von Garuda am Di Feb 01, 2011 18:15
Mompracen. Selten haben die Pemburu sich dermaßen gefreut, das Sammelsurium aus Schiffswracks, Verbindungsstegen, Korallenriffen und Verschlägen wiederzusehen, wie bei ihrer jetzigen Rückkehr. Eine anstrengende, blutige und verlustreiche Reise liegt hinter ihnen, die jeden von ihnen gezeichnet und an seine oder ihre Grenzen gebracht hat. Ivan ist auf dem Weg der Besserung, aber der mit Ka befreundete Dukun ist sich nicht sicher, ob der zähe Russe aufgrund seiner enormen inneren Verletzungen bleibende Schäden davontragen wird und wie sich dies auf seine Fähigkeiten auswirken könnte. Nichts desto trotz ist er ebenfalls anwesend, als Ka das komplette Tulang mietet, um den Pemburu eine würdige Willkommensfeier zu ermöglichen. Sogar einige Konkurrenten der Pemburu sind mit dabei, als es den Sieg zu feiern gilt, denn immerhin wurde die Beute von Leuten aus Mompracen eingefahren, was den Lokalpatriotismus entflammen lässt. Wieder einmal erweist sich Nu als wahre Helferin und zaubert mit der Truppe aus dem Tulang ein wahres Festmahl. Die junge Frau ist gestärkt aus ihrer Zeit mit den Pemburu hervorgegangen. Die Freiheit, aber auch der nötige Zusammenhalt eines Lebens auf hoher See, haben sie ergriffen und geformt. Deutlich, aber respektvoll wie stets, spricht sie aus, dass sie die Pemburu nur ungerne verlassen würde. Auch Amaya hat sich gewandelt. Trotz der enormen körperlichen und seelischen Schmerzen, die sie zu erleiden hatte, scheint die sonst eher kühle Japanerin, einen gewissen Lebensreiz zurückgewonnen zu haben, was sicherlich auch an ihrer Annäherung an James liegt. Vorerst wird sie wohl auf Mompracen bleiben, vielleicht sogar wieder mit den Pemburu zusammenarbeiten, wenn diese an einer Zusammenarbeit interessiert sind. Bewährt hat sich dies in der Vergangenheit schließlich allemal.
Während die Pemburu feiern, ihre Wunden lecken, die unglaublichen Erfahrungen ihrer Reise zu verarbeiten suchen und sich jeder für sich seinen oder ihren eigenen Tätigkeiten und Projekten widmet, brodelt im Osten des Archipels eine neue, gewaltbereite Kraft. Es ist das Erbe des manipulativen Geistes Mbah Suros. In den undurchdringlichen, fremden Urwäldern und Bergen West-Papuas verhelfen die von Söldnern eingeflogenen Dayak-Krieger, etlichen Rebellen-Zellen zu einer furchteinflößenden Kampfkraft. Nur wenige Monate später brennt West-Papua, das alte Irian Jaya, stets größter Schatz der indonesischen Befreiungskriege, in einer Welle aus Gewalt und Blut. Hunderte oder gar Tausende kommen ums Leben, Dörfer und Städte brennen und werden verwüstet. Die ANZAC, deren bedeutendster Vertreter das australische Militär ist, sieht sich nicht in der Lage, die periphere Gefahr ihres Territoriums länger hinzunehmen und entsendet Friedenstruppen. Bald kommt es zur Annexion aus Gründen der Sicherheit und Stabilität. Die gesamte Aktion, begleitet von großangelegten PR-Kampagnen, erstrahlt im Licht der Effizienz und Hilfe spendenden Intervention des australischen Militärs. Nur ein kleiner, aber bohrender Schatten nagt an diesem Bild. Wie kommt es, dass der Retter in der Not, die ANZAC, gerade diejenige ist, die von den plötzlichen, massiven Unruhen auf West-Papua am meisten profitiert?
Mbah Suro hätte sicherlich einige Antworten hierzu, wenn er denn über ein politisches Gewissen verfügen würde, und natürlich, wenn er noch am Leben wäre…
Akhir/Ende (Garuda)