Um Pitch herum roch es nach heißem Kunststoff und Öl. Die Luft war stickig, schwer vom Rauch, der durch die zerstörte Frontscheibe drang. Irgendwo tropfte es, vermutlich eine Leitung über ihnen. Der Sitz unter ihm war feucht, nicht warm; Pitch wollte gar nicht wissen, was das bedeutete. Die Innenverkleidung des Wagens hatte sich teilweise gelöst, Kabel hingen herab und zuckten leicht in der Luft, als würde das Auto selbst Schmerzen empfinden.
Rick bot seine Hilfe an und der Sanitäter atmete einmal tief durch. Kurz sortieren:
Er wusste, dass Bones zu ihm unterwegs war. Kyle hatte den Befehl im PAN geschickt, und er selbst hatte noch einmal um Ausrüstung und ein Medkit gebeten. Aber konnte er sich darauf verlassen? Bones war gut, besser als er, wenn es ums magische Heilen ging. Aber sie war keine Soldatin. Nicht geübt darin, unter Feuer zu handeln. Und was sie wirklich brauchten, lag im Kofferraum: Im Trolley war sein IFAK, wohl verpackt in einer handlichen Tasche, direkt neben dem Köfferchen, in dem seine MP die Explosion wahrscheinlich besser und gemütlicher überstanden hatte als die weniger glücklichen Insassen!
Rick war offenbar fit, aber im Auto nur noch im Weg. Spätestens wenn Bones hier reinkam, würde es zu eng. Pitch murmelte und sein PA machte eine Nachricht ans Team daraus, Rick adressiert:
<< Rick, sicher den Bereich für Bones. Hol meinen Trolley aus dem Kofferraum. >>
Der Krampfanfall von Kazim war kein gutes Zeichen, aber auch kein unmittelbarer Todesbote. Nur ein weiteres Ausrufezeichen hinter der SHT-Diagnose. Pitch wusste, was das bedeutete: steigender Hirndruck, nicht kontrollierbar ohne Ausrüstung. Keine Zeit mehr. Er konnte nicht auf Bones warten. Und sein Heilzauber würde ihre Arbeit später unmöglich machen.
Es blieb nur eins: Notfallmagie. Seine letzte Option.
Pitch senkte Kazim langsam zu sich herab. Der Körper war schwer, das Zucken erschütternd. Er legte den Arm um Kazims Taille, stützte ihn. Der Kopf zuckte gegen seine Schulter. Dann ließ er den Levitationszauber fallen. Das Gewicht wurde real. Der Schmerz auch.
Sein Herz pochte, als er die Augen schloss und die Magie rief. Nicht zum Heilen. Sondern um das Leid zu nehmen. Die Haut an Haut, das Zittern, das Stöhnen – alles half ihm, sich zu fokussieren.
Er erinnerte sich an seinen Ausbilder im Kongo:
"Wenn du keine Medizin mehr hast, heile nicht, nimm das Leid!"
Pitch öffnete sich. Und ließ das Grauen durch sich hindurchfließen. Spürte, wie es ihm in den Schädel kroch, Gefäße platzen ließ. Er biss die Zähne zusammen. Bones ist gleich hier!, dachte er und spürte, wie Kazims Körper ruhig wurde. Wie seine Atmung regelmäßig wurde. Und Pitch Blut aus dem Ohr lief, Kazims Gewicht schwer auf ihm, auf seinen Armen.