Shadowrun 101 v0.1
Derzeit aktuell: Shadowrun vierte Edition 20th Anniversary Edition
Der Miniguide hier soll helfen, einige der oft wiederkehrenden Einstiegs- Und Anfängerfragen zu beantworten. Er ist keineswegs perfekt oder gar vollständig – über SR könnte man Romane schreiben - aber er soll einem Anfänger ermöglichen, die üblichen Fallstricke am Anfang zu vermeiden. Sicherlich ist das ganze geprägt durch meine persönliche Erfahrung.
Was ist ein Shadowrun?
2070 geht man sich in einem geheimem Schattenkrieg an die Kehle und da es tausende von großen und kleinen Fischen im Haifischteisch gibt, gibt es auch tausende von Auftraggebern. Jeder von denen will etwas, was er legal nicht schnell und billig genug erhalten kann. Das kann etwas nobles sein wie „meine Tochter wurde von Gangern entführt, ich will sie zurück“ über „Firma X hat einen neuen Prototypen, den würde sich mein Chef gerne ansehen“ bis hin zu „Joe Lamm hat zuviel gesehen – bringt ihn und seine Familie um“. Illegal ja? Unmoralisch? Kommt drauf an …
Setting
SR kann man auf viele verschiedene Arten spielen. Die meisten davon sind „korrekt“, im Sinne, daß sie den Spielern und Spielleitern eine Menge Spaß machen. Manche dieser Arten sind untereinander kompatibel, andere nicht. Wichtig ist: innerhalb einer Gruppe muß man halbwegs untereinander klar kommen, wie man spielen möchte. Nehmt Euch ein paar Minuten Zeit und geht folgende Punkte durch.
Realismus
Wie realistisch oder cineastisch ist Eure Welt? Wie verhalten sich die Bullen? Das Gewicht der Ausrüstung? Die Reaktionen der Charaktere, welche durch den Spielleiter gesteuert werden? Wie tödlich soll der Kampf sein? Ist der Kampf mit Kung-Fu-2-Pistolen normal? Ruft eine große Explosion gleich ein Sondereinsatzkommando auf den Plan? Oder soll das ganze eventuell etwas „cineastischer“ sein wie in einem guten Actionfilm, wo die „Helden“ immer genügend Zeit haben, ihren Job durchzuziehen, bevor die Cops kommen? Wie schnell soll man Dinge lernen können? Vom Führerscheinanfänger zum Stunt-Driver in 2 Wochen oder in 2 Jahren?
Beide Arten (und alles dazwischen) funktionieren und machen Spaß. Die eine Gruppe hat mehr Spaß am Mikromanagement und der Planung, die andere will „coole“ Geschichten haben. Ihr solltet zumindest die Extreme abgrenzen.
Geld
Geld, also ¥ (Nuyen) hat großen Einfluß auf die Entwicklung der Charaktere, vor allem für nichtmagische Charaktere wie Rigger, Hacker oder Straßensamurais. Manche Gruppen halten das Geld extrem knapp, so daß selbst das Bezahlen einer Bruchbude am Monatsende zu einer Tortur wird, andere Spielleiter sind sehr großzügig, wo der Spielmechanismus „Geld“ eher in den Hintergrund tritt.
Egal wie ihr Euch entscheidet, 2 Dinge sollten beachtet werden:
- In vielen Gruppen gibt es magische und nichtmagische Charaktere. Magische Charaktere benötigen vor allem Karma zur Entwicklung, nichtmagische Charaktere Karma UND Geld. Wenn Du das Geld knapp hälst, haben magische Charaktere es vergleichsweise leichter. Da in SR gern viel und oft überwacht wird, schränkt man damit die Entwicklung und die Einsetzbarkeit von nichtmagischen Charakteren im Vergleich zu magischen Charakteren ein. Wundere Dich also nicht, wenn im Laufe Deiner Kampagne die Leute immer mehr zu magischen Charakteren tendieren.
- Shadowruns sind meist Kapitalverbrechen: Sabotage, Mord, Diebstahl, Entführung. Dazu besitzen Runner oft illegale Militärwaffen, Sprengstoffe, verbotene Hack-Programme, Kampfzauber und gefälschte Ausweise im Dutzendpack. Runs müssen sich also lohnen. Für den Diebstahl eines einfachen Autos kann man mehrere tausend ¥ erhalten – Mord und ähnliche Kapitalverbrechen, die den Stromstuhl mit sich bringen können, sollten dementsprechend mehr vergütet sein. Ansonsten kommt die alte Frage „Warum lassen wir den Johnson nicht einfach im Regen stehen und klauen einfach ein paar Autos?“ wieder auf, die in vielen SR-Foren immer wieder diskutiert wird.
Gewalt
Kämpfe kommen vor in Rollenspielen und auch in SR. Manche Runs können sehr kampforientiert sein, bei anderen will man jede Art von Konflikt vermeiden oder anders lösen. Bei Kämpfen sterben Menschen. Runner sind Verbrecher und damit nicht immer sozial und die netteste Person von Nebenan – um an Informationen zu kommen, ist Folterung durchaus ein valides Mittel. Runner interagieren mit der organisierten Kriminalität, wo Vergewaltigung, Zwangsprostitution, Menschenhandel, Organdiebstahl und ähnliche Dinge an der Tagesordnung sind.
Einigt Euch darauf, wie sehr diese düsteren Elemente bei Euch eine Rolle spielen, wie sehr sie seitens des Spielers und Spielleiters ausgespielt und beschrieben werden.
„Ich töte ihn“ ist eine andere Beschreibung als „Ich halte ihm meine .45er Custom Kami an den Kopf u und drücke ab. Das JHP Geschoss trifft auf seine Schädeldecke, dringt ein, formt durch den Druck einen Hohlraum und lässt den Kopf samt Schädelknochen und Hirnmasse zerplatzen. Im ganzen Raum liegt dann der rot-weiße Brei rum. Ich schlecke mir die Finger ab und sage „Hey, der hatte was in der Birne“.
Beides kann valide sein – SR ist kein netter Ort für Plüschhasen, aber man sollte ungefähr auf der gleichen Linie liegen, wie detailliert man dies ausspielen möchte, nicht daß auf einmal ein Mitspieler kreidebleich den Raum verläßt.
Moral & Ethik
Runner begehen Verbrechen – das sollte mittlerweile klar sein. Verbrechen sind nicht nur gesetzlich illegal, sondern oft auch unmoralisch.
Spieler:
Sind alle Charaktere gewissenlose Mörder und Vergewaltiger mit pädophilen Neigungen? Oder sind es gebrochene Charaktere, welche in einer düsteren und repressiven Umwelt versuchen, ihre Menschlichkeit nicht zu verlieren und verzweifelt versuchen, niemanden zu töten? Foltern sie? Vergewaltigen sie? Genauer gesagt: was sind die Charaktere bereit für das Geld zu machen? Und was sind die Spieler hinter dem Charakter bereit zu planen und auszuführen?
Spielleiter:
Wie böse dürfen die Aufträge sein? Wie düster, geheim und hinterfotzig? Wo sind die moralischen Grenzen? Verbrechen und Vebrecher kommen in einer gigantischen Spannweite, von Hoodern, welche Medikamente stehlen, um sie Obdachtlosen zu spendieren bis hin zu Auftragsvergewaltigern, welche eine perverse Freude daran haben, Kinder lebendig in Säure aufzulösen. Auch hier gilt: eine gewisse Grundlinie sollte abgesprochen sein.





