Beiträge von Dschinn

    »Hallo«, meldete sich Lennox und verschob das Gespräch in ihr Netzwerk, um den Mitgliedern des Teams das Mithören zu ermöglichen. »Willy Tahua hat mir ihren Kommcode gegeben. Er sagte, wir könnten bei ihnen spezielle Jagdausrüstung bekommen.« Er ließ das Gesagte einen Moment bei seiner weiblichen Gesprächspartnerin sacken, während er sich in aller Ruhe umsah. Die Kombination aus digitaler Sichtverbesserung und Restlichtverstärkung seiner Cyberaugen machte den karibischen Abend für ihn zum Tag. Nichts Verdächtiges. »Wir sind nur kurz auf der Insel. Können wir sie gleich besuchen?«, fügte er lässig hinzu.

    Bei versteckten Icons ist eines der Kernprobleme das Herausfiltern des richtigen Gerätes.


    Die Spielwelt soll natürlich in sich schlüssig sein und als Spielleiter übernimmt man häufig die Sichtweise der Gegenseite und überlegt, welche Sicherheitsmaßnahmen man an deren Stelle treffen würde. Aus Sicht eines Hostbetreibers macht es Sinn, möglichst alle Geräte (wie z.B. Sicherheitskameras, Magschlösser, Kaffeemaschinen, oder Steuergeräte der Belüftungsanlage) aus Sicherheitsgründen als Slaves des WANs zu betreiben und mit der Schleicherstufe des Hosts zu verstecken. Ein verstecktes Gerät fällt in der AR nicht auf und kann gar nicht erst gehackt werden, wenn man es nicht zuerst finden kann. Skriptkiddies sind damit meist schon außen vor. Natürlich verlangsamt die Schleichfahrt die versteckten Geräte, aber eine höhere Cybersicherheit bedeutet eben, dass man Einbußen bei der Performance in Kauf nehmen muss. Das ist auch heute schon so. Am elegantesten erscheint mir, wenn der Mitarbeiter sein Kommlink mit dem zugeordneten Host des Gebäudes verbindet und über eine jeweils passend eingeblendete AR-Steuerung die versteckten Geräte bedienen kann.


    Je nach Situation kann es in der Umgebung also vor versteckten Geräten nur so wimmeln. Diese zeigen ohne weitere Nettoerfolge auch nicht, um welche Art von Gerät es sich jeweils handelt. Was der Hacker beim Finden eines Icons auf Schleichfahrt auch ohne Nettoerfolg sofort erkennen sollte, ist aber die Position des Gerätes. Die genaue Positionierung ist schließlich essentiell für die Funktionalität der AR. Aus dem sofortigen Erkennen der Position eines versteckten Icons folgt, dass ein physikalisch anwesender Hacker mit AR deutlich im Vorteil ist, weil er das entdeckte Icon ohne weiteres einem gesehenen Gegenstand zuordnen und hacken kann.


    Zudem muss sich der Hacker zur Entdeckung von versteckten Icons sowieso im Umkreis von 100 Metern befinden, was es oft schon schwierig machen kann, überhaupt anzudenken, ob VR nicht doch besser wäre. Was aufgrund der Filterproblematik aber auch schwerer sein wird, als erwartet… dazu möchte ich als nächstes übergehen.

    Schreibt mir aber doch bitte schon einmal, falls Ihr an dieser Auslegung etwas kritisch seht.

    Ich denke, es ist für den hackenden Charakter ein grundlegender Unterschied, ob er in AR oder VR handelt. Die anzuwendenden Regeln sind zwar die gleichen, aber die Vorgehensweisen unterscheiden sich entsprechend. Am Ende wird es wohl so aussehen, dass der Hacker die AR sinnvollerweise eher für taktische Aufgaben und die VR mehr für strategische Aufgaben nutzen sollte. Aber um meine Sichtweise vollständig darzustellen brauche ich wohl noch etwas Zeit zum Formulieren.


    Bleiben wir erst einmal bei der AR.


    Mit einer Matrixwahrnehmungsprobe ist das Sortieren der offen sichtbaren Geräte einfach und schnell. Da die Darstellung des Geräteicons zeigt, um was es sich handelt, kann der Hacker z.B. Kommlinks oder Waffen sofort herausfiltern. Je nach den Erfolgen der Matrixwahrnehmungsprobe hat er sofort auch weitere Informationen, wie die Gerätestufe, das Modell des Gerätes, in welches Gitter es eingeloggt ist und so weiter. Ich möchte sogar vorschlagen, offen sichtbare Geräte, die sich im AR-Sichtfeld des Hackers befinden, ohne Matrixwahrnehmungsprobe sofort hacken zu können. Analog zur Vorgehensweise bei physikalischer Wahnehmung und Wahrnehmungsproben.


    Meines Erachtens spielt es dabei in der AR für die Sichtbarkeit überhaupt keine Rolle, in welchem Gitter sich das Gerät befindet, oder ob es als Slave eines Hosts eingerichtet ist. Das Icon eines Gerätes befindet sich in der AR immer an seiner physikalischen Position. Bei der Interaktion mit einem solchen Gerät kann der Hacker natürlich deutliche Nachteile dadurch haben, dass es sich in einem anderen Gitter befindet, oder gar an einen Host geslavt ist, da dieser vergleichsweise hohe Werte zur Verteidigung seiner Slaves aufbringen kann. Ob die physikalische Sichtbarkeit beim Geräteicon des Cyberdecks eines Hackers in VR anders zu handhaben wäre (weil die Persona mit dem Geräteicon verschmilzt), müssten wir noch einmal gesondert überlegen.


    In der AR in einen Host zu gehen, wäre sicherlich möglich, wenn auch aufgrund der meist geringeren Initiative für den Hacker gefährlicher, aber er würde dann in seiner digitalen Wahrnehmung auch keine AROs mehr sehen (und seine physische Wahrnehmung behindern), weshalb ich bezweifle, dass das bei der Interaktion mit einem in der AR bereits sichtbaren Gerät vorteilhaft wäre.


    Die nächste „Eskalationsstufe“ wären dann versteckte Icons in der AR…


    Könnt Ihr Euch mit dieser Sichtweise anfreunden?

    Vielen Dank für Eure Teilnahme an diesem Forenrun, Leute!

    Das war wahrscheinlich der längste Tag Eures Lebens... der ca. zweieinhalb Jahre gedauert hat. ;)

    Ich vergebe für jeden Mitspieler 150 Karmapunkte, von welchen bis zu 50 Karmapunkte für den hier gespielten Charakter verwendet werden dürfen. Die weiteren Karmapunkte könnt Ihr bei der Erstellung eines neuen Charakters einsetzen. Forenruns dauern so lange, dass ein Charakter meiner Meinung nach direkt schon funktionsfähig und abgerundet beginnen sollte.

    Außerdem vergebe ich für jeden Mitspieler 150.000 Nuyen, von welchen bis zu 50.000 Nuyen für den hier gespielten Charakter verwendet werden dürfen. Die weiteren Nuyen können ebenso bei der Erstellung eines neuen Charakters eingesetzt werden. Außerdem ist auch das Tauschen von Karmapunkten in Nuyen zu den üblichen Regeln möglich, was widerspiegelt, dass der Charakter durch glückliche Umstände günstiger an Ausrüstung gekommen ist.

    Falls jemand Mängel an seinem Charakterdesign festgestellt hat, bin ich im Übrigen auch für Anpassungen des bereits gespielten Charakters offen. Manche Effekte bemerkt man eben erst, wenn der Charakter im Spiel darüber stolpert.

    Ich habe für die Fortsetzung noch keine konkrete Idee. Vorschläge und Anregungen aus der Forengemeinschaft nehme ich gerne an.

    „Danke. Wir wissen das zu schätzen“, erwiderte Lennox mit einem sympathischen Lächeln. Dann nahm er sich die Zeit das ausgezeichnete Essen zu genießen. Als schließlich alle ihre Mahlzeit beendet und die Getränke geleert hatten, nickte er auffordernd in die Runde und stand auf. Mit einem lässigen Handzeichen verabschiedete er sich von ihrem Inselgastronomen und führte sie langsam in die Richtung des Hafens zurück.


    Er wartete, bis sie einige Hundert Meter entfernt waren. In der Nähe waren gerade kaum Passanten unterwegs. Dann wählte sein Kommlink die erhaltene Kontaktnummer.

    Snohomish, Seattle, UCAS


    Am frühen Nachmittag saß das Team in Raven Manors großzügig angelegtem Wohnzimmer. Die Mittagssonne schien angenehm warm durch die wandhohen Panoramascheiben, hinter welchen sie den liebevoll gepflegten Park des Anwesens bewundern konnten. Graham Cooper, der Majordomus, hatte bereits dafür gesorgt, dass eines der Hausmädchen, eine vergleichsweise zierliche Trollin, jedem das passende Getränk reichte. Nun stand der Zwerg in der Nähe des Durchgangs zur überdimensionierten Küche und unterhielt sich leise mit Nina Vasquez, die in einem beigefarbenen Businesskleid bezaubernd aussah.


    Nachdem sie in der vergangenen Nacht West Coast Cargos improvisierten Frachtkonvoi ohne weitere Zwischenfälle durch den spärlichen Verkehr zu deren Niederlassung in Tacoma eskortiert hatten, waren sie in Lysanders Hauptquartier am Midway Park erschöpft eingeschlafen. Deutlich erholt, nach einigen Stunden ungestörten Schlafs, brachen sie schließlich nach Raven Manor auf, um sich mit ihrem Klienten zu treffen.


    Auf ihrer Fahrt durch Bellevue waren sie an einem der Renraku Flagship Stores vorbeigekommen. Schon aus der Ferne konnten sie die Schlange der Kauflustigen ausmachen, die aufgeregt darauf warteten, dass sie an der Reihe waren in das völlig überfüllte Ladengeschäft zu gelangen und ihr Exemplar des brandneuen Sensei MediCare entgegenzunehmen. In allen Schaufenstern, an der Fassade des Gebäudes und sogar über der Straße leuchteten ihnen in der AR kunstvoll arrangierte Produktbilder und farbenfrohe Werbevideos entgegen, die die Vorzüge von Renrakus neuestem Kommlink anpriesen. Ein perfekt inszenierter Produktstart. West Coast Cargo hatte ihre Terminfracht demnach fristgerecht ausliefern können.


    Mit der für ihn typischen lässigen Selbstverständlichkeit kam Lysander aus seinem angrenzenden Büro und nickte ihnen der Reihe nach zu. Dicht hinter ihm folgte ein sichtlich gelöster Andrew Taylor, dem deutlich anzusehen war, welche Anspannung von ihm abgefallen war. „Ich danke ihnen“, sprudelte er auch sofort hervor. „Nur dank ihrer tapferen Hilfe konnten wir unserer Lieferverpflichtung nachkommen und die Insolvenz von West Coast Cargo abwenden. Dass sie, Ms. Bennet“, er nickte Betsy ernst zu, „sogar noch aufdecken konnten, dass auch der Sohn meines verstorbenen Geschäftspartners an der ganzen Sache beteiligt war, ist die Krönung ihrer hervorragenden Leistung. Ich danke ihnen allen!“


    Lysander nahm mit einem dankenden Nicken ein schlankes Glas mit perlendem Sekt, das ihm die junge Trollin auf einem chromglänzenden Tablett anreichte und wartete, bis auch ihr Klient ein Sektglas in Händen hielt. „Meine Freunde, ich kann mich Mr. Taylors Lob nur anschließen. Das war gute Arbeit. Ihr habt die Organisation der Koshari dermaßen zerschlagen, dass Chief Roland nichts anderes übrigblieb, als sich aus dem Metroplex zurückzuziehen.“ Er zuckte unbeschwert mit den Schultern. „Zumindest für den Moment. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.“ Dann erhob Lysander sein Glas. “Auf einen erfolgreichen Auftrag!“



    Ende des 1. Kapitels

    Lennox hätte gerne ein modifiziertes Ruger 101 Sportgewehr:

    Ruger 101 SuperCompact | P7(9) | 10K | DK-3 | HM | RK2 | 8(m) (2.935 ¥ | 6E)

    Angepaßter Griff (+100 ¥), Kurzer Lauf (+20 ¥), Schockpolster, Smartgunsystem (+1.300 ¥), Vordergriff (+100 ¥), Tragegurt (+15 ¥), Zielfernrohr

    Die lokalen Waffenbesitzer werden sich bei strenger Gesetzgebung sicherlich grundsätzlich legale Waffen suchen, die sie dann etwas anpassen, so wie mein Vorschlag hier. Leicht verfügbar, kleiner als ein Sturmgewehr, oder eine Schrotflinte, also im Prinzip eine zivile Version einer PDW. Anbei ein Bild, wie ich mir die Super-Compact-Variante vorstelle.

    Etwas Munition unterschiedlicher Arten für diese Waffe und Lennox' andere Waffen stehen auch auf der Liste.

    Ein paar Survivalausrüstungen wären vielleicht auch praktisch.


    Übrigens fehlte noch die Heilungsprobe: Natürliche KON 4 x 2 = 8W6 => 1 Erfolg | Passt genau, um die 1K zu heilen.

    Beinahe zwei Stunden waren seit der Ankunft der Mitarbeiter von West Coast Cargo wie im Flug vergangen. Lagermeister Roachford hatte erwartungsgemäß das Verladen der beiden mitgebrachten Lastzüge, und des schon weitgehend durch die Koshari beladenen Zuges, schnell und reibungslos organisiert. Während Betsy den Geleitschutz herausdeutete, verschloss das Ladepersonal ordentlich die, deutlich leerer gewordene, Lagerhalle. Auf einen gebrüllten Befehl Roachfords beeilten sich schlagartig alle anwesenden Mitarbeiter, sich auf die Fahrzeuge aufzuteilen. Wenige Sekunden später stand niemand mehr vor der dunklen Lagerhalle. Dann setzte sich der Konvoi in Bewegung und hielt auf die Niederlassung von West Coast Cargo zu.

    Theverath, bei dem gezeigten Motorrad handelt es sich um eine Gaz-Niki Titan (vergleichbar Harley-Davidson Scorpion). Die Farbe kannst Du Dir aussuchen. ;)

    Coke, der Schaden ist 3K, wie Betsy feststellte (Danke!). Die Ausgedehnte Probe für die Reparatur ist (8, 30 Minuten). Die Arbeitsbedingungen sind mäßig (-2). Die weiteren Modifikatoren findest Du im SR5 S. 146. Ich würde den Schaden anteilig nach der investierten Zeit und Deinen Erfolgen reduzieren.

    „Genau genommen, kennen sie unseren Chef sicherlich“, warf Lennox beiläufig ein und schickte ihrem Gegenüber mit einer lässigen Handbewegung ein ARO mit dem Kontaktschlüssel, den Captain Ortega bereitgestellt hatte. Ihr Kontaktmann würde ihn mit dem korrekten Empfängercode entschlüsseln können. Für einen unliebsamen Betrachter wäre nur ein defektes ARO sichtbar, das unverständliches Kauderwelsch anzeigte. Lennox nahm einen weiteren Bissen seines Fischburgers. „Und dass es hier das beste Essen gibt, glaube ich ihnen gern“, fügte er mit einem freundlichen Lächeln hinzu.

    Kaum eine halbe Stunde war nach Lysanders Ankündigung vergangen, da rollten zwei Lastzüge mit dem prägnanten Schriftzug von West Coast Cargo in die schwach erleuchtete Zufahrtstraße des Clark Storage Lagerhauses. Der Betsy bereits bekannte orkische Lagermeister, Roachford, erinnerte sie sich, sprang aus dem Führerhaus des ersten Trucks. Ihm folgte eine bunt gemischte Gruppe von Speditionsmitarbeitern, drei Menschen, drei weitere Orks und ein grobschlächtiger Troll.

    Mit einem freundlichen Aufblitzen seiner chromüberzogenen Hauer trat Mr. Roachford auf Betsy zu und reichte ihr seine Rechte zu einem festen Händedruck. „Ms. Bennet, freut mich Sie wiederzusehen. Der Boss schickt uns, um drei Züge mit Renraku Kommlinks schnellstmöglich zu beladen und bis zum Morgen in unserer Niederlassung in Tacoma zu bewachen. Tagsüber können wir sie dann nach und nach ausliefern.“ Er deutete vage mit dem Daumen hinter sich. „Zwei leere Frachtzüge konnten wir sofort auftreiben. Falls der Zug, der hier eigentlich noch stehen sollte, nicht mehr da wäre, könnten wir aber bald auch einen Ersatz besorgen. Außerdem haben wir noch zwei Staplerdrohnen aufgeladen, damit wir schneller arbeiten können.“


    Während ihres Gesprächs rangierte das mitgebrachte Ladepersonal die beiden Lastzüge vor die weit geöffneten Hallentore, entlud routiniert die beiden Staplerdrohnen und begann unter Verwendung der bereits vorhandenen, und zwischenzeitlich fertig aufgeladenen, Drohne zügig mit der Verladung der Paletten, welche die Terminfracht für Renraku enthielten.

    Bäh! Salat? Garnelen hin oder her, davon kann man ja nicht satt werden, dachte Lennox missbilligend und rümpfte unwillkürlich die Nase. Er bestellte einen doppelten Fischburger mit knusprigen Kartoffelwedges und der ausgezeichneten, hausgemachten Barbecue-Sauce, so las es sich zumindest auf der viel zu bunten AR-Karte des Foodtrucks. Wenige Minuten später stellte sich der Fischburger als ausgesprochen großes Exemplar seiner Art heraus, als der Inhaber den gut gefüllten Teller geschickt vor seiner Nase platzierte. Genüßlich biss er hinein. Köstlich! Er nickte ihrem Kontakt zufrieden zu und griff zu seinem Glas eisgekühlter Soy-Cola, bis der Foodtruck-Inhaber bei ihnen Platz genommen hatte.

    Nachdem Lennox eine zermürbende Stunde mit der Erstellung des Einsatzberichtes zugebracht hatte, atmete er erleichtert auf, als er die verschlüsselte Datei endlich absenden konnte und ging gemächlich zur Pantry, um die schon lange geleerte Kaffeetasse in den Spülautomaten zu stellen. Auf dem Boot herrschte eine friedliche Ruhe. Maria und Max waren mit Billy in Richtung Strand verschwunden, während Scotty und Kelly sich in ihre Kabinen zurückgezogen hatten. Er beschloss, sich noch einige Stunden Ruhe zu gönnen. Die kleine Combatball-Drohne konfigurierte er auf den Wächtermodus und platzierte sie auf dem Kartentisch. Dann legte er sich angezogen in seine Koje, verschob die Savalette Guardian aus dem Holster in seinem Rücken unter das weiche Kopfkissen und war sofort eingeschlafen.


    Als die untergehende Sonne sich dem malerischen Horizont näherte, war Lennox wieder auf den Beinen. »Am besten begleitest du mich zu unserer Kontaktperson, Preacher«, antwortete er auf dessen Materialanforderung. »Gibt es noch mehr Freiwillige?« Mit einem lässigen Schritt trat er vom flachen Deck des Bootes auf den Steg und ging in Richtung der Strandbar ihres DEA-Kontaktes.

    Kaum eine Minute, nachdem Betsys Nachricht an Lysander in ihrer AR als gelesen markiert wurde, signalisierte ihr Kommlink den eingehenden Rückruf. Sie nahm an. Lysander lehnte in Raven Manors geräumigem Esszimmer an der großen Tafel, deren polierte Tischplatte aus echtem Eichenholz im angenehmen Licht der indirekten Beleuchtung schimmerte. „Gute Arbeit, Elisabeth“, sagte er. „Mr. Taylor hat einige Trucks, Fahrer und Verladearbeiter von West Coast Cargo organisiert, um die Kommlinks schnellstmöglich abzuholen. Die ersten beiden Fahrzeuge sollten schon in circa 20 Minuten eintreffen.“


    Lysanders tiefblaue Augen blickten für einen Moment zur Seite, wo seine rechte Hand mit eleganten Bewegungen ein unsichtbares ARO manipulierte. „Außerdem hat er mir einen Hostzugang auf Admin-Ebene gegeben, den Sergej ungefähr…“, er stockte und tippte auf ein Icon, „jetzt erhalten sollte.“ Das Cyberdeck des Angesprochenen meldete eine eingehende Nachricht von Lysander, der die besagte Zugangsberechtigung zum Host des Clark Storage Lagerhauses angefügt war.


    Dann wandte er seinen Blick wieder Betsy zu. „Den Nightsky ganz du gerne requirieren. Mir schien zwar, dass sein Lack Schaden genommen hat, als ich kurz nach dem Fahrer gesehen habe, ob er auch wirklich außer Gefecht gesetzt ist, aber vielleicht finde ich jemanden, der das beheben kann.“ Er lächelte und zuckte amüsiert mit den Schultern.


    „Was die Gefangenen betrifft, mach das ruhig so. KE kann sich gerne mit ihnen beschäftigen“, fügte er dann ernster hinzu. „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass die Blood Mountain Boys auf Rache aus sind und Ärger machen wollen.“

    »Aye aye, Ma’am«, bestätigte Lennox förmlich. »Können Sie uns passende SINs zukommen lassen? Das würde unsere Bewegungsfreiheit deutlich erhöhen. Wir benötigen Fahrzeuge und zumindest einige Aufklärungsdrohnen. Mit den SINs mieten wir etwas vor Ort und nehmen Kontakt zu einem lokalen Schieber auf, um unsere Ausrüstung zu vervollständigen. Oder können sie uns bis morgen eine Lieferung schicken?«


    Während er auf Captain Ortegas Erwiderung wartete, lehnte Lennox sich lässig zurück und durchdachte ihre Situation. Den Rest des Tages können wir nutzen, um uns auszuruhen. Gerade für Maria ist das auch dringend erforderlich. Sie sieht immer noch aus wie Drek. Sobald der Captain uns die SINs geschickt hat, besorgen wir uns zwei Mietwagen. Die Suche nach einem Schieber kann aber auch genau so gut zu Fuß erfolgen. Und morgen erkunden wir die Insel mit den Fahrzeugen.