[IP] Neo Tokyo - The Gaijin's Game

  • Heute war ein ganz besonderer Tag für Shin'ichi Jubei.

    Er hatte das große Los gezogen und einen guten Deal gemacht.

    Und so wie es aussah, gab es die Möglichkeit auf mehr.

    Was für ein besonderer Tag.


    Was Jubei-san nicht wusste…

    an diesem besonderen Tag würde er sterben.


    >> coming soon <<

  • Vor dem aufwändig dekorierten Schaufenster eines kleinen Ladengeschäfts für angesagte japanische Herrenmode blieb Arashi unvermittelt stehen. Die warmen Sonnenstrahlen durchdrangen mühelos den leichten Smognebel über Neo-Tokyo und reflektierten sich in der polierten Schaufensterscheibe. In seiner AR-Sicht legten sich, schwebend neben den ausgestellten Kleidungsstücken, virtuelle Displays über die reale Welt und boten detailverliebte Informationen und gehobene Preise. Während er interessiert die Auslage zu betrachten schien, suchte sein aufmerksamer Blick im spiegelnden Schaufensterglas nach Anzeichen von Verfolgern hinter seinem Rücken. Die, für japanische Verhältnisse, überschaubare Menge an Passanten schob sich, ohne erkennbares Muster und auf den unterschiedlichsten Vektoren, über die breiten Fußwege beidseits der stark befahrenen, vierspurigen Straße. Nichts Verdächtiges zu sehen. Auch an den vorbeigleitenden Autos und den hoch darüber hinwegschwebenden Lieferdrohnen war nichts Auffälliges zu bemerken.


    Spiegelnde Schaufensterscheiben. Ein uralter Trick. Funktionierte aber immer noch. Arashi verzog amüsiert die Mundwinkel. Sein Spiegelbild lächelte zurück. Ein gut aussehender, menschlicher Mann in den späten Zwanzigern mit athletischer Figur. Seine strubbelig gestylten, nachtschwarzen Haare und die mandelförmigen Augen verrieten das genetische Erbe seiner japanischen Mutter, das markante Kinn hingegen verdankte er eindeutig der väterlichen, amerikanischen Abstammung.


    <Und? Siehst Du etwas?>, erklang plötzlich Jinx vertraute Sopranstimme in Arashis Kopf. Er zupfte den kurzen Stehkragen seines geliebten, plasstahlgrauen und unglaublich leichten, Argentum-Mantels zurecht. Das maßgefertigte, oberschenkellange und sehr exklusive Stück aus Mortimers ‚Far-East‘-Sommerkollektion schien eng an seinem Oberkörper anzuliegen, darunter verbarg sich aber ein furchteinflößendes Arsenal an Faustfeuerwaffen. Er trug seinen Lieblingsmantel stets geöffnet, um die angepassten Griffstücke seiner beiden primären Pistolen schnell erreichen zu können. Zugegeben, ‚schnell‘ war angesichts seiner vercyberten Reflexe und der in sein Muskelgedächtnis durch jahrelanges Training förmlich eingemeißelten, und zusätzlich genetisch verbesserten, Bewegungsabläufe ein recht schwaches Wort.


    <Alles ruhig>, sendete er über sein implantiertes Kommlink zurück und bog in die, an das Bekleidungsgeschäft angrenzende, Gasse ein. Seine natürlich wirkenden, grasgrünen Cyberaugen passten sich unmittelbar an den in ihr herrschenden halbdunklen Schatten an. Der vier Meter breite Durchgang mündete am Ende des Blocks in eine weitere Hauptverkehrsstraße. In der ein wenig verwahrlost wirkenden Gasse standen einige Müllcontainer neben den stark gesicherten Hintertüren verschiedener Unternehmen. Eine einsame Ratte huschte in die tieferen Schatten unter einem rollbaren Abfallbehälter, als Arashi langsam an diesem vorbeiging. Die Sohlen seiner dunkelgrauen taktischen Kampfstiefel verursachten leise knirschende Geräusche, als er hin und wieder auf herumliegenden Plastikmüll trat. Sein Orientierungssystem kartografierte währenddessen automatisch die Umgebung und zeichnete eine detaillierte Karte am Rande seines Blickfeldes.


    Auf halber Höhe der Gasse, etwa dreißig Meter entfernt, lief eine zierliche menschliche Frau in modischer Sportkleidung. Da sie sich langsam von ihm entfernte, konnte er den kurzen Schopf brünetter Haare nicht sehen, der von der dünnen Kapuze des atmungsaktiven Tops verdeckt wurde. Jinx. Einen Moment später blieb sie stehen, stützte sich mit einer Hand an einem übervollen Müllcontainer ab und schien sich zu dehnen.


    Die Gasse war ansonsten weiterhin verlassen. <Los>, subvokalisierte er. Jinx machte einen Schritt zur Seite, verschwand hinter dem Container und hatte einen Augenblick später bereits mit Hilfe eines Multitools die Verkleidung eines kleinen, in die verwitterte Hauswand eingelassenen, Kästchens gelöst und stöpselte ein dünnes Glasfaserkabel ein.


    Früher waren sie zusammen in den Schatten gelaufen, Jinx und er. Aber sie war dem Tod einmal zu oft nur um Haaresbreite entkommen und hatte bereits vor ihrem gemeinsamen Umzug nach Neo-Tokyo beschlossen keine Shadowruns mehr anzunehmen. Aber auch als unabhängige ‚Sicherheitsexpertin‘ war Jinx nun erfolgreich und beschäftigte sich mit ungefährlichen Datenbeschaffungsaktionen wie dieser hier. Und wenn er nichts zu tun hatte, war er ihr gerne als Rückendeckung behilflich. Es war fast ein bisschen wie in alten Zeiten.


    Arashi passierte mit ruhigen Schritten ihre Position, ohne sich zu ihr umzusehen. Einige Sekunden später meldete sie sich schon. <Erledigt.>


    Jinx Auftrag war erfüllt. Sie hatte die in das Steuergerät der Abwasserleitung des Gebäudes geladenen Daten über eine Direktverbindung aus dem Gerät extrahiert. Ein Insider des Auftraggebers hatte sie zuvor darin versteckt, ohne die Firewall des Unternehmens-Hosts umgehen zu müssen. Eine interessante Vorgehensweise, fand Arashi. Jinx hatte nur noch die in der Außenwand verbaute Steuerungseinheit hacken müssen, um an die Daten zu kommen. Keine Schwierigkeit für sie.


    Er spürte, wie Jinx hinter seinem Rücken aus dem Schatten des Müllcontainers auftauchte und wieder zu joggen begann. Kurz darauf überholte sie ihn, zwinkerte ihm aus dem Augenwinkel mit leuchtend blauen Augen zu, bog aus der halbdunklen Gasse nach rechts in den Sonnenschein des Straßenzuges und verschwand. <Danke!>, sendete sie noch. <Wir sehen uns heute Abend auf einen Cocktail?>


    Arashi erreichte das Ende der Gasse und trat auf den Bürgersteig. Die allgegenwärtigen Passanten flossen um ihn herum, ohne ihren Schritt merklich zu verlangsamen. Er sah sich kurz um, augenscheinlich um sich zu orientieren, konnte erneut keine potentiellen Gefahrenquellen ausmachen und folgte der Hauptverkehrsstraße in die entgegengesetzte Richtung. <Na klar. Du zahlst>, erwiderte er.

  • Juro seufzte innerlich, erneut prüfte er auf seinem Kommlink die Uhrzeit. Seit 11 Minuten ließ der Personalchef von Shiawase Laboratories, Shinji Okamoto, Ihn warten, vermutlich um Ihn zu zermürben.


    Dann holte die attraktive und perfekt gestylte Sekretärin Juro ab und brachte Ihn in das edel eingerichtete, teure Büro. Juro verbeugte sich tief und setzte sich gegenüber seinem Vorgesetzten und wartete auf den Beginn des Gespräches.


    " Minashigo-san, sie wollten mich sprechen ?"


    " Hai. Ich möchte mich um den Posten des Teamleiters bewerben im toxikologischen Labor. Ich bin nun knapp 2 Jahre im Labor und bin Ihr bester Mitarbeiter im Team. Ich kann noch wesentlich mehr leisten. "


    " Oh, ich bin überrascht. Die Eigeninitiative ist löblich jedoch sind sie ein Quereinsteiger. Konzernbürger sind stets zu bevorzugen, das ist Ihnen bekannt. "


    " Welchen Nutzen hat die Konzernbürgerschaft wenn die Arbeit nicht gut ist ? Ich denke das schadet dem Erfolg sicherlich, Okamoto-Sama. "


    " Ahh. Sie stellen den Konzern über sich selbst. Daraus könnte Potential entstehen.


    " Selbstverständlich, Okamoto-Sama. Mein Vorschlag wäre eine Vergleichsarbeit mit dem aktuellen Teamleiter. So haben Sie entsprechende Fakten die Ihnen die Entscheidung erleichtern."


    Okamoto-Sama überlegte kurz.


    " Hai. Ich werde alles in die Wege leiten. Ich melde mich Minashigo-san. "


    Er nickte und erhob sich verbeugte sich vor dem Vorgesetzten. Dann ging er hinaus.


    Nach seiner Laborschicht ging er zu seiner aufgeyerzten Suzuku Mirage. Ein wahrer Künstler hatte dort eine Dschungel Szene auf der Karosserie verewigt , mit einem Kolibri als buntem Hauptmotiv.


    Nachdem er eine Weile scheinbar planlos Essen war und Einkaufen suchte er die grauen und schwarzen Märkte der Stadt auf, ließ sich der neuesten Software begeistern, sah sich selbstgeschriebene Codes an und besuchte auch den Drogenmarkt.




    Aktuelles SL Projekt " Auslegungssache " (Foren Run)
    Hauptcharakter: "Iwan " ( Strassensamurai )


    Erfahrener Meister und Spieler seit Edition 3.0 8)

    2 Mal editiert, zuletzt von Iwan_Korshunov ()

  • Red oder Jane Austin, wie ihre ausgestrahlte SIN zeigte war jetzt seit ein paar Wochen in Neo Tokio.


    Sie hatte nach dem Run mit den Armanen und dem Nazigeist Fleischmann eine Auszeit gebraucht. Ihr Leben war komplett aus den Fugen geraten. Auch wenn es hies, daß die Terroristen gefasst worden waren wollte sie nicht, daß in Seattle ihr Gesicht auf irgendwelchen Überwachungskameras auftauchte. Nachher nahm man sie fest, nur weil sie über die Straße ging oder dergleichen. Auch konnte sie momentan nicht in ihr früheres Leben zurückkehren. John der Tafelbetreiber hatte immer wieder betont, was er von Shadowrunnern hielt. Er war früher selber einer gewesen, bis sein Team bei einem Run komplett ausgelöscht wurde. Seine Freunde und sein Mann. Seitdem hatte er es sich als heilige Mission auferlegt alle Metamenschen in diesem „Berufstand“ zu meiden oder bekehren zu wollen. Er duldete keine Runner in seiner Nähe. Und das wusste Red. Aber sie hatte es ja nur getan um Geld für die Tafel und ihre Schützlinge zu verdienen. Sie hoffte, daß wenn genug Zeit ins Land gegangen ist sie wieder zurückkehren konnte. Sie vermisste Sarah, die kleine Drogenverkäuferin von der Ecke mit ihrem altersschwachen Pudel. Dick, den Obdachlosen, der immer strahlte, wenn er nüchtern war und nicht zu viele Schmerzen. Er hatte Red einmal gebeten Farbe zu besorgen. Mit dieser hatte er seinen Plastkarton kunstvoll in fröhlichen Farben verziehrt. Hätte er eine SIN gehabt und wären die Umstände besser zu ihm gewesen hätte er ein gefeierter Künstler werden können. Nun ersäufte er sein Talent in billigem Syntehol um die Schmerzen des fortschreitenden Krebses zu betäuben. Oder Duke der Ork mit dem abgebrochenen Hauer, der Red einmal erzählt hatte, daß er ein maskierter Rächer war und das Viertel jeden Tag besser machte. Duke war VR-süchtig und konnte oft die Realität mit der Spielewelt nicht mehr unterscheiden. Diese und viele andere Menschen aus ihrem Viertel, denen sie immer wieder geholfen hatte. Ihr Leben ein bisschen Lebenswerter gemacht hatte.

    Nun war sie in Neo Tokio. In einer fremden Stadt. In einer fremden Kultur. In ihrer Kindheit hatte sie schon Rassismus erlebt. Als eine Elfe, die wie ein Mensch aussah hatte sie es sehr schwer mit ihren Eltern und den Freunden ihrer Eltern gehabt. Ihr Vater war von dem elitären Geburtsrecht der Elfen überzeugt und sah Red als einen Schandfleck in seiner Familie. Ihre Mutter war keinen Deut besser gewesen und so hatte sie früh das Leben auf der Straße bevorzugt.


    Aber die Qualität des Rassismuses in der japanischen Stadt war härter. Verpackt in der japanischen nichtssagenden oberflächlichen Freundlichkeit.

    Red hatte sehr schnell lernen müssen, daß sie mit einem Sprachchip nicht beachtet wurde. Erst als ihr der Ramenverkäufer Nishikawa Kenshin zu verstehen gegeben hatte, daß die Japaner wollten, daß man ihre Sprach direkt sprach und Nishikawa ihr half die Sprach zu lernen wurde es besser. Sie kam oft zu dem alten Mann und seiner schwimmenden Rahmen“küche“ -die aus einer lecken Nussschale und einem selbstwärmenden Topf mit Nudelsuppe bestand- und unterhielt sich mit ihm. Sein sonniges Gemüt und seine unverwechselbare Art hatten ihn so etwas wie eine Touristenattraktion werden lassen und so verstand er Englisch und Deutsch und konnte die beiden Sprachen sogar sprechen.


    Kim hatte ihr den ersten Kontakt ermöglicht. Shoko Tendo hatte eine Zeit lang in Düsseldorf gewohnt und da Kim kennen gelernt. Shoko wusste wie schwer es eine Frau in einer fremdenfeindlichen und frauenfeindlichen Kultur hatte und sagte Kim zu, daß sie Red helfen würde in Neo Tokio Fuß zu fassen. Sie hatte geholfen Red eine kleine Bleibe zu besorgen die in der Nähe der Armenküche von Kobayashi Miu war. Dort aß Red am Anfang öfter mal.

    Shoko gab Red zu verstehen, daß sie Shoko jederzeit um Hilfe bitten konnte aber ihre Körperhaltung gab klar zu verstehen, wenn es nicht wichtig war Shoko ihr nicht helfen würde oder schlimmer Red komplett auf sich allein gestellt lies. Shoko schuldete Kim einen Gefallen aber sie konnte und wollte ihren Ruf durch eine Gaijin nicht gefährden.


    In der Armenküche half Red irgendwann aus, als mal wieder eine freiwillige Kraft ausfiehl und Kobayashi Miu alles alleine stemmen musste.

    Kobayashi Miu fiehl auf, daß Red das nicht zum ersten mal machte und war froh um die Hilfe.

    Der Anteil an Metas und anderen Ausgestoßenen der Gesellschaft ist hoch. Manche der Armen und SINlosen, die nichts anderes hatten als ihre Vorurteile behandelten Red mit Mißachtung und ähnlichem. Nur Kobayashi Miu Machtwort lies die Situation nicht eskalieren.

    Frau Kobayashi sagte zu Red, daß sie jeder Zeit helfen könnte. Sie wusste aber auch, daß die Gaijin Frau ihre eigenen Dämonen zu bekämpfen hatte. Frau Kobayashi kannte den Gesichtsausdruck. Sie hatte ihn schon zu oft gesehen. Daher machte sie sich nicht viel Hoffnung.


    Takagaki ist ein junger Hacker, der gerne mit seinem Bike angibt und gerne jungen Gaijin Frau die „japanische Bettkultur“ zeigt. Wenn er nicht gerade die Betten oder die Matrix unsicher macht betreibt er sein weiteres Hobby U-Bahnsurfen. Da er sich in die Fahrpläne hacken kann und dort diverse Backdors eingebaut hat weis er immer genau wann welcher Zug auf welcher Strecke fährt.

    Red fuhr gerade mit der U-Bahn und musste ihren bezahlten Sitzplatz einem Japanischem Jüngling platz machen, der den Schaffner gerufen hatte. Was der Gipfel an der Sache war, das der Jüngling noch nicht mal eine reguläre Fahrkarte hatte, aber so viel Wind um den Sitzplatz machte, daß es gar nicht mehr zur Sprache kam. Red war außer sich, sagte aber nichts. Da sprach sie ein junger hübscher und flippiger Junge an. Seine Augen waren offen und sein Lachen fröhlich. Das hatte Red in NT nicht oft gesehen. Der Junge stellte sich als Takagaki Junichi vor. So kamen die beiden ins Gespräch gekommen und er hatte sie dann auf einen Sake eingeladen. „Nicht alle Japaner sind so rassistisch.“ Waren seine Worte.

    Takagaki zeigte auf seinem Bike die glitzernde Seite von NT. Es war für Red eine willkommene Abwechslung aber so nett Takagaki war, er war Red zu oberflächlich.


    Red hatte eine ganz andere Baustelle

    Sie musste auch damit umgehen, daß sie wahrscheinlich von einem Dämon besessen war. In den Situationen als es um Fleischmann ging hatte sie es als notwendig erachtet diese Kraft zu entfesseln aber sie wollte so wenig damit zu tun haben. Sie wollte generell von mächtigen freien Nazigeistern und magischen Artefakten einen großen Abstand nehmen. Ob das Land der Kamis die beste Wahl war blieb fraglich.

  • 14. März 2080


    Neo Tokyo - Ueno Park


    Kato liebte diesen Park. Schon als er nur ein kleiner Junge war und oft mit seiner Mutter hierher kam.

    Er konnte stundenlang hier einfach nur auf einer Bank sitzen.


    Gerade zu dieser Zeit des Jahres. Die ersten Kirschblüten waren schon zu sehen und bald würde ganz Japan in einem prachtvollen Blütenmeer erstrahlen.

    Ein bemerkenswertes Ereignis im Hier im Park sind die Frühlingsfeiern für seine schönen Kirschblüten und Hanami berühmt und ein wirklich bemerkenswertes Ereignis.

    Gleich neben dem Bahnhof Ueno gelegen verfügt der Ueno Park über ein halbes Dutzend Museen, einen Zoo, einen Toshogu-Schrein und den Shinobazu-Teich.

    Während der Kirschblütenzeit lockte der Park unzählige Menschen an. Touristen wie auch Japaner die der Enge und dem Lärm des Megaplexes, mit seinen über fünfzig Millionen Einwohnern, ein wenig entkommen wollen.


    Genau richtig für Kato um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Äußerlich mochte Kato ruhig und entspannt wirken, aber in Wirklichkeit war er hochkonzentriert. Seine Augen, hinter der verspiegelten Sonnenbrille nicht zu erkennen, schienen einfach starr in die Unendlichkeit zu starren, denn sein Geist war an einem ganz anderen Ort.


    Frei wie ein Vogel raste dieser, oder besser gesagt die Persona die er erfüllte, über das äquivalente Neonkonstrukt von Neo Tokyo, eines der modernsten Matrixgitter der Welt, für ihn wie ein zweites Zuhause. Immerhin hatte sein Mutterkonzern NeoTech dieses Gitter aufgebaut und war somit ein Vorreiter in der neuen Matrixtechnologie die bald schon weltumspannend zum Einsatz kam. Manchmal musste er lächeln, wenn er eine Programmroutine oder ein Icon erkannte an dessen Erschaffung er beteiligt gewesen war. Doch dann wurde er schnell wieder von der Realität eingeholt. Denn die Zeiten hatten sich geändert. Jetzt stand er auf der anderen Seite und nichts war mehr wie es früher gewesenen war.

    Er war in die Schatten gestürzt. Auf der Flucht vor den Schergen seines früheren Herrn. Hatte seinen Namen hinter sich gelassen und war zu einem Dämon geworden.


    Gerade als er dabei war ein freies Appartement für sich zu "mieten" tauchte neben ihm das Konstrukt einer Geisha auf. Sie verneigte sich tief und wartete bis Kato ihr seine Aufmerksamkeit zukommen ließ. So stand sie da. Den Blick ein wenig gesenkt, ihre schwarzen Haare, ihr Make Up, der jade farbene Kimomno, einfach perfekt.

    Wohnraum war knapp in NeoTokyo und so beendete er noch schnell die "Buchung" und hatte sich damit für die nächsten Monate eine Unterkunft organisiert. Bis jemand dahinter kommen würde, wäre er schon längst wieder weiter gezogen.

    "Was gibt es, Oyshi?"

    "Ich habe jemanden gefunden der Euren Suchparametern entspricht, mein Herr."


    Die schien heute ein Glückstag zu sein. Eine neue Wohnung und jetzt auch noch eine mögliche Neue Identität. Nachdem er alle seine Spuren beseitigt hatte machte er sich an diese neue Aufgabe.

  • Das Magschloss klickte leise. Arashi drückte die Gittertür der Feuertreppe lässig auf und trat in den breiten Korridor, der zu den Toiletten der angesagten Cocktailbar ‚Imperial‘ führte. Da er nur zwei Stockwerke über die besagte Treppe und das Dach eines weiteren Gebäudes von seiner kleinen, aber ansprechenden Wohnung im 21. Stockwerk eines gepflegten Wohnhauses entfernt war, fühlte er sich sicher genug, um nur in Jeans und T-Shirt auszugehen. Die Kleidung war allerdings leicht gepanzert. Natürlich. Und unter dem dunkelgrauen Shirt von S-K-Puma, das über einer stilisierten, springenden Raubkatze stilecht den Saeder-Krupp-Schriftzug in silbernen Lettern trug, verbarg sich eine Colt America L36 in einem Schnellzieh-Tarnhalfter auf seinem Rücken. Er wollte sein Sicherheitsgefühl nicht überstrapazieren. Die extrem modifizierte leichte Pistole war aber klein genug, um nicht aufzutragen und in seinen Händen dennoch eine tödliche Bedrohung.


    Er bog in die, den Toiletten entgegengesetzte, Richtung ab und befand sich nach wenigen Metern und einer Korridorbiegung im rückwärtigen Bereich der Bar nahe des langen Tresens in edler Kirschbaumoptik. Hinter diesem stand der übliche Barkeeper, ein drahtiger Koreaner mit hochgestylten blauen Haaren und eisblauen Cyberaugen. Ansonsten herrschte in dem großzügigen und liebevoll dekorierten Gastraum gähnende Leere. Sie nickten sich grüßend zu, während Arashi auf die weit geöffnete, doppelflügelige Glastür zuging, die zum Außenbereich führte.


    Auch auf der weitläufigen Dachterrasse des ‚Imperial‘ war es ruhig. Nur wenige Tische waren besetzt. Es war aber auch gerade erst dunkel geworden. 18.39 Uhr gab die Zeitanzeige am Rand seines Blickfelds an. Für die langen Arbeitstage der Lohnsklaven war es einfach noch zu früh. Auf der halbhoch gemauerten Brüstung verlief ringsum eine zwei Meter hohe Wand aus stabilem Plastglas, die dafür sorgte, dass es trotz der Höhe angenehm windstill war. Schließlich befanden sie sich im 22. Stockwerk. Die transparente Front bot zudem einen beeindruckenden Ausblick auf die von unzähligen bunten Lichtern erhellte Skyline des Metroplexes. Atemberaubend.


    Arashi ließ sich an einem abgelegenen Tisch nieder, von dem aus er den Barbereich gerade noch aus dem Augenwinkel beobachten konnte, aber auch einen guten Blick auf das scheunentorgroße ARO hatte, das sich über nahezu die gesamte Terrassenbreite zog. Die virtuelle Leinwand schien über dem Abgrund zu schweben und zeigte im Breitbildformat ein laufendes Urban-Brawl-Match. Bedingt durch die Zeitverschiebung wurden nordamerikanische Spiele im Japanischen Kaiserreich meist vier Stunden verzögert gestreamt. Tacoma Wings gegen Portland Paladines im dritten Spielviertel, erkannte Arashi sofort. Er scrollte schnell durch die AR-basierte Cocktailkarte, die auf den Tisch projiziert wurde, bestellte einen Mai Tai und klinkte sich mit seinem implantierten Kommlink in den Audiofeed des Spiels ein.


    Um die Torzone der Wings war ein hitziges Feuergefecht entbrannt, das die meisten Spieler beider Teams in einem wilden Geballer band. Der japanisch sprechende Kommentator versorgte die Zuschauer in einem unaufhörlichen Redeschwall mit Details wie Trefferquoten und Chancen. Mit einem schnellen Schnitt wechselte die Sicht des Kommentators schlagartig zu einer verlassenen Straße, auf der in einiger Entfernung der vier Meter durchmessende Kreis der Torzone Portlands zu sehen war. Das Gelände lag offenbar in den Barrens von Seattle und war wohl schon seit Längerem verlassen, wie die leeren Fensteröffnungen, die auf der Straße verteilten Trümmer und das sich durch den Beton kämpfende Unkraut, verrieten. Unvermittelt sprang aus einem nahe gelegenen Fenster ein schlanker Elf in den Farben der Tacoma Wings auf die Straße und poste für einen Moment arrogant in die Kamera. Orlando Oakhart. Der Kamerarigger ließ es sich natürlich nicht nehmen, das Gesicht des fotogenen Wings-Spielers im Großformat heranzuzoomen.


    Arashi schreckte zurück. „Verdammter Mistkerl!“, platzte es aus ihm heraus, als er so plötzlich und unerwartet mit der metergroßen Nahaufnahme seines ehemaligen Teamkollegen und Widersachers konfrontiert wurde. Der soeben an seinem Tisch aufgetauchte, und von Arashis Ausbruch ebenfalls erschrockene, Kellner, hatte alle Mühe den bestellten Mai Tai nicht zu verschütten. Hastig stellte er das Glas vor Arashi auf den Tisch und verschwand eilig aus seinem Blickfeld.


    Der unsichtbare Kommentator faselte etwas vom fulminanten Einstieg des neuen Lead Scouts der Tacoma Wings, während Oakhart mit der übermenschlichen Geschwindigkeit eines erstklassigen Reflexboosters in Richtung der gegnerischen Torzone davonjagte und seine chromglänzende Ares Predator V vorsorglich in Anschlag brachte, obwohl kein Feind zu sehen war. Zwei weitere Wings-Spieler kamen ins Bild. Mauricio Jimenez, ein schlanker Troll mit stark zurückgebogenen Hörnern, der routinierte, chilenische Banger mit seiner Colt Government 2066. Er versuchte in alle Richtugen gleichzeitig zu sichern. Ihm folgte Julian Arctic Bear, ein muskelbepackter Amerindianer aus dem Algonkin Manitou Council, der außer seiner Savalette Guardian-Pistole auch den Ball der Tacoma Wings trug, eine fußballgroße Kugel aus neongelbem Plastschaum. Als Arashi und Orlando noch für die, inzwischen aus der NAUBL ausgeschiedenen Los Angeles Bolts spielten, hatte er dem damals noch in der Ausbildung befindlichen Julian den einen oder anderen Trick beigebracht. Und auch mit Mauricio einige Drinks geleert. Die drei Spieler gruppierten sich hinter Orlando zu einer Dreiecksformation. Dieser führte sie schnurstracks auf den gelb leuchtenden Zielkreis zu.


    „Was soll das?“, fragte sich Arashi. Eine unbewachte Torzone gab es nicht, das musste sogar Orlando klar sein, dem man noch nie einen taktischen Verstand hatte vorwerfen können. Offenbar rechnete er damit, dass sie zu dritt eine leichte Verteidigung aus einem, oder zwei Scouts und Bangern auf Abstand halten könnten, bis Julian den Ball in der Torzone ablegen, und damit den Spielzug beenden, konnte. Diese direkte Annäherung ohne große Deckung war einfach dreist. „Genau dein Stil, was?“ Arashi hatte plötzlich ein flaues Gefühl in der Magengrube. Irgendetwas stimmte hier nicht. Im Hintergrund hörte man das unablässige Schießen um die Torzone der Wings. Pistolen und Sturmgewehre, hin und wieder unterbrochen vom charakteristischen Hämmern eines leichten Maschinengewehrs. „Moment mal, wieso nur ein Maschinengewehr?“ Arashi sprang alarmiert auf und stieß dabei fast seinen Stuhl um. „Nein, nein, nein!“, flüsterte er. „Wo ist der Shooter, Orlando?“


    Einen Sekundenbruchteil später eröffnete der gegnerische Shooter das Schnellfeuer. Um das Trio stoben Wolken aus Putz und Staub in die Höhe, als die Geschosse überall um sie herum in Hauswände und Boden einschlugen. Mauricio richtete blitzschnell seine Pistole auf das Fenster im ersten Stock eines Gebäudes hinter der Torzone, aus dem der Beschuss auf sie einprasselte. Dann wurde der Troll schon von mehreren Geschossen getroffen und rücklings auf den Boden geschleudert. Arashi ballte unwillkürlich die Hände zu Fäusten. Sein Instinkt sagte ihm, dass das Trefferbild wahrscheinlich nicht zu einer tödlichen Verletzung geführt hatte. Einen Moment später rollte sich Mauricio auch bereits unbeholfen hinter die spärliche Deckung eines halb ausgebrannten Ford Americar, hinter dem sich Orlando schon auf den Boden gekauert hatte und von dem massiven Sperrfeuer immer wieder nur knapp verfehlt wurde. Stattdessen fetzten die großkalibrigen Geschosse Stücke aus dem ramponierten Blech und nagelte die beiden Spieler hinter dem Wagenwrack fest.


    Nun war nur noch Julian frei und versuchte mit einem hektischen Sprint, den Ball doch noch in den Zielkreis zu bringen. Er war kaum ein paar Meter weit gekommen, als eine hochgewachsene schmale Elfe in der Panzerung der Paladines mit angelegter Ruger Super Warhawk hinter einer Hausecke hervorkam und den jungen Amerindianer schon mit dem ersten Schuß in den linken Oberschenkel traf und auf den Asphalt schickte. Julian rollte verzweifelt hinter einen erhöhten Bordstein und versuchte ein möglichst kleines Ziel abzugeben. Bamm! Zwei. Bamm! Drei. Die Kugeln der elfischen Stadtkriegerin rissen nur Löcher in den Asphalt und bespritzten den Wings-Spieler mit Split, aber die Elfe bewegte sich zur Seite, um Julians Deckung zu umgehen. Dieser versuchte sich erfolglos Luft zu verschaffen, indem er das Magazin seiner Guardian ungezielt im Salvenmodus leerschoss. Er lag meilenweit daneben. Vier. Fünf. Die Einschläge kamen näher. Die Elfe trat auf den Bordstein und setzte zum Fangschuß an. Julian ließ die leere Pistole sinken und presste den Ball an sich. Der Spielzug endete abrupt mit einem Gong. Mit einem bedauernden Achselzucken nahm die Paladines-Spielerin den Finger vom Abzug. Werbung.


    „Hab ich was verpaßt?“ Jinx stand auf einmal neben ihm. Arashi stieß ruckartig den Atem aus, gerade als sein Vitalmonitor eine blinkende Warnung in sein Blickfeld projizierte. Sauerstoffsättigung im gelben Bereich. Es war ihm gar nicht aufgefallen, dass er die Luft angehalten hatte. Er atmete tief ein. Und aus. Und noch einmal. Das Blinken verschwand. Dann erst blickte er sie an. „Orlando ist ein Vollidiot.“ Sie verdrehte die Augen. „Und das ist dir jetzt gerade erst aufgefallen?“

  • Hachidori zog den Rucksack zu, seine Einkäufe waren erledigt. Aufmerksam blickte er sich um. Niemand interessierte sich im Moment für Ihn.


    Auf dem Weg zur Rennmaschine setzte er eine Nachricht an "Kirschblüte" ab.


    << Aufstieg initiert. Ein Konkurrent noch im Weg. >>


    Als er auf dem Motorrad saß, gab er Gas, fuhr Richtung Ota. Der Megaplex war vom Verkehr ziemlich überfüllt und so dauert es einige Zeit bis er wieder in seiner Wohnung war. Er versteckte seine Einkäufe und bediente den Soja Aufbereiter um sich etwas zu Essen zu machen.


    Nach dem Essen legte er sich aufs Sofa , ging Online und bereitete sich auf sein Chemie Duell vor. Er suchte Informationen über chemische Wechselwirkungen, Gegenspieler seiner Drogen und mögliche Gegenmittel.


    Zwei Stunden später trainierte er in seiner Wohnung, machte Klimmzüge, Liegestütze und Schattenboxen.

    Aktuelles SL Projekt " Auslegungssache " (Foren Run)
    Hauptcharakter: "Iwan " ( Strassensamurai )


    Erfahrener Meister und Spieler seit Edition 3.0 8)