----------Echis-------------Sonntag 5:10 München---
Lauwarmes Wasser plätschert über Rebeccas Körper.
Unrationiertes Wasser, daran könnte ich mich gewöhnen.Sie dreht den Hahn ab, greift sich ein Handtuch und tritt aus der Dusche. Glatter Marmor, durch die Bodenheizung angenehm warm empfängt ihre Füße.
So viel Geld...denkt sie als sie sich dem gold-gerahmten Spiegel zuwendet
...und so wenig Geschmack.Während sie sich durch ihre schwarzen Locken fährt fällt ihr Blick auf die helle Stelle über ihrer rechten Brust, wo vor zwei Monaten noch blutiges Loch war.
"Hast Glück gehabt" hatte Amir gesagt als er sie verarztet hat, "glatter Lungendurchschuss, hätte fast dein Herz getroffen in einer Woche bist Du wieder Fit."
sie lächelt
Hatte trotzdem scheisse weh getan.
In der Küche ist der Kaffee fertig,
Echter Kaffee, na Brüderchen hat's ja.
Hmm Frühstück, bald gibt's nur noch Protein Riegel und selbst erhitzende Soyanudeln mal sehen was Davidchen noch so im Kühlschranck hat.Sie bahnt sich im Bademantel den Weg durchs Wohnzimmer, wo halbleere Champangergläser, volle Aschenbecher und beiseitegeworfene Kleidungsstücke Zeugnis von der gestrigen Party geben. Dazu liegt ein Geruch von billigen Parfum in der Luft.
Entweder ist sein Geschmack einfach in jeder Beziehung verloren, oder die beiden Nutten waren seine Art zu sagen "Hau endlich ab! Das hier ist meine Wohnung".
Hab verstanden Brüderchen, hätts hier eh nicht mehr ausgehalten.Auf dem großzügigen Balkon empfängt sie frische Morgenluft. Irgendwoher das Gegröhle der letzten Partygänger von Samstag Nacht, vermischt mit dem monotonen Gesurre der Strassenreinigungsdrone die unten auf der Strasse, irgendwo in der Münchner Innenstadt ihren Dienst verrichtet.
Rebecca setzt sich an den Balkontisch und freut sich sichtlich über ihr Frühstück, echte Brötchen, echte Butter, Erdbeermarmelade und Rührei.
Huren, Koks und Öko-Food! Das ist dann wohl der Lebesstil der Snobs.
Wenigstens eine angemessene Henkersmahlzeit. Während sie Frühstückt geht sie ihre Nachrichten durch, eingeblendet in ihr Sichtfeld, als wären sie auf den Tisch geschrieben, oder in den wolkenlosen Himmel über München, der einen schönen Sonntag verspricht.
Einberufungsbescheid ihres neuen Arbeitgebers, Anfahrtsskizze Irgendwo im Norddeutschen Outback. Einsatzbeginn Montag 9:00 Uhr.
Na dann einen Tag hab ich noch.Sie ruft ein anderes Dokument auf.
"Hallo meine Liebe, dein neuer Lebenslauf. Mein Kontakt hat etwas improvisiert ich hoffe es gefällt Dir. Schalom M."
Rebecca überfliegt den Text
...sexuelle Belästigung...vorgesetzten Offizier geohrfeigt...Entlassung in beiderseitigem Einverständnis...
Kreativ ist was anderes. Mein altes Leben gefiel mir besser. Aber was solls, das ist vorbei!Melancholisch starrt sie in den Himmel, auf ihrer Bildverbindung laufen die Bilder ihrer alten Freunde. Yitzak, Amir, Eli, Vladimir, Silvan...
Silvan, der Arme. Hatte zwei Kinder.
Wer weiß, vielleicht müssen demnächst mal deutsche Interessen in Syrien durchgesetzt werden, da würd ich glatt auf die Zulagen verzichten...Als sie später in der Küche das Tablett wegstellt fällt ihr Blick auf das angebrochen Paket Kaffee im Schrank. auf dem Etikett steht "Jacobs Krönung, Amazoniens beste Auslese!"
Hmm, feiner Stoff. Ich glaub das brauchst Du nicht mehr Brüderchen da is ja noch Champanger für dich.Im Gästezimmer packt sie den Kaffee in ihren Rucksack und zieht sich an.
Als alles gepackt ist geht sie nocheinmal an der Schlafzimmertür vorbei, von drinnen dringt ein gedämpftes Schnarchen.
Ein gesegnetes Koma hast Du da Davidchen sie geht weiter ins Bad und bindet vor dem Grossen Spiegel ihre schulterlangen Haare zu einen Zopf. Neben den Spiegel sieht sie den Lippenstift einer der Bekanntschaften ihres Bruders liegen.
Als die Wohnungstür ins Schloss fällt steht in roten Hebräischen Lettern auf dem Spiegel geschrieben.
Guten Morgen Brüderchen!
Hoffe Du hattest einen geruhsamen Schabbat.
Ich bin dann mal weg, das Land verteidigen.
Bis dann Rebecca.
ps. Ich glaube dein Kaffee ist alle
---7:15 München Hauptbahnhof---
"Es wird für Sie bereitgestellt, der Transrapid nach Kopenhagen mit Halt in Nürnberg, Kassel, Hannover und Hamburg"Rebecca steigt in ihren Wagon, verstaut den Rucksack in den Gepäckfächern und sucht sich ihren Platz. Die meisten Fahrgäste sind Geschäftsleute, mittlere Führungseben, ein paar Touristen. Über das AR-Netz des Zuges blättert Rebecca in der Zeitungsauslage, während der Zug sich kaum spürbar in Bewegung setzt.
Kann nicht schaden was zu lesen und mein Deutsch etwas aufzupolieren.Eine Überschrift aus dem Angebot des Spiegels erregt ihre Aufmerksamkeit.
Neue Enthüllungen im Fall Hafiz al-Assiri
Na super, was denn nun noch.Sie läd den Artikel herfunter und beginnt zu lesen
Im Fall des vor zwei Monaten, mutmaßlich durch israelische Extremisten...
...durch die Kugeln eines Syrischen Scharfschützen......ermordeten syrischen Reformers, General Hafiz al Asiri...
...Reformer? Alles was der reformieren wollte war sein Kontostand... ...kam es zu neuen Enthüllungen. Wie israelische Quellen berichten soll die für den Anschlag verantwortliche Groß-Israelische-Befreiungsarmee, eine Terrororganisation die ein Israel in den Grenzen des Antiken Königreich Davids anstrebt...
...wen bezahlen die nur um sich so einen Dreck auszudenken......enge Kontakte zu der griechisch-nationalistischen Neobyzantinischen Bewegung unterhalten. Währenddessen griff ein Vertreter der syrischen Regierung erneut die Israelische Regierung an. Mahmud Fahjas sagte zu Journalisten am Rande der Einweihung des Aziri-Denkmals in Damaskus...
Jetzt bauen sie ihm ein Denkmal. Aziri, der charismatische Kriegsheld im Kampf gegen das böse böse Israel, beliebt im Volk und beim Regime in Ungnade gefallen, weil etwas zu ambitioniert. Wollte für eine hübsche Summe israelischer Steuergelder und einen one-way-Flug nach Jamaika ein paar interessante Details ausplaudern... Und jetzt wo er von "Israelis" erschossen wurde bauen sie ihm ein Denkmal...Mit einem Gedankenzucken schaltet Rebecca das AR ab und blickt aus dem Fenster. Mit Atemberaubender Geschwindigkeit ziehen bayrische Landschaften vorbei.
"Meine Damen und Herren, nächster Halt, Nürnberg."