Politische Landkarte Osteuropas neu Gezeichnet

  • Irgendwie konnte ich mich mit Osteuropa wie es im Kanon dargestellt wird nicht ganz Anfreunden. Obwohl es dort reihenweise Kriege gab, zeigt sich dass im Grunde in keiner Grenzveränderung. Eine der wenigen Grenzveränderungen die es gab, der Zerfall Rumäniens, wird scheinbar in der Hintergrundgeschichte nicht erklärt.


    Ich habe also mit der offiziellen Karte als Vorbild die Region und ihre Nachbarn neu gezeichnet. Die grauen Länder haben die selben Grenzen wie im Kanon.


    Den Meeresspiegelanstieg habe ich auf 3 Meter geschätzt.


    Russland


    Im Kanon löste sich der Staat Jakutien von Russland, aber heute gibt es weniger als 500,000 Jakuten in Russland, und die Zahl ist rückläufig. Laut Kanon gäbe es 2064 mehr als 8 Millionen. Das wirkt finde ich schlecht durchdacht.


    Ich habe das Land als generellen Sezessionstaat von in Russland lebenden Minderheiten uminterpretiert. Die größten davon sind die turksprachigen Tataren (ca. 5 Millionen), Baschkiren und Tschuwaschen (beide ca. 1,5 Millionen) sowie die uralischen Sprachgruppen (ca. 2 Millionen).


    Damit sind Russen in diesem Gebiet immernoch die Bevölkerungsmehrheit (ca. 2/3), da die Minderheiten und Russen meistens in durchgemischten Gebieten leben. Dass im neuen Staat eine turk- und uralisch-Sprache Elite nun die Russen dominiert und diskriminiert ist leicht vorstellbar und plausibel. Aus rein wirtschaftlichen Gründen hat der neue Staat and Wladiwostok festgehalten.


    Eventuell würde sich ein neuer Name anbieten. Aufbauend ließen sich gute parallelen zum südlichen Turkestan ziehen.


    Ukraine


    Mir gefällt die Idee dass die Ukraine in der Zukunft eine Militärmacht ist, aber ich wüsste nicht warum sich das Regime des Landes auf Rumänien stürzen würde. In weiten Teilen des Kaukasus lebten vor der Mitte des 20. Jahrhunderts Ukrainer, und waren in manchen Regionen sogar die Mehrheit. Ich finde es plausibel dass eine nationalistisch regierte Ukraine während des russischen Sezessionskrieges dort einmarschieren würde, und sich das gesamte Gebiet einverleiben. Damit würde nurmehr circa die Hälfte des Landes ukrainisch Sprechen.


    Während ihrer Geschichte waren Ukrainer immer wieder Ziel von brutalen Russifizerungskampagnen - nun drehen sie den Spieß um, unterdrücken die Minderheiten im Land, und zwingen ihnen die ukrainische Sprache auf.


    Nördliches Osteuropa


    Im Kanon wird schwammig ein Osteuropäischer Grenzkrieg erwähnt, es gibt nur wenige Angaben, und die sind widersprüchlich. Da ich ein Fan der Adelsverschwörung bin wollte ich die beiden kombinieren. Ein Wiederaufstreben des Adels hat natürlich etwas unplausibles, aber in manchen Ländern, zum beispiel Polen, ließe es sich noch etwas besser vorstellen als in anderen.


    Der Unterschied ist dass in Polen historisch ein anderes Adelskonzept bestand, und circa 15% der Einwohner als Adelige galten. In den meisten anderen europäischen Ländern waren es zur selben Zeit um die 2%. Deswegen sind heute in Polen ehemals adelige Nachnamen weit verbreitet.


    Als die ersten Elfen geboren wurden, war Polen bereits in einem Ruck in Richtung Nationalismus. Durch das Phänomen wurde die (echten) Ideologie des Samartismus wiederbelebt, in der Teilen der polnischen Bevölkerung eine Herkunft aus einem mythisch verklärten "Vorgängervolk" bescheinigt wird. Früher verband man dies mit dem Adel, aber nun beanspruchten alle Polen eine sarmatische Abstammung für sich. Elfenkinder galten als Polen mit besonders starkem "sarmatischem Blut".


    Schließlich schlossen sich reiche nachfahren des Hochadels in Adelsverbänden zusammen, führten wieder Wappen und Titel, und stellten sich an die Spitze der nationalistischen Bewegung.


    In Litauen kam es ebenfalls zu einem nationalistischen Revival, aufbauend auf der Verbindung zwischen rekonstruiertem litauischen Heidentum und erwachtem Schamanismus, sowie den Theorien des (echten) Geschichtsrevisionisten Ceslovas Gedgaudas


    Als Russland zerfiel waren beide Strömungen auf einem Höhepunkt. Die polnische Regierung trat an Litauen heran und bat ihnen die Wiederbelebung des einstigen großflächigen Staates Polen-Litauen (1569 bis 1795) an. Damals gehörte das gesamte Staatsgebiet Weißrusslands zu Litauen, und der Wiedergegründete Staat sollte es "zurückerobern" während Russland nicht eingreifen konnte. Da der stark erwachte Belowescher Wald dadurch in die Hände der von Schamanen kontrollierten litauischen Regierung kommen würde, willigten sie der Union bei. Im selben Krieg wurde auch Kaliningrad erobert.


    Auch hier werden Russen stark diskriminiert, die wenigen verbliebenen Sprecher von Weißrussisch aus historisch-ideologischen Gründen jedoch nicht.


    Türkei/Levante


    Im Grunde habe ich hier nichts verändert, nur die Grenzen der Länder etwas verschoben. In der kanonischen Grenzziehung wären säkulare Kräfte in der Westtürkei wahrscheinlich eine Minderheit, und den Iran stelle ich mir stärker vor als kurdische Sezessionisten, weswegen Kurdistan etwas kleiner wurde. Im "Austausch" bekam es einen Seezugang. Der Irak spaltete sich, und der Westen trat Syrien bei.


    Istanbul behielt seinen Namen bei, schließlich wurde der 1923 erst vom Urvater des türkischen Sekularismus, Kamal Attatürk, selbst eingeführt.


    Westbalkan


    Dass im ehemaligen Jugoslawien wieder Krieg herrscht gefällt mir als Setzung gut. Man kann es natürlich einfach als historische Anspielung sehen, aber ein laufender Krieg wäre durchaus ein spannendes Kampagnensetting.


    Im Kanon haben die Ukraine, Rumänien, Konstantinopel und Griechenland ein Militärbündnis. Auch hier besteht ein militärisches Bündnis zwischen der Ukraine, Istanbul, Griechenland und der Westtürkei. Um die Ausbreitung der Krisenzone zu unterbinden, griffen die Staaten in die Balkankriege ein um stabile Pufferstaaten zu bilden; Albanien und Bulgarien. Beide Staaten wurden um real bestehende irredentistisch beanspruchte Gebiete vergrößert.


    Slovenien und Istrien sind aus eigenen Antrieb stabile Staaten. Die übrigen Staaten Ex-Jugoslaviens haben keine festen Grenzen, da sich diese durch Kriege ständig verschieben. Die Grenzen auf der Karten zeigen welche Staaten die NEEC offiziell anerkennt.


    (Nachdem das hier eh schon ein Wall-of-Text wird spare ich mir die Namen der Staaten im Kriegsgebiet, wenn es irgendwelche Spieler da hinverschlägt PMt mich einfach)


    Zentralosteuropa


    Ich wollte die Teilung Romäniens beibehalten, was ein gefundenes Fressen für Ungarische Nationalisten wäre. In der Mitte Rumäniens befindet sich ein mehrheitlich ungarisch Sprechendes Gebiet.


    Die Donau-Union löste sich nicht wie im Kanon friedlich auf, es kam zu einer militärischen Besetzung der südlichen Slowakei und einer nördlichen Region Serbiens durch Ungarn, da dort ebenfalls zu großen Teilen ungarisch Gesprochen wird. Mit Hilfe erwachter Soldaten gelange es Ungarn sogar einen Krieg gegen das unvorbereitete Rumänien zu gewinnen, und annektierte weite Landstriche. In Rumänien folgte ein Aufstand gegen die Regierung sowie ein kurzer Bürgerkrieg , in folge dessen das Land "für Tod" erklärt wurde, und die Staaten Moldau und Walachei gegründet.


    Später zersplitterte die Slowakei vollständig, Teile traten Tschechien, Polen-Litauen und Österreich bei.


    Kaukasus/Iran


    Transkaukasien wirkt auf mich als hätte man einfach weniger Länder auf der Karte haben wollen. Ich finde es sinnvoller einfach Georgien zu belassen, und Armenien die armenisch sprechende Provinz Aserbeidschans zu geben.


    In Aserbeidschan herrscht traditionell der Schia Islam vor. Irgendwann wurde das Land vom radikal schiitischen Iran annektiert, genauso wie der schiitische Osten des Iraks.



    Nordeuropa


    Skandinavien ist definiert als Norwegen, Schweden und Dänemark, und so sollte auch die Skandinavische Union aussehen. Bei der breiten Bevölkerung ist der Staat jedoch unbeliebt da die Gründung als Sinnlos betrachtet wurde. Nach dem Untergang der nordischen Sozialstaaten wurde er gegründet um die Interessen der Wirtschaftselite zuschützen, und niemand sonst profitierte davon.


    Im hohen Norden kam es, angestachelt durch den militärischen Erfolg durch erwachte Kämpfer in anderen Ländern, zu einer Revolution der Sami die während dem Russischen Kollaps stattfand. Aus Norwegen, Schweden und Finnland strömten viele Sami auf die Kola-Halbinsel, und errichteten dort einen Staat. Sie stellen nur 5% der Bevölkerung, und nutzen ihre Erwachten um mit eiserner Hand zu regieren.


    Finland annektierte dabei ihren historischen Zugang zum Eismeer zurück.


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    Das hier war/ist mein erstes "Projekt" dieser Art. Vielleicht sind ja für die eine oder andere Gruppe nützliche Ideen dabei. Ich freue mich natürlich über konstruktive Kritik.

  • Ich seh es ja eher so, dass SR ein Spiel ist und behalte es bei wie im Kanon. Dann hab ich auf Cons auch nicht das Problem mit dem "Aber bei uns ist die Geschichte gaaaanz anders verlaufen."


    Interessante Ansätze trotzdem. Bei Jakutien zählen zur Bevölkerung auch Gestaltwandler und Geister und die Russen wurden raus geschmissen. Da kommt man dann auch ohne Russen auf 8 Mio., wenn es metasapiente Einwanderer gibt und jeder eine SIN bekommt, der vorher keine hatte.


    Mir gefällt der Kanon auch besser als die Ideen von irgendwem, den ich nicht kenne und der meint, es wieder besser wissen zu müssen. Ich spiele SR sicher nicht wegen seiner historischen Korrektheit.

    Lofwyr wusste, dass Drake Hässlich war. (Aus: Charette, Robert N., Lass ab von Drachen)


    als SL: derzeit in kreativer Pause
    als Spieler: Love Land (SR5), Larchéime (SR5)

  • Ich hab mich nach dem Wiki gerichtet, da steht 20 Millionen Einwohner und 40% Jakuten. Kann natürlich falsch sein.


    Ich kenne es von anderen RPGs eigentlich als Standard das jeder eine etwas andere Spielwelt baut. Muss man natürlich nicht machen - aber dann bist du eventuell im Fanprojekte Teil des Forums etwas schlecht aufgehoben.

  • ich finde es auf jeden Fall Klasse, wenn man sich Gedanken macht UND wenn man dies im Forum zur Diskussion stellt.

    Ich selber hab keine Ahnung davon begrüße die Initiative aber generell :)


    und natürlich soll man sich seine SR Welt so machen wie sie einem Gefällt .

    WENN das dann mal auf Cons angesprochen wird ist das meist nicht relevant für das Abenteuer am Tisch, aber man kann sich dann gerne im Outtime mit den anderen Mitspielern oder dem SL darüber unterhalten


    HougH!

    Medizinmann