von Garuda am Mi Feb 22, 2012 11:52
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Der geräumige Korridor hinter dem Tordurchgang ist mit Holz verkleidet. Zu beiden Seiten sind Tafeln in das Holz eingelassen, die großflächig Szenen aus der javanischen Geschichte zeigen: Kurawa, Pandawa, die Vereinigung des Sultans mit der Göttin der Südlichen See, javanische Prinzessinnen, in Sarong gehüllte Kämpfer mit wellenförmigen Kris. Dieser Abschnitt der Festung scheint unversehrt, bar jeder Beschädigung.
Vom Hauptkorridor aus zweigen Nebenflure ab - auch hier erhält sich die Symmetrie der Gesamtarchitektur. Das Ausmaß der Anlage ist beeindruckend, genau wie ihre detailierte Innengestaltung. In diesem Bereich sind nur wenige Leichen zu finden, und alle tragen sie traditionelle Kleidung. Anscheinend handelt es sich um persönliche Dienstleute und enge Berater, die hier ihren Tod gefunden haben.
Nach einiger Zeit mündet der Hauptkorridor in einen größeren Raum, an dessen gegenüberliegender Seite ein Tor zu erkennen ist, das demjenigen zu Beginn des Ganges gleicht. Getrennt durch einen Durchgang, der vom Hauptflur direkt zum Tor führt, befinden sich zu beiden Seiten des Raumes zahlreiche Musikinstrumente - an massiven, hölzernen Gestellen hängende Gongs, buckelförmige, auf dem Boden ruhende Klangschalen, Xylophone, Trommeln unterschiedlicher Größe. Insgesamt müssen es wohl über 50 Instrumente sein - ein ganzes Gamelang Ageng, das sogenannte große Instrumentarium. Nairi weitet angesichts dieser unschätzbaren Kostbarkeit die neugierig umherhuschenden Augen. Zwischen den Instrumenten liegen leblose Körper. Inas flüsternde Stimme ist in der bizarren Stille zu vernehmen. Die junge Frau erkennt die Kleidung der Männer wieder: es sind Hofmusiker, in der Hierarchie eines Kraton angesehene Persönlichkeiten, oft selbst von adeliger Herkunft.
Plötzlich ist eine Regung zu vernehmen. In einer Ecke des Raumes, dort, wo ein gewaltiger Wayang-Schirm ruht, ist zwischen den Requisiten und flachen Lederpuppen des Schattenspieltheaters eine Gestalt zu erkennen, die von dem großen, wandförmigen Schirm zum Großteil verdeckt wird. Und dann ist auch das Blut zu erkennen. Es führt zwischen den Instrumenten hindurch bis zum Wandschirm, besudelt die bronzenen Gongschalen. Als die Crew sich - aus mehreren Richtungen und gegenseitig sichernd - der Gestalt nähert, erkennen Ray und die anderen, dass es sich bei der massigen, großen Person um Bugan handelt, den Anführer der Gerhana Crew. Der gewaltige, halb-japanische Troll liegt hinter den Wayang-Aufbauten und hat bei seinem Sturz die Requisitenkiste zertrümmert, so dass er nun in einem Meer aus Wayag Kulit-Figuren ruht. Unter seinem Körper ist eine große Blutlache zu erkennen - eine Menge, deren Verlust jeden Menschen bereits in das Reich der Toten geführt hätte. Der Körper des Trolls ist mit tiefen Schnitten übersäht, das Gesicht verkrampft und sein rechtes Bein eine unkenntliche Masse aus zerfetztem Fleisch und Muskeln. Bugans Augen glänzen fiebrig, während seine Hände die mächtige Axt umschlossen halten, die als sein Markenzeichen gilt. Fast vergessen ruht neben seinem Körper das zerschrammte Ares HVAR, Bugans bevorzugte Schusswaffe.