Ich sehe ein gewaltiges Problem bei dem Begriff "Cyberpunk" und "konsequenter technischer Weiterentwicklung", da letzteres automatisch dazu führt, dass sowohl "Cyber" als auch "Punk" immer weiter in Vergessenheit geraten.
Cyberpunk-Settings, und ich meine die klassischen, das sind Gesellschaften im Umbruch; ein Zeitraum von vielleicht 20 Jahren. "Cyber" liefert die heiße Ware, "Punk" die "F***-Off"-Attitüde, gemischt mit einer großen Portion Schmutz.
Wenn das Zeug immer kleiner und billiger und besser wird (und wenn man konsequent weiter denkt, wird es das auch. Man beachte mal die Entwicklung unserer Computertechnologie oder andere wissenschaftliche Zweige), wenn die Mittelschicht weiter wächst und selbst die Unterschicht schon genug Geld für den ganzen Schnickschnack hat, dann hat man eher ein reines Science-Fiction Setting und keine chromglänzenden Rebellen gegen die Megacons. Dann sind es halt die Halb-Mech-Halb-Cyborg-Elite-Krieger-3000, die sich mit Autocannons über den Haufen ballern.
Und wie Cajun schon schrieb: Nachteile sind auch meiner Meinung nach das Salz in der Suppe. Ich spiele viel lieber einen total aufgedrehten Sam "on the edge", der theoretisch jederzeit an einem wortwörtlichen Nervenzusammenbruch sterben kann als Mr. "Ich habe Ware xy ohne Nachteile und ich bin perfekt" (gut, die beiden habe ich jetzt mal bewusst als krasse Extrema dargestellt). Gerade das finde ich bei CP-Charakteren so spannend: Schaffen sie den Sprung? Geben sie das Wettrüsten auf, weil sie mit Mitte 30 einfach schon zum alten Eisen gehören und widmen sich lieber ihrem Ruhestand? Schaffen sie es, von ihrer Drogensucht wegzukommen? etc.
Durch den ganzen genetischen und bioware´schen Firlefanz haben sie das Problem bei weitem nicht so krass wie beim "Alten".
Das beste, was für mich in Sachen SR passieren könnte, wäre ein überarbeitetes Shadowrun 2 als SR5 rauszubringen, mit dem alten Spirit und wohldurchdachten Regeln, die streamlined wurden. Unsere Gruppe gehört wohl zu denen, denen die Steampunkinflation (und da sich Shadowrun zumindest ansatzweise versucht, diesen Konsumentenkreis zu sichern, stößt das auch negativ bei uns auf) mehr als genug zum Halse heraushängt (dabei ist das Setting echt toll!). Crunch-Wettrüsten, daraus resultierende Logikfehler in der Spielwelt und vor allem der Meltingpot in Sachen Fluff machen mehr kaputt als das es gefällt.
Wobei ich dabei schon wieder Lust auf eine Diskussion zum Thema Rollenspielentwicklung hätte.
Wenn ich ein neues System austesten will, recherchiere ich in erster Linie, welche Edition wo wie ankommt. Vielen Systemen wird nachgesagt, dass sie mit der Zeit immer schlechter wurden (= immer weiter von dem weg, was sie eigentlich ausmachte). Vampire, Shadowrun, Cyberpunk 2020.... D&D und DSA fallen da auch oft in solchen Gesprächen; aber das geht jetzt definitiv zu off-topic.



