Fabian Kaemper alias Sunder, mein erster Char und ein Troll, arbeitete wie sein Vater beim Bau. Die Firma war nicht so rassistisch und Trolle waren dort gerne gesehen. Ausdauernde Schlepptiere halt. Glück hatte der Troll: Sein Bruder und er waren nicht so blöd wie es den meisten Trollen nachgesagt wurde (Zumindest behauptete das sein Vater, der wirklich nicht sehr helle war). Der Bruder arbeitete nicht beim Bau - er war bei einem ansässigen Syndikatring als Schläger und Eintreiber tätig und machte für einen Schieber ab und an den Bodyguard. Als er merkte, daß sein kleiner Bruder auch nicht ganz doof war, verschaffte er ihm einen Job. Damit wollte er eigentlich nur eine finanzielle Verbesserung seiner Situation erreichen und hoffte so, sein kleiner würde irgendwann mit dem Geld eine Ausbildung anfangen und einen richtigen, gutbezahlten Job annehmen.
Sunder war weiter. Ihm war klar, daß er die Kohle so nie verdienen könnte, die man braucht, um als Troll eine Ausbildung zu bekommen, geschweige denn die Chancen, später für einen Konzern oder gar Selbstständig zu arbeiten.
Außerdem - ganz zum Schrecken seines Bruders - entdeckte er in seinem neuen Job als Eintreiber eine neue Liebe: Wummen! Besonders die großen Wummen. Und da steckte er Zeit und Geld hinein. Neue Wummen kaufen, bearbeiten, aufmotzen, testen. Und immer putzen.
Irgendwann wurde dann der Örtliche Don auf ihn aufmerksam. Ein Troll mit dem Hang und Talent zu großen Waffen und nicht so durchgeknallt, auf alles zu ballern, was ihn nach der Uhrzeit fragt. Sehr zum Leidwesen seines besorgten Bruders stieg Sunder in der Hierachie schnell über ihn hinweg und bekam Aufträge, die sensibler und heikler waren, aber auch besser bezahlt.
Irgendwann sprach ihn der Schieber an und fragte, ob er nicht bei einem Run mitmachen würde, eine Gruppe bräuchte noch Muskeln. Da sagte Sunder nicht nein.
Der Run war ein Desaster. Es ging alles schief und der größte Teil der Runner ging drauf. Sunder kam mit dem Leben davon und schleppte den letzten Überlebenden der Gruppe mit nach Hause.
Er ging zum Schieber und fragte nach einigen Hintergründen.
Yap, der Johnson hat sich nicht mehr gemeldet und eine andere Gruppe hat den Job erledigt. Die Gruppe, der Sunder aushelfen sollte, diente als Ablenkung - besser als Kanonenfutter.
Der Überlebende Runner schaffte es, nachdem er genesen war, mit Hilfe eines befreundeten Deckers, die Identität des Johnson heraus zu finden. Sunder machte sich auf und geekte den Kerl.
Das imponierte dem Schieber und dem Runner irgendwie und man vermittelte ihm neue Jobs. Dann kam nach und nach die erste Cyberware und später auch Bioware.
Man kann sagen, er ist da irgendwie reingeschlittert und es scheint ihm zu gefallen. Näher, so denkt er sich, kommt er an die Dicken Wummen nicht heran. Nicht, ohne sie auch einzusetzen. Die Gruppe, mit der er derzeit Runs durchzieht, sind nicht wenig mehr als Terroristen und werden als solche engagiert. Sie stehen auf der roten Liste einiger dutzend Konzerne. Im Gegensatz zu der Gruppe stört das Sunder wenig. Für ihn heißt das nur, es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, irgendwas in die Luft zu sprengen oder zu durchlöchern...
Iron Spirit, mit bürgerlichem Namen Jann Reuter, lebte mit seiner Familie in Hannover in einer Fuchi-Arkologie. Jann wollte schon sehr früh Pilot werden und entschied sich, zum Mißfallen seines Vaters für die Militärtruppen des Konzern und began dort eine Ausbildung zum Kampfpilot. Nebst der Grundausbildung umfasste das Studium Chipschulungen an Vektorschubmaschinen, Helikoptern und Hovers.
Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung ging Jann zu einer Fuchi-Militärbasis in die Wüste Gobi, wo mehr oder weniger ein ständiges Geplänkel mit Aztechnologie stattfand. Dort sollte er seine Pflichtzeit von Zwölf Jahren absitzen, zu der er sich nebst der Schulung verpflichten mußte.
Nach einem heldenhaften Einsatz (Der von den Zivilbeauftragten des Konzerns nicht unbedingt gutgeheißt wurde, von den Vorgesetzten umso mehr), wo er von einer aufgegeben Fenceline Kameraden den Rückzug ermöglichte, wurde er belobigt und mit einem Orden ausgezeichnet. Zudem versetzte man ihn in eine Spezialeinheit. Doch genau bei der ersten Mission in dieser EInheit wurde er schwer am Kopf verwundet. Er wurde zurück nach Seattle geflogen und einer Operation unterzogen, die sein zerstörtes Gewebe wieder herstellte und einige weitere Cyberware erforderlicher machte. Nach seiner Rekonvaleszens ging er wieder zurück an die Front und fing an, den Krieg gegen die Azzies in Frage zu stellen.
Ein guter Freund aus dem örtlichen Nachrichtendienst erklärte ihm die Hintergründe der Wüstenkriege. Es ging um nur wenig mehr als um PR.
Da waren die Einschaltquoten der Aufnahmen durch örtliche Kamerateams diverser Sender, SimSinnproduktionen, direkt aufgenommen aus dem BlackBoxprotokoll der Riggereinheiten und Soldaten mit Trampnetzen. Da waren die Konheinis ganz oben, die Angst hatten, die Aktionäre könnten abspringen, weil Fuchi eine zu defensive Art gegen die Azzies an den Tag legte, was man mit einer Offensive zu widerlegen versuchte. Und letztendlich waren da die teuren Soldaten und Piloten mit dem noch teureren Kriegsspielzeug, das Fuchi stolz in der Wüste auf ihre Überlegenheit testen wollte.
Jann war schockiert und desillusioniert. Für den Mist wäre er beinahe abgekratzt? Nein danke...
Er desertierte und schaffte es mit Hilfe eines alten Veteranen nach Hannover, wo er eine Anstellung bei einem Mediakonzern bekam, der SimSinnspiele herstellte. Jann arbeitete dort als Betatester für die SimSense-Flugsimulatoren. Nicht sehr zufriedenstellend, aber gut bezahlt.
Jedoch, Fuchi fand ihn, und in einer heiklen Fluchtaktion kündigte Jann übereilt und verließ die Stadt ein weiteres mal.
Er floh nach Hamburg, wo er in Harburg West untertauchte und für Schmuggler den Piloten machte.
Irgendwann lief er einer Runnergruppe über den Weg, die der Meinung war, einen solchen Rigger in ihrer Mitte gut gebrauchen zu können.
Seinen Straßennamen bekam er im Militär, es war dort sein Spitzname, den er nach der Rettung an der Fenceline von seinen Kameraden bekam, und er benutzt ihn weiterhin in den Schatten.
Steve Valentine aka Angel hat mitunter die tragischste Geschichte, zumindest aus seinem eigenen Blickwinkel.
Wenn ich diese hier noch niederschreibe, wird der jetzt schon so lange Beitrag noch weitaus länger, und dann haut mir irgendwer wieder auf den Kopp
Wer Interesse hat kann die kompletten Geschichten im
"Runners Place" lesen. Papillon war so nett, sie vor einiger Zeit dort zu posten. Von Steve Valentine ist die komplette Vorgeschichte abgelegt plus die Fortsetzung seines Lebens in den Schatten. Von Jann Reuter ist dort auch die Geschichte nachzulesen, allerdings noch nicht ganz komplett. Die letzten Kapitel fehlen noch. Ich versuche, sie Papillon anzudrehen, aber irgendwie mag er mich nicht mehr <snief>
