundern, warum das alles nicht bereits von Gangtags verdeckt ist.


    "Aber warum spielen wir nicht das gute alte Gerüchtespiel? Ich meine, sicher weiß jeder von uns was Interessantes, dass er oder sie erzählen kann ohne in Schwierigkeiten zu geraten..."

    Nuwanda lässt sich nicht lange bitten, er steht mit einem erfreuten Lächeln auf, nimmt das einzige mit, was auf seinem Tisch noch voll ist (das Glas mit Wasser) und in die andere Hand seine Sporttasche, und kommt dann zu Etchemin und Nadya herüber. Zuerst stellt er beides ab, dann begrüßt er die beiden


    "Sehr nett, danke. Scheint ja ein Treffpunkt recht exotischer Personen zu sein hier."

    Er hat einen ganz, ganz leichten, britischen Akzent wenn er spricht. Während er sich setzt, wirft den Büchern neben Nadya auf dem Tisch einen Blick zu


    "Jemanden hier zu treffen, der echte Bücher liest, hätte ich allerdings ehrlich gesagt nicht erwartet"


    So wie er es sagt klingt es nicht, als wäre es irgendwie abwertend gemeint, wenn überhaupt eine Wertung mitschwingt, dann eher eine positive.